16.11.2020

Vorwürfe gegen RTS

Drei externe Untersuchungen gestartet

Zwei externe Stellen untersuchen die kürzlich bekannt gewordenen Belästigungsvorwürfe bei RTS. Die interne Revision der SRG überprüft zudem mit externer Unterstützung die vorhandenen Instrumente zum Schutz der persönlichen Integrität der Mitarbeitenden.
Vorwürfe gegen RTS: Drei externe Untersuchungen gestartet
Eine «lückenlose und unabhängige» externe Aufklärung sei man den Betroffenen schuldig, schreibt SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina in einer Mitteilung. (Bild: Keystone/Patrick Huerlimann)

Wie RTS am Montagnachmittag mitteilte, wurden die Genfer Anwältinnenkanzlei «Troillet Meier Raetzo» und die unabhängigen Experten Muriel Epard und Stanislas Zuin beauftragt. Damit würden drei unabhängige Untersuchungen gestartet.

Der ganze Verwaltungsrat und er selber stünden ein für eine lückenlose, unabhängige Untersuchung der Fälle bei RTS sowie der Verantwortlichkeiten und der Tauglichkeit der vorhandenen Instrumente zum Schutz der persönlichen Integrität, lässt sich SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina in der Mitteilung zitieren. Das sei man den Betroffenen schuldig.

Unterschiedliche Mandate

Die auf Arbeitsrecht spezialisierte Kanzlei «Troillet Meier Raetzo» soll dabei die Ende Oktober bekannt gewordenen Fälle bei RTS «aufrollen und untersuchen». Die Zeitung Le Temps hatte damals unter Berufung auf anonyme Quellen enthüllt, dass es innerhalb von RTS während Jahren zu Mobbing und zu sexueller Belästigung gekommen sein soll (persoenlich.com berichtete).

Die Befragten berichteten in der Recherche von offener Belästigung, ungewollten Küssen, anzüglichen Kommentaren und systematischem Machtmissbrauch. Angeschuldigt wurden drei Mitarbeiter, darunter Darius Rochebin, langjähriger Moderator der RTS-Tagesschau. Die Direktion und die Personalverantwortlichen von RTS hätten konsequent weggeschaut.

Rochebin, der seit Herbst beim französischen Nachrichtensender LCI eine Talk-Show mit berühmten Persönlichkeiten moderiert, hat unterdessen eine Verleumdungsklage gegen Le Temps eingereicht.

Ergebnisse voraussichtlich im Februar

Muriel Epard, die ehemalige Präsidentin des Kantonsgerichts Waadt, und Stanislas Zuin, ehemaliger Präsident des Genfer Rechnungshofs, sollen jetzt untersuchen, ob die Rollen und Verantwortlichkeiten in den RTS-Fällen klar geregelt waren. Ausserdem sollen sie klären, ob die Verantwortung von Führungspersonen und Fachstellen genügend wahrgenommen wurde.

Die beauftragten Stellen und Personen werden laut Medienmitteilung vom Montag jeweils einen Bericht zuhanden des SRG-Verwaltungsrates verfassen. Voraussichtlich im Februar 2021 sollen Sozialpartner, Mitarbeitende der SRF und die Öffentlichkeit darüber informiert werden.

Auf die Anschuldigungen reagierten die RTS-Direktion und der SRG-Verwaltungsrat Anfang November mit der Bekanntgabe, dass die beiden Führungskräfte vorübergehend suspendiert und zwei unabhängige Untersuchungen eingeleitet wurden. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Am vergangenen Mittwoch wurde zudem bekannt, dass sich der Chefredaktor der Nachrichtensendungen beim Westschweizer Fernsehen, Bernard Rappaz, während der bei RTS eingeleiteten Untersuchungen temporär zurückziehe. Die Leitung der Redaktion werde von den stellvertretenden Redaktionschefs übernommen.

Das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) ermutigt die Betroffenen, sich am weiteren Vorgehen zu beteiligen, damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden können, wie es in einer Mitteilung vom Montagabend heisst. RTS und die SRG hätten sich für einen konstruktiveren Dialog geöffnet als in der Vergangenheit. Das SSM sei an der Auswahl der Mandatsträger beteiligt gewesen, heisst es weiter. (sda/lol)



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Kommentare

  • Victor Brunner, 16.11.2020 19:09 Uhr
    2 externe und eine interne Stelle prüfen, was soll das bringen ausser Verschwendung von Zwangsgebühren, wichtige Erkenntnisse werden in Überschneidungen, Grabenkämpfen und Rücksischtsnahmen untergehen. Wichtig: Marchand darf nicht "befleckt" werden!
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