Herr Heinzelmann, die SRG wird die Schweizer Fussball-Spiele wohl weiterhin ausstrahlen, auch wenn Cinetrade nun den Zuschlag erhalten hat.
Ja, das ist anzunehmen. Die Liga hat sich vorbehalten, der SRG die Übertragung von 36 Spielen anzubieten. Bis anhin waren es 10, neu sind es 36 Spiele, die sie übertragen könnten. Ob die SRG dieses Angebot annehmen wird, wird sich weisen.
Wovon ist dies abhängig? Vom Preis?
Das ist nicht primär eine Preisfrage, umso mehr als diese Spiele von der Liga der SRG angeboten werden. Wir haben keine Ambitionen, dass der Preis für die SRG überhöht ist. Es sind allenfalls persönliche Animositäten, die im Weg stehen.
Es hat ziemlichen Zoff gegeben.
Für die SRG ist der Verlust der Übertragungsrechte offenbar ein harter Schlag so jedenfalls kommt es in der Medienberichterstattung rüber. Doch ich sehe keinen Grund dafür, eingeschnappt zu sein: die SRG bekommt 36 Spiele, also wesentlich mehr als bis anhin und somit das, was sie immer wollte.
Sie zahlen 186 Millionen für fünf Jahre. Haben Sie vorallem finanziell das bessere Angebot gemacht?
Das konkrete Angebot der SRG habe ich nie gesehen. Aber laut den Pressestimmen war wohl unserer finanzielles Angebot höher und wir konnten bessere Leistungen anbieten als die SRG mit ihren Partnern. Wir übertragen eine grössere Anzahl Spiele, auch der Challenge League, und haben eine grosse Verbreitung über verschiedene Kanäle. Ausschlaggebend war sicherlich auch der Umstand, dass Cinetrade seit fünf Jahren ein wichtiger Partner der Liga ist wir haben bisher jährlich 170 Spiele übertragen. Somit verfügen wir über eine bessere, da bestehende Referenz hinsichtlich unserer Arbeit, deren Qualität und unser Engagement als dies das Konsortium der SRG mit den Kabelnetzbetreibern bieten konnte.
Wie garantiert Cinetrade die breite Distribution?
In der letzten Saison hatten wir 10 Millionen Zuschauer, das ist eine sehr hohe Zahl. Damit können wir uns sehen lassen - wir erreichen also sehr viele Leute. Da wir ja über Swisscom-TV alle Spiele als Einzelabruf anbieten, wächst unsere Plattform mit der zunehmenden Zahl von Haushaltungen, welche einen SwisscomTV Anschluss besitzen, laufend. Wöchentlich werden wir grösser, durch mehr Nutzer und technische Erweiterungen. Wir distribuieren unsere Übertragungen über alle Plattformen(SwisscomTV, Kabelnetz sowie über Web- und Mobile) in der ganzen Schweiz und in drei Landessprachen kommentiert. Darüber hinaus werden wir im Bereiche der Nachverwertung Kooperationen mit Dritten suchen.
Fussballspiele zu übertragen ist aufwändig und anspruchsvoll. Können Sie die gleich hohe technische Qualität garantieren wie SRF?
Auf jeden Fall bieten wir dieselbe Qualität. Wir produzieren seit zwei Jahren mit Mediatec, einem schwedischen Unternehmen mit ausgezeichneten internationalem Ruf, das für die Produktion von Übertragungen nationaler (dänische, schwedische und finnische Fussballligen) und internationaler Sportevents verantwortlich zeichnet. Das Niveau ist keineswegs unterklassig, die Qualität steht sicher nicht in Frage. Im Unterschied zu SRG arbeiten wir mit unserem Produktionspartner einfach viel günstiger.
Wie garantieren Sie die journalistische Qualität?
Wir machen seit fünf Jahren interne Qualitätskontrollen. Unsere steigenden Zuschauerzahlen belegen, dass wir unsere Sache nicht schlecht machen. Wir werden aber weiterhin an der Qualität der Moderatoren arbeiten.
Stellen Sie dafür neue Sportmoderaren ein oder bilden Sie die bestehenden weiter?
Beides. Wir verbessern die Qualität intern, doch wir schauen schon auch auf dem Markt, ob es geeignete Kommentatoren gibt, die wir ansprechen könnten.
Attraktiv sind bestimmt die gut ausgebildeten, erfahrenen SRF-Kommentatoren.
Ja, aber wir gehen nicht auf Abwerbetour. Diese sind ja dort angestellt.
Urs Leutert könnte der verpasste Deal seinen Job als SF-Sportchef kosten. Könnte er allenfalls bei Ihnen anklopfen?
(lacht). Das ist eine ziemlich hypothetische Frage, diese kann ich nicht beantworten.
Bei SRG waren die Werbetreibenden eingeschränkt, z.B. aufgrund der Restriktionen bei Kameraschwenks und Werbung auf Leibchen. Das wird sich ändern. Welche weiteren Änderungen wird es geben?
Hier kann ich noch nicht viel sagen, weil wir hier mit (erfahrenen) Partnern zusammenarbeiten und diese hierfür verantwortlich zeichnen und sich zu gegebener Zeit dazu äussern werden. Sicher ist, dass wir den Clubs und ihren Werbe- und Sponsoringpartnern eine breite Plattform anbieten werden.
Inwiefern hat Cinetrade Absichten die Übertragungsrechte auch im Bereich Ski oder Hockey zu erwerben?
Über Verhandlungen in anderen Sportarten kann ich mich nicht äussern. Die kommen erst.
Interview: Edith Hollenstein

