22.09.2016

Swiss Media Forum 2016

«Digitalisierung ist eben Entmaterialisierung»

Der «Bild»-Herausgeber Kai Diekmann spricht in Luzern über die Zielgruppe Millenials und liefert seine eigene «Bild»-Schlagzeile.
Swiss Media Forum 2016: «Digitalisierung ist eben Entmaterialisierung»
«Was nichts kostet, das ist auch nichts»: Kai Diekmann am Swiss Media Forum in Luzern. (Bilder: zVg.)
von Claudia Maag

Kai Diekmann sprach am Swiss Media Forum am Donnerstagnachmittag mit Moderatorin Susanne Wille über den digitalen Wandel von Europas grösser Zeitung, der «Bild».

Diekmann ist seit Anfang 2016 Herausgeber der «Bild»-Zeitung. Zuvor war er 15 Jahre deren Chefredaktor. 2012/2013 entwickelte er im Silicon Valley Ideen für das digitale Wachstum bei Axel Springer. Die dort gemachte Erfahrung sei ein wesentlicher Einschnitt gewesen, so Diekmann. «Wie schnell das traditionelle Geschäftsmodell zerstört wird, war mir zuvor nicht klar.»

Bilder: evenito, weitere Bilder gibt es hier.

Als Susanne Wille fragt, wie viel er mit der «Bild» denn nun online verdiene, weicht er aus. Seit 2013 arbeitet die Zeitung mit einer Paywall. Für gewisse Geschichten muss ein Abo gelöst werden. Heute habe die Bild 340'000 Ditialabonnenten. Diekmann ist zufrieden: «Wir sind heute online stand alone profitabel.»

Den etwas gewagten Schritt, iPad-Leser zu zwingen, die «Bild»-App herunterzuladen, um so die Inhalte lesen zu können, kommentiert er so: «Was nichts kostet, das ist auch nichts.» Die «Bild» habe sich das leisten können. «Wenn wir online kein Geld nehmen, werden wir auf lange Sicht nicht erfolgreich sein.»

«Millenials erreichen Sie nicht am Kiosk»

«Millenials erreichen Sie nicht mehr physisch am Kiosk.» Das blöde sei, dass in den Redaktionen viele von seiner Generation sitzen, welche über 50 Jahre alt sind.«Die Millenials haben gelernt, dass sie auf Facebook, Twitter oder Snapchat Inhalten begegnen, die sie interessieren und die für sie relevant sind.» In der digitalen Welt sei man gar nicht mehr bereit, danach zu suchen.

Diekmann schwärmt von den «neuen Möglichkeiten, Geschichten zu erzählen.» Und zwar nicht nur anders, sondern auch spektakulärer. Video sieht er als völlig eigenes Erzählformat. Diese Formate und die damit entstandenen Möglichkeiten für Journalisten seien «unglaublich visuell und grossartig.»

Durch «Facebook live» würden sie zudem in die Lage versetzt, Fernsehen anzugreifen. «Das war bisher nicht möglich, da wir nicht über die entsprechende Infrastruktur verfügten.» «Bild» kooperiere mit Facebook - wenn sie entsprechende Videoinhalte zur Verfügung stellten, würden sie dafür von Facebook bezahlt. Diekmann bringt es auf den Punkt: «Digitalisierung ist eben Entmaterialisierung.»

Fotos fliegen durch die Redaktion

Ein eingespielter Film zeigt den Pätsch Screen, der in der «Bild»-Redaktion steht. Eine Art riesiges iPad, das mitten im Raum steht. Wie in der Serie «Hawaii Five-o» fliegen die Bilder mittels Wisch mit der Hand durch den Raum und erscheinen auf einem anderen Bildschirm. Der Pätsch Screen ist bereits zehn Jahre alt und wurde mit einem Berliner Startup entwickelt.

Ins Stocken gerät Diekmann, als er seine eigene «Bild»-Schlagzeile aus dem Ärmel schütteln soll. In der Redaktion sei das ein langwieriger Prozess und Teamarbeit. Er versprach jedoch, sie via Twitter nachzuliefern. Und hier ist sie:



Kommentar wird gesendet...

Kommentare

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Anzeige
Zum Seitenanfang
persönlich Exemplar