05.11.2014

Axel Springer

Digitalgeschäft beflügelt Wachstum

Im Kampf der Verlage gegen Google eingeknickt.

Digitale Zeitungsabos, Stellen- und Immobilienanzeigen: Der auch in der Schweiz tätige Medienkonzern Axel Springer ("Beobachter", Handelszeitung") wächst vor allem im Internet. In den ersten neun Monaten dieses Jahres legte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 6,9 Prozent auf rund 2,177 Milliarden Euro zu. Axel Springer mache gute Fortschritte auf dem Weg zum führenden digitalen Verlag, sagte Konzernchef Mathias Döpfner am Mittwoch.
 
Mehr als die Hälfte des Umsatzes (52,2 Prozent) erwirtschaftet Springer inzwischen mit digitalen Angeboten. Treiber sind dabei vor allem das Annoncengeschäft mit Wohnungs- und Jobanzeigen, die in den ersten neun Monaten ein Umsatzplus von gut 20 Prozent erzielten, sowie die Vermarktungsangebote mit Plattformen wie das Preisportal Idealo mit einem Plus von 12 Prozent.
 
Springer hält auch weiter Ausschau nach Zukäufen im lukrativen digitalen Geschäft. "Wir gucken uns viele Sachen an, haben aber keine Eile", sagte Döpfner. Der Konzern peilt ein stärkeres Engagement im englischsprachigen Markt an.
 
Schwaches Wachstum der Bezahlangebote
Die Bezahlangebote, zu denen Springers journalistische Titel mit ihren Internet-Varianten gehören, wiesen dagegen von Januar bis September nur einen leichten Umsatzanstieg von 0,9 Prozent auf. Zu den Ursachen zählten ein schwacher Werbemarkt sowie die Effekte aus dem Verkauf von Regionalzeitungen und Zeitschriften wie das "Hamburger Abendblatt" und die Zeitschrift "Hörzu".
 
Döpfner äusserte sich zuversichtlich über die Perspektiven für journalistische Bezahlangebote im Internet. "Bild" und "Welt" hätten fast 300'000 zahlende neue digitale Abonnenten gewonnen. Der Springer-Chef wünschte sich, dass auch andere Verlage in Deutschland beherzter das Bezahlmodell für Journalismus im Netz angingen. Stattdessen beschäftigten sich viele Medienhäuser lieber mit Stellenabbau in den Redaktionen, sagte er.
 
Für das ganze Jahr 2014 rechnet Springer unverändert mit einem Anstieg der Gesamterlöse im mittleren einstelligen Prozentbereich. Beim operativen Gewinn erwartet die Geschäftsleitung weiter einen Anstieg im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. In den ersten neun Monaten legte das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 8,1 Prozent auf 363,9 Millionen Euro zu.
 
Niederlage im Streit mit Google
Im Streit mit Google streckte Axel Springer allerdings die Waffen. Im Konflikt um das sogenannte Leistungsschutzrecht lässt Springer nun wieder auch Vorschaubilder und Textanrisse gratis in Diensten des Internet-Konzerns auftauchen. Das deutsche Gesetz ermöglicht den Verlagen seit August 2013 faktisch, Geld von Suchmaschinenbetreibern zu fordern, die Textteile der Pressehäuser ab einer bestimmten Länge im Internet verwerten.
 
Google lehnt dies ab. Der US-Konzern hat eine verkürzte Darstellung von Texten angekündigt, um die Risiken infolge einer Klage der Verlage und ihrer Verwertungsgesellschaft VG Media zu minimieren. Denn die Verlage halten juristische Schritte gegen Google aufrecht. Zuletzt hatten mehrere Unternehmen jedoch ihre Geldforderung aufgegeben und Google eine Gratislizenz gewährt, da sie Einbrüche bei Umsatz und Gewinn befürchteten.
 
Springer hingegen pochte zunächst bei vier Marken (welt.de, computerbild.de, sportbild.de und autobild.de) auf Zahlung, woraufhin Google im Netz die betreffende Anzeige von Suchergebnissen deutlich eingeschränkt hat. Die Folge war drastisch: In den vergangenen zwei Wochen seien deutlich weniger Nutzer auf Webseiten der betroffenen Springer-Medien weitergeleitet worden, sagte Döpfner.
 
"Bei Google-News ist der Traffic um rund 80 Prozent eingebrochen." Der finanzielle Schaden durch entgangene Vermarktungsumsätze hätte sich - bezogen auf das Gesamtjahr - im siebenstelligen Bereich pro Marke bewegt. Aus diesem Grund habe Springer widerwillig die Gratiseinwilligung erteilt. Der Medienkonzern wirft Google aber weiterhin den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung vor. (sda)


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