13.10.2014

Türkei

Drei festgenommene deutsche Fotojournalisten wieder frei

Ihnen wurde vorgeworfen, als "Provokateure" aufgetreten zu sein.

Drei am Wochenende in der Türkei festgenommene deutsche Fotojournalisten sind wieder auf freien Fuss gesetzt worden.
 
Der Sprecher des deutschen Aussenministeriums, Martin Schäfer, bestätigte in Berlin die Freilassung der drei Deutschen in der Nacht zum Montag.
 
Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) sollten die Journalisten umgehend von der Staatsanwaltschaft der Stadt Diyarbakir wegen des Vorwurfs der Unruhestiftung vernommen werden.
 
Björn Kietzmann, Ruben Martin Neugebauer und Christian Grodotzki wurden laut ROG am Samstagabend festgenommen, weil sie 20 Demonstranten provoziert oder gesteuert haben sollen.
 
Die Fotojournalisten hielten sich in der überwiegend von Kurden bewohnten Stadt Diyarbakir im Südosten der Türkei auf, um über die teils gewalttätigen Proteste der türkischen Kurden zu berichten.
 
Bei Demonstrationen gegen die militärische Zurückhaltung Ankaras gegenüber der Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) in Syrien und Irak waren in den vorangegangenen Tagen mehr als 30 Menschen getötet worden.
 
Berlin frühzeitig informiert
Laut Schäfer war Berlin frühzeitig über die Festnahme der Gruppe informiert worden. Die deutsche Botschaft in Ankara habe daraufhin Kontakt zu den türkischen Behörden und zu den Festgenommenen aufgenommen.
 
Wie das Verfahren gegen die Beschuldigten ausgehe, sei unklar, sagte Schäfer. "Im besten Fall" könnten die drei ihre Arbeit fortsetzen. Kietzmann erklärte am Montagabend über Twitter, dass er und seine zwei Berufskollegen nicht ausgewiesen werden sollten. Die Fotoapparate und Telefone der drei Fotoreporter seien aber noch beschlagnahmt.
 
Die Deutschen arbeiten für eine Agentur sowie für mehrere Zeitungen und Zeitschriften. ROG fürchtet, dass die drei im Falle einer Verurteilung abgeschoben würden und ein Einreiseverbot verhängt werde.
 
"Journalisten dürfen nicht kriminalisiert werden, bloss weil sie über Demonstrationen oder Unruhen berichten", erklärte der Geschäftsführer von ROG-Deutschland, Christian Mihr. Er warf dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan vor, Journalisten für die Unruhen der vergangenen Tage verantwortlich  gemacht zu haben und so "Feindseligkeiten gegen Journalisten anzustacheln".
 
Ausgangssperren
Der Vormarsch des IS auf die nordsyrische Kurden-Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei empört viele türkische Kurden, die ihrer Regierung Untätigkeit vorwerfen. So gefährdet der Konflikt im Nachbarland auch den Friedensprozess zwischen Ankara und der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).
 
Wegen der Unruhen haben die türkischen Behörden Ausgangssperren in den Kurdengebieten verhängt. ROG zufolge wurde zudem die Bewegungsfreiheit für Journalisten drastisch eingeschränkt, denen ohne Genehmigung der Zugang zur syrischen Grenze verwehrt werde. ROG führt die Türkei auf ihrer Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 154 von 180 gelisteten Ländern. (sda)


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