12.03.2008

"Die SI beginnt sicher nicht, Prominente in die Pfanne zu hauen"

Anfang Jahr hat Dominic Geisseler die Chefredaktion der "Schweizer Illustrierten" übernommen. Im Gespräch mit "persoenlich.com" erklärt er, in welche Richtung sich die Zeitschrift entwickeln soll. Und: Was bei "Cash" und "Blick" bereits umgesetzt wird, plant Ringier auch für die Zeitschriften: ein überdachendes Portal. "In dieser Richtung wird sich in diesem Jahr sicher noch etwas geben", verspricht Geisseler. Das Interview:
"Die SI beginnt sicher nicht, Prominente in die Pfanne zu hauen"

Herr Geisseler, Anfang 2007 wurde der Abgang Marc Walders bekannt, Sie wurden als Chefredaktor erst Ende Oktober bestimmt. Warum hat die SI fast ein Jahr gebraucht, um die Nachfolge auf dem Chefposten zu regeln?

Das müssen Sie meinen Chef Daniel Pillard oder Ringier-CEO Martin Werfeli fragen. Ein Grund mag der Verkauf der Programmzeitschriften von Ringier an Axel Springer Schweiz gewesen sein. Die Übernahme ging erst im Juni 2007 über die Bühne, das hat die Besetzung der Chefredaktion bei der SI sicher etwas verzögert. Dazu kommt, dass die SI ja interemistisch von Verlagsdirektor Urs Heller geleitet wurde, also nicht ohne Führung war. Man konnte sich mit der Suche nach einem neuen Chefredaktor Zeit lassen.

Sie waren bereits von 1989 bis 2000 bei der SI, zuletzt vier Jahre als stellvertretender Chefredaktor. Wie hat sich die SI seit ihrem Abgang damals verändert?

Vor 10 Jahren ging die SI zu den Prominenten nach Hause und zeigte sie in ihrem privaten Umfeld. Seither haben viele Medien dieses People-Konzept übernommen, Tageszeitungen, Sonntagszeitungen und nicht zuletzt das Schweizer Fernsehen selbst, z.B. mit Sendungen wie "glanz & gloria". Jetzt muss das Rad weitergedreht werden. Es reicht für die SI nicht mehr, "nur" eine Homestory mit einer Wetterfee zu bieten. Aber die SI bleibt ganz klar ein People-Magazin. Die Nähe zu den Schweizer Stars ist unsere Kernkompetenz.

Wo wollen Sie mit der Zeitschrift hin?

Seit der Einstellung von Facts gibt es kein Nachrichtenmagazin mehr in der deutschen Schweiz, wodurch eine gewisse Lücke in Sachen Nachrichtenaktualität entstanden ist. Dort kann auch eine SI ansetzen. Wir wollen nicht zum "Stern" werden, aber die SI darf pro Ausgabe ruhig ein bis zwei Reportagen enthalten, die etwas anders inszeniert sind als eine Homestory.

Was für Geschichten meinen Sie konkret?

Die Reportage wurde bei der SI etwas vernachlässigt, darum möchte ich diese Form der Berichterstattung wieder vermehrt ins Blatt bringen. Wir sind zum Beispiel am Tag nach der Unabhängigkeit in den Kosovo gegangen und haben darüber berichtet, wie die Rückkehrer aus der Schweiz ihre neue Freiheit feierten. Wir werden aber nie eine Geschichte unter dem Titel "Krieg in Afrika" publizieren. Die SI kann jedoch ein von Schweizern geführtes Spital in Kenia besuchen, und so über die Lage in Afrika berichten. Entscheidend ist, dass die Reportage einen Schweizbezug aufweist.

Denken Sie auch an formale Änderungen?

Ich möchte die Gestaltung etwas aufbrechen und der Zeitschrift zu mehr Dynamik verhelfen. Momentan folgen oft mehrere dreiseitige Beiträge aufeinander. Künftig sollen auch deutlich längere oder kürzere Beiträge möglich sein.

Kommt es zu einem Relaunch?

Das Layout wurde vor einem halben Jahr angepasst, und auch inhaltlich sehe ich keinen Grund für eine grundsätzliche Richtungsänderung. Wir wollen die SI langsam und kontinuierlich weiterentwickeln. Zudem sind ein paar neue Rubriken in Planung.

Unter Ihrem Vorgänger Marc Walder hat man in der SI kaum ein kritisches Wort über Prominente finden können. Halten Sie an diesem Schmusekurs fest?

Gerade im Nachrichtenbereich kann man Themen aufgreifen, die nicht nur die schöne heile Welt zeigen. Ich kann mir auch People-Geschichten vorstellen, die nicht immer in Absprache mit den betroffenen Leuten entstehen. Da darf man durchaus einen Zacken zulegen. Die SI beginnt aber sicher nicht, Prominente in die Pfanne zu hauen.

Der Service-Anteil in der SI wird immer grösser. Muss die Zeitschrift nicht aufpassen, dass sie nicht zum Verkaufskatalog verkommt?

Wir stellen Neuheiten und Trends vor allem in der Rubrik "Shopping" vor, und dies unabhängig von irgendwelchen Inserenten. Aber die Service-Themen bieten für die Anzeigenkunden ein attraktives Umfeld. Das ist mit ein Grund, warum die SI seit Jahren finanziell so erfolgreich ist.

Axel Springer Schweiz richtet seine TV-Zeitschriften neu aus. "People" und "Infotainment" lauten die Stichworte. Sehen Sie da für die SI neue Konkurrenz erwachsen?

"Tele" entwickelt sich ja eher von den Promi-Themen weg, und "TV-Star" berichtet nicht im gleichen Umfang über Prominente wie die SI. Die TV-Zeitschriften sehe ich daher nur als sehr bescheidene Konkurrenz.

Im Hause Ringier setzt man bei "Cash" und "Blick" auf eine One-Brand-Strategie und starke Online-Plattformen. Gibt es bei den Ringier Zeitschriften mit der SI auch solche Pläne?

Wir haben ja bei der "Schweizer Illustrierten" seit Jahren und mit grossem Erfolg eine One-Brand-Strategie: "Schweizer Illustrierte", "SI Style", "Goal", "al dente" und alle übrigen Lifestyle-Magazine erscheinen unter ein und demselben Markendach. Wir denken aber auch über ein neues Portal nach. In dieser Richtung wird sich in diesem Jahr sicher noch etwas geben.

(Interview: Stefan Wyss)


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