In der Antwort auf das Postulat von Nationalrat Hans-Jörg Fehr (SP/ SH) zeichnet der Bundesrat aufgrund verschiedener Studien ein düsteres Bild der Zukunft der Presse. Die wissenschaftlichen Studien ermöglichten eine "klare Zuordnung von Siegerinnen und Verliererinnen", hält der Bundesrat in seinem Bericht "Pressevielfalt sichern" fest. "Als grösste Verliererin der wirtschaftlichen Entwicklung seit der Finanzkrise steht die überregionale, abonnierte Tageszeitung da, die einen qualitativ hochstehenden Journalismus im Bereich der politischen Berichterstattung aufrecht erhält."
Ökonomische Probleme
Diese Art Journalismus, die auf aufwändiger Recherche basiere und neben einer differenzierten Darlegung von Fakten dem Lesepublikum auch abwägende Einordnungen biete, sehe sich zunehmend mit ökonomischen Schwierigkeiten konfrontiert, konstatiert der Bundesrat. Als Zutaten der Abwärtsspirale bezeichnet der Bericht die sinkende Publikumsnachfrage und die Abwanderung der Werbung. Der Sparzwang führe zu einem Stellenabbau, dieser zur Ressourcenknappheit, welche wiederum zur Folge habe, dass die publizistisch Qualität sinke.
Online auf dem Podest
Als "strahlende Siegerinnen" der wirtschaftlichen Entwicklung haben die vom Bundesrat beauftragten Wissenschaftler die Online-Medien erkoren. "Diese verhältnismässig jungen, schnellen und attraktiven Medien sind in den Augen der jüngeren Generationen die klare Nummer eins und damit Leitmedien", hält der Bundesrat fest. Deshalb seien die Online-Medien für die Werbewirtschaft interessant. Ob die Funktion der Tageszeitungen, den politischen Meinungsbildungsprozess zu ermöglichen, von anderen Medien geleistet werden kann, bleibt für den Bundesrat offen.
Konzentration contra Vielfalt
Aus den Studien geht aber auch hervor, dass weniger die Medienkonzentration als viel mehr der Stellenabbau in den Redaktionen die Medienvielfalt bedroht. So gehe bei einem Personalabbau Fachwissen verloren. Zugleich führe die Ressourcenknappheit in Kombination mit höherem Aktualitätsdruck und der multimedialen Produktionsweise zu einem oberflächlichen Allroundjournalismus. Aber auch das Internet gefährde die Vielfalt und Qualität des Journalismus. Aufgrund des Zeitdrucks würden die vielen Möglichkeiten der Online-Recherche nur oberflächlich genutzt.
Eine einfache Google-Suchabfrage ersetze vielfach die traditionelle Recherchearbeit, was sich entsprechend unvorteilhaft auf die inhaltliche Qualität und Vielfalt der Berichterstattung niederschlage, heisst es in dem Bericht weiter.
Erhöhter Zeitdruck
Die Konkurrenz durch Online-Medien führe in allen Medien zu einem erhöhten Zeitdruck. "News werden immer schneller und immer ungefilterter publiziert." Weiter stellt der Bundesrat fest, dass das Internet die Selbstbezüglichkeit des Mediensystems verstärkt hat. Journalisten orientierten sich offenbar noch mehr als früher an den Veröffentlichungen der Konkurrenz. Dieses Phänomen führe zu einem weiteren Rückgang der inhaltlichen Vielfalt. (sda)

