31.05.2012

NZZ

Digital-Abo kostet 428 Franken

Auch der Tagi prüft eine Paywall.

Wie die Veranstalter mitteilen, hat die NZZ am Swiss Media Forum erstmals bekannt gegeben, was die Paywall bedeutet: Wer NZZ Online nutzen will, zahlt künftig 428 Franken im Jahr. Peter Hogenkamp, Leiter Digital und Unternehmensleitungsmitglied der NZZ, sagte am Donnerstagnachmittag in Luzern: "Wir werden ein extrem hochpreisiges Angebot haben: 428 Franken für unser gesamte Webangebot mit Archiv, Videos und so weiter." Die NZZ setze voll auf Qualität, darum der hohe Preis, begründete Hogenkamp. Er räumte ein, dass der Erfolg ungewiss sei: "Ich habe keine Ahnung, ob die Paywall funktioniert. Aber man muss im heutigen Umfeld einfach experimentieren."“ Zuversichtlich stimmt ihn, dass die Nachfrage für das heutige "langweilige E-Paper" der NZZ immerhin 9'000 Solo-Abonnenten habe, sagte Hogenkamp.

Für die Abonnenten der gedruckten NZZ bleibt das Online-Angebot gratis. Das Print-Abo kostet 595 Franken. Hogenkamp: "Wir schreiben demnächst alle Printabonnenten an und teilen ihnen mit, dass sie die Paywall nie sehen werden." Die neue Online-Preispolitik der NZZ tritt im September in Kraft, später als urspünglich geplant. Hogenkamp sagte selbstkritisch: "Die Paywall schon auf März anzukündigen, war Quatsch. Da haben wir uns verschätzt." Hogenkamp äusserte sich auch zum Verhältnis von Print- und Online-Journalisten. Da gebe es Gräben wie überall, auch bei der NZZ, aber: "Markus Spillmann und wir alle schütten diese Gräben gemeinsam zu."

Auch beim "Tages-Anzeiger" wird die Einführung einer Kostenpflicht für das Online-Angebot geprüft. Peter Wälty, Chefredaktor von Newsnet/tagesanzeiger.ch sagte am SwissMediaForum: "Beim Tages-Anzeiger diskutiert man eine Paywall." Der Grund sei folgender: "2009 war Tagesanzeiger.ch break-even, auch 2010 wuchsen wir, aber 2011 haben die Umsätze stagniert - wegen der Verlagerung zu mobilen Geräten." Darum überlege man sich nun, die Umsätze mittels Paywall zu steigern. Wälty selber will aber nichts überstürzen: "Ich persönlich würde es begrüssen, damit noch etwas zu warten – und die Erfahrungen beispielsweise der NZZ abzuwarten."

Weiter hat Swiss-CEO Harry Hohmeister eine technologische Offensive angekündigt. "Wir stehen noch ganz am Anfang", sagte er an dem Podium, "zurzeit wird eine Art WLAN fürs Flugzeug entwickelt." Passagiere sollen mit ihrem Smartphone oder Laptop auch in der Luft aus Internet gehen können. "Das System ist noch nicht soweit, ich gehe davon aus, dass es in fünf Jahren losgeht", sagte Hohmeister. Voraussetzung sei, dass sich genügend viele Leute einloggen könnten und dass das System stabil sei – beides sei zurzeit noch nicht erfüllt. Ausserdem will die Swiss den Service übers Smartphone ausbauen. "Ein Beispiel: Wenn man in der Schlange vor dem Economy-Schalter steht, kann man künftig mit seinem mobilen Endgerät auf Business Class upgraden." Am SwissMediaForum, das am Donnerstag und Freitag im KKL Luzern stattfindet, nehmen 340 Personen aus Medien, Kommunikation, Wirtschaft und Politik teil. (pd)


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