18.02.2013

Kuba

Dissidentin und Bloggerin auf Auslandtournee

Yoani Sánchez nutzt die neue Reisefreiheit.
Nach Jahren des Kampfes gegen die Bevormundung durch die kubanischen Behörden hat die Dissidentin und Bloggerin Yoani Sánchez am Montag eine Auslandstournee begonnen. Die 37-jährige Autorin traf zunächst in der brasilianischen Stadt Recife ein.

Sie will in den kommenden drei Monaten zwölf Länder besuchen, darunter mehrere europäische - und profitiert dabei von der seit dem Januar eingeführten weitgehenden Reisefreiheit für Kubaner.

Brasilien habe die meisten Anstrengungen unternommen, um sie aus Kuba "herauszuholen", begründete Sánchez, warum sie zunächst in dieses Land reiste. In Recife wurde sie unter anderem von dem brasilianischen Regisseur Dado Galvao begrüsst, der sie für seinen Dokumentarfilm "Conexion Honduras" interviewte.

Neuer Lebensabschnitt

Sánchez hatte dank eines neuen Gesetzes kürzlich einen Pass bekommen, was ihr wegen ihrer Kritik an der Regierung jahrelang verwehrt wurde. "Mit dieser Tour beginnt ein neuer Abschnitt in meinem Leben, und es wird auch journalistisch eine wunderbare Erfahrung sein", sagte Sánchez.

Es sei ein fünfjähriger Kampf gewesen, "diese Absurdität zu beenden", ergänzte die Bloggerin mit Blick auf ihre Bemühungen um einen Reisepass.

Nach Angaben ihres Verlags Contexto will Sánchez zwei Tage in São Paulo bleiben. In den USA wolle sie die Büros von Google, Twitter und Facebook
besuchen, kündigte sie im Internet-Kurzbotschaftendienst Twitter an.

Jahrelanger Kampf um Ausreise

Sánchez, die vorübergehend in der Schweiz gelebt hatte, bevor sie in ihre Heimat zurückkehrte, wurde jahrelang die Ausreise verweigert. Noch im
vergangenen Jahr scheiterte eine Brasilien-Reise an der Weigerung der kubanischen Behörden, ihr einen Pass auszustellen.

Ein im Januar in Kraft getretenes Gesetz gewährt den Bürgern des kommunistischen Inselstaates erstmals seit einem halben Jahrhundert grundsätzliche Reisefreiheit. Fortan dürfen Kubaner über 18 Jahre mit einem Reisepass ausreisen, dessen Ausstellung allerdings 100 US-Dollar kostet. Ende Januar hatte Sánchez bekanntgegeben, dass sie einen Pass erhalten habe.

Sánchez verbreitet über ihren Blog "Generation Y" kritische Ansichten über die Zustände in Kuba. 2008 wurde sie von der spanischen Zeitung "El País" mit dem Ortega-y-Gasset-Preis für Online-Journalismus ausgezeichnet. Da die meisten Kubaner keinen Internet-Anschluss haben, wurden die Aktivitäten von Sánchez jedoch vorwiegend im Ausland verfolgt. (sda)

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