01.10.2025

Der Bund

Die Zeitung feiert 175 wechselhafte Jahre

Die Berner Tageszeitung erschien zum ersten Mal am 1. Oktober 1850. Bis in den 1990 Jahren war es eine Familiengeschichte. Dann hat die Zeitung mehrmals den Besitzer gewechselt. Sie stand auch Mal kurz vor dem Aus.
Der Bund: Die Zeitung feiert 175 wechselhafte Jahre
Der Bund blickt auf eine 175-jährige Geschichte zurück. Hier Extrablatt-Verkauf nach dem Sturz von Benito Mussolinis in 1943. (Bild: Keystone/Photopresse-Archiv/Meyer)

Wir schreiben das Jahr 1847. In London diskutieren sieben Schweizer die Idee, eine unabhängige und liberale Zeitung zu gründen, die über das nationale Geschehen berichtet. Am 1. Oktober 1850 ist es so weit: Die Zeitung Der Bund erscheint erstmals.

Diese erste Ausgabe ist vier Seiten dünn, die Auflage beträgt 1000 Exemplare. Die Zeitung erscheint fortan täglich, von 1891 bis 1967 gar zweimal pro Tag.

1911 bezieht die Redaktion an der Effingerstrasse beim Hirschengraben ein neues, repräsentatives Gebäude mit dem berühmten Bund-Turm, an dem bis heute das blaue Logo der Zeitung prangt. Der Turm wird absichtlich nicht vorne an der Kreuzung gebaut, sondern etwas zurückversetzt, sodass er vom Bundesplatz aus sichtbar ist: Der Turm als Verkörperung der vierten Gewalt, die über die Demokratie wacht.

Bis 1994 wird die Zeitung an der Effingerstrasse gemacht. Nach zwei weiteren Umzügen landet die Redaktion 2008 schliesslich an ihrem heutigen Standort im Lorrainequartier.

Komitee setzte sich für Erhalt ein

Gegründet wurde der Bund vom Solothurner Buchhändler Louis Jent. Bis zur Übernahme 1993 durch Ringier bleibt die Zeitung in Familienhänden. Später ist sie auch noch im Besitz der NZZ und der Berner Espace Media Groupe, ehe die Zürcher Mediengruppe Tamedia übernimmt, zu der sie bis heute gehört.

2008 stellt Tamedia die Bund-Redaktion vor die Wahl: Entweder, die Zeitung wird mit der BZ zusammengelegt, oder sie arbeitet eng mit dem Tages-Anzeiger zusammen. Diese Aussichten rufen das Komitee «Rettet den Bund» auf den Plan. Berner Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Sport machen sich für den Erhalt des Bunds stark.

Dieser überlebt schliesslich und bezieht seine überregionalen Inhalte fortan vom Tagi. Somit ist der Bund erstmals Teil eines Zeitungsverbunds. 2021 erfolgt der nächste grosse Einschnitt: Die Redaktionen von Bund und BZ werden zusammengelegt, behalten aber eine eigene Chefredaktion.

Der Inhalt der beiden Zeitungen ist seither sehr ähnlich. Während die BZ das lokale Geschehen stärker begleitet, richtet der Bund seinen Fokus etwas weiter in die Welt hinaus. Die Lokalteile stammen aus der gemeinsamen Berner Redaktion, zu überregionalen Themen wird Bern von der Redaktion des Tagi aus Zürich beliefert.

Tech-Unternehmen als Konkurrenz

Tamedia verordnete ihren Redaktionen in den vergangenen Jahren mehrfach Sparprogramme, Personalabbauten und Umstrukturierungen. Der Bund berichte exemplarischer und fokussierter als früher, schreibt der Chefredaktor Marcello Odermatt auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Der Journalismus ist unter der Dynamik des Medienwandels auch qualitativ nochmal weiter gewachsen.»

Gleichzeitig müsse der Bund die Balance hinbekommen, «auch für jüngere Zielgruppen interessant zu sein». Die stärkste Konkurrenz ortet Odermatt in den grossen Tech-Unternehmen. Gefragt sei Innovation, die Zeitung müsse zudem ihre «tiefe Verwurzelung und lokale Kompetenz in der Schweiz entsprechend als Vorteil nutzen».

Der Bund stehe nach wie vor für «hartnäckige Recherchen, politische Aufklärung, exemplarische Reportagen und aktuelle Hintergründe aus der ganzen Welt und im Kulturbereich», zeigt sich Odermatt überzeugt.

Im Jahr 2000 erreichte der Bund gemäss Tamedia mit 68'463 Exemplaren die höchste Auflage seiner Geschichte. Aktuell hat er gemeinsam mit der BZ eine Auflage von 91'645. Einzeln weist Tamedia die Auflagen nicht aus. 253'000 Leserinnen und Leser erreichen BZ/Bund laut neuster Erhebung. Rund 70 Mitarbeitende in den Bereichen Editorial, Foto, Social Media, Digital Desk und Print Desk arbeiten in Bern.

Ihnen steht 2026 ein nächster Schritt bevor: Bund und BZ beziehen gemeinsame Räumlichkeiten im neuen Bubenbergzentrum am Berner Bahnhof. Für den Bund ist es eine Rückkehr zu seinen Wurzeln im Stadtzentrum. (sda/spo)

Von Dario Greco, Keystone-SDA


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