Der Freitagvormittag des Medienkongresses in Interlaken stand ganz im Zeichen der SRG: Unter dem Titel "Die öffentlich-rechtlichen Sender sind überflüssig" sprach Dr. Helmut Thoma mit Tagesmoderator Hannes Britschgi. Auf der Bühne bezeichnete dieser den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als "Verwalter des Überflüssigen". Es gebe schlicht keine Gründe mehr, die für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk sprechen. In verschiedenen Ländern seien bereits "Auflösungserscheinungen" zu sehen. So werde in Grossbritannien sogar die BBC in Frage gestellt.
Thoma, der auch im Verwaltungsrat des privaten Fernsehsenders 3+ sitzt, lobte die Vorgehensweise von Geschäftsführer und Gründer Dominik Kaiser. Er habe nicht versucht, eine Zeitung ins Fernsehen zu bringen, wie das viele andere täten. Er habe einfach TV gemacht.
"Gibt es die SRG in 10 Jahren noch?"
Gleich danach wurde auf dem Podium im Salle Côté Jardin über die Frage diskutiert, wer der SRG Grenzen setzt. Am Panel beteiligten sich nebst Claudia Blumer ("Tages-Anzeigers"), Rico Bandle ("Weltwoche") und Nick Lüthi ("Medienwoche") auch Rainer Stadler (NZZ) sowie Philipp Cueni ("Edito"). Moderiert wurde die Debatte von "Persönlich"-Verleger Matthias Ackeret.

"Werden der SRG Grenzen gesetzt?", eröffnete Ackeret ganz direkt die Runde. Nein, sagte Claudia Blumer, und deshalb könnten ihr auch keine Vorwürfe gemacht werden. Es sei an den Aufsichtsorganen, dies zu ändern. Rainer Stadler vertrat die Ansicht, dass Geld die effektivste Massnahme sei, die SRG in die Schranken zu weisen.
"Gibt es die SRG in zehn Jahren noch?" lautete die Frage zum Abschluss des rund 30-minütigen Panels. Die Antwort war unisono Ja. Und Philipp Cueni fügte an: "Wir sollten nicht aufhören öffentlich über den Service Public zu diskutieren. Schliesslich ist die SRG auch öffentlich finanziert."
Die Debatte um den Auftrag der SRG wird in der Branche seit Jahren geführt. Nach der Abstimmung über das RTVG-Gesetz am 14. Juni und nach der Ankündigung der Werbeallianz von SRG, Swisscom und Ringier hat sie neuen Zündstoff erhalten.
Text und Bilder: (wid)

