08.01.2013

"Druckereischliessung war nicht zu vermeiden!"

Die Hiobsbotschaft kam nicht ganz unerwartet: nach der Schliessung ihrer Druckerei wird die Basler Zeitung (BaZ) in Zukunft bei der Tamedia gedruckt. 74 Angestellte verlieren ihre Stelle. "persoenlich.com" hat sich mit Rolf Bollmann, CEO der Basler Zeitung Medien, über diesen Entscheid unterhalten.
"Druckereischliessung war nicht zu vermeiden!"

Herr Bollmann, Sie gaben heute die Schliessung der BaZ-Druckerei bekannt. Wäre das nicht zu vermeiden gewesen?

Nein, das ist nicht mehr zu vermeiden. Es läuft nun die Konsultationsfrist, in der die Mitarbeiter noch Vorschläge unterbreiten können, wie man die Druckerei doch noch retten kann. Nach wirtschaftlichen Kriterien beurteilt, ist es aber hoffnungslos.

Haben Sie in den vergangenen Wochen überhaupt noch nach Alternativen gesucht oder stand dieser Entscheid schon länger fest?

Wir haben immer wieder nach Alternativen gesucht und auch mit Kadermitarbeitern der Druckerei intensiv nach Lösungen gesucht.

Was waren schlussendlich die Gründe, die zu dieser Schliessung führten?

Die bestehenden Überkapazitäten im Zeitungsdruck und der drastische Preiszerfall, sowie die enormen Auftragsverluste der Druckerei haben ihr schlussendlich das Genick gebrochen.

Wer fasste den Entscheid zur Druckereischliessung?

Der Verwaltungsrat und ich als Delegierter des VR und Vorsitzender der Unternehmensleitung haben den Entscheid gemeinsam gefällt.

Warum können andere Verlagshäuser wie Ringier oder die Tamedia eigene Druckereien aufrechterhalten und die BaZ nicht?

Die BaZ hat nur die Basler Zeitung und den Baslerstab als eigene Produkte für die Druckmaschine, welche lediglich einen Anteil von ca. 10 Prozent am derzeitigen Druckvolumen ausmacht. Die Grundauslastung der von Ihnen erwähnten Druckereien beträgt mit deren Eigenprodukten vermutlich weit über 50 Prozent. Die Baz-Druckerei muss also ca. 90 Prozent via Fremdaufträge auslasten, was bei diesem Preiszerfall und dem herrschenden Wettbewerb gar nicht mehr möglich ist.

Wie hat das Personal auf die Schliessung reagiert?

Sehr betroffen, aber gefasst. Was besonders bedrückend ist, dass so gute und gestandene Berufsleute wegen Managementfehlern der Vergangenheit ihre Arbeitsstelle verlieren.

74 Angestellte verlieren ihre Stelle per Ende März. Was geschieht mit ihnen?

Wir bieten ihnen einen Sozialplan an. Eckpunkte wie: verlängerte Kündigungsfristen, Angebot für Frühpensionierung, Jobcenter im Hause, zusammen mit Adecco, sowie ein Härtefall-Fonds. Die Lehrlinge können ihre Ausbildung bei Tamedia abschliessen und haben sicher gute Chancen auf eine Übernahme.

Die BaZ steht seit geraumer Zeit im Gegenwind. Inwiefern hat der heutige Entscheid Einfluss auf die Reputation der Zeitung?

Meine Aufgabe ist es, die BaZ zu sanieren und sie auf ein wirtschaftlich tragfähiges Fundament zu stellen. Nur so ist ein Überleben der BaZ überhaupt möglich. Nur eine wirtschaftlich erfolgreiche Zeitung kann sich eine unabhängige Redaktion leisten, was wiederum positive Auswirkungen auf die Reputation hat.

Der BaZ wird in die Zukunft die "Sonntagzeitung" beigelegt. Warum ausgerechnet ein Tamedia-Blatt?

Wir haben vier Möglichkeiten geprüft, das beste Angebot, sowohl preislich wie auch für unsere Abonnenten war das Angebot der Sonntagszeitung.

Wie geht es Ihnen nach dem heutigen Tag?

Es geht mir nicht gut. Vor 100 Kolleginnen und Kollegen hinstehen, ihnen in die Augen zu schauen und ihnen sagen zu müssen, dass sie ihre Arbeitstelle verlieren werden, tut weh.

Interview (per Mail): Matthias Ackeret


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