09.09.2026

Bezirk Medien

Ein Jahr nach dem Start vor dem Aus

Die Lokalplattform bezirk.ch und das Magazin Bezirk am linken Zürichseeufer werden Ende September eingestellt, wenn nicht 1500 Abos zusammenkommen. Nach acht Gratisausgaben stellt der Verlag auf ein Bezahlmodell um.
Bezirk Medien: Ein Jahr nach dem Start vor dem Aus
Das zuvor kostenlos verteilte Magazin gibt es nur noch mit Abo. (Bild: zVg/bezirk.ch)

Der Lokalplattform bezirk.ch und dem gedruckten Magazin «Bezirk» droht ein Jahr nach dem Start das Ende. Bis Ende September muss die Bezirk Medien AG 1500 Abonnemente zusammenbringen. Erreicht sie das Ziel nicht, stellt sie beide Angebote ein. Das schrieb die Redaktion am Montag in eigener Sache, gut eine Woche nach einem ersten Aufruf vom 27. August.

Das Magazin geht künftig nicht mehr gratis an alle Haushalte in Adliswil, Kilchberg, Rüschlikon und Thalwil, sondern nur noch an Abonnentinnen und Abonnenten. Ein Jahresabo kostet 100 Franken für elf Ausgaben, ein Abo für Firmen, Praxen oder Gastbetriebe mit drei Exemplaren pro Ausgabe 240 Franken. Wer kein gedrucktes Heft will, kann die Redaktion mit einem Jahresbeitrag ab 25 Franken unterstützen. Verrechnet wird erst, wenn die Weiterführung feststeht; die Rechnung soll mit der Oktober-Ausgabe verschickt werden. Die Onlineartikel sollen in diesem Fall weiterhin ohne Bezahlschranke zugänglich bleiben.

«Es reicht noch nicht»

Wie viele Abos bisher eingegangen sind, gibt der Verlag nicht bekannt. Die Redaktion dankt in ihrer Mitteilung für die ersten Bestellungen und hält fest: «Es reicht noch nicht.» Mit den 1500 Abos will das Unternehmen nach eigenen Angaben die Produktions-, Druck- und Zustellkosten decken. Verleger Samuel Rudolf von Rohr liess Fragen von persoenlich.com zum Stand der Abos, zu den Folgen für das Personal und zur bisherigen Finanzierung bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Die Bezirk Medien AG wurde im Juli 2025 gegründet. Ihr Aktienkapital beträgt 100’000 Franken, zur Hälfte liberiert; einziger eingetragener Verwaltungsrat ist Rudolf von Rohr. bezirk.ch startete am 3. September 2025 (persoenlich.com berichtete), das monatliche Magazin folgte im Dezember. Acht Ausgaben lang lag es gratis im Briefkasten. Finanziert wird das Angebot über Partnerschaften – Finanzpartnerin ist die Raiffeisenbank Thalwil, das See-Spital ist seit Februar Themenpartner –, über Werbung und über freiwillige Support-Abos.

Schon nach wenigen Monaten wurde die Redaktion verkleinert. Beim Start im Herbst 2025 stellte die Bezirk Medien AG ein vierköpfiges Team vor. Im Februar passte das Unternehmen seine Redaktionsstruktur an und holte Benjamin Geiger als Redaktionsleiter. Geiger war bis 2024 Chefredaktor der Zürichsee-Zeitung und zuletzt publizistisch verantwortlich für den Zürcher Zeitungsverbund von Tamedia. Teil der Redaktion ist auch Sibille Moor, die zuvor ebenfalls bei der Zürichsee-Zeitung tätig war. Neben den Beiträgen von Geiger und Moor erscheinen heute vor allem nicht namentlich gezeichnete Kurzmeldungen und eingesandte PR-Texte.

Plattform will Lücke füllen

Gegründet wurde Bezirk mit dem Argument, die überregionalen Verlage hätten sich aus der Berichterstattung über die Region zurückgezogen. Verschwinde das Angebot, so die Redaktion, verliere die Region ihr einziges lokales Medium: Über Gemeinderatssitzungen und Abstimmungen berichte dann niemand mehr – und Vereine wie Kulturschaffende stünden ohne Plattform da.

Kommen bis Ende September genügend Abos zusammen, sollen die Abonnentinnen und Abonnenten im Oktober die erste Ausgabe des neuen Modells erhalten. Andernfalls wird nichts verrechnet – dann erscheint kein weiteres Magazin, und bezirk.ch geht vom Netz.


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KOMMENTARE

Max Müller
11.09.2026 05:26 Uhr
Als Webplattform war/ist mir bezirk.ch sehr willkommen. Beim Tagesanzeiger kommt ja kaum noch etwas aus der Region... Aber wieso ich ein Printprodukt inklussiver eigener Verteilstruktur finanzieren soll, erschliess sich mir beim besten Willen nicht. Falls es mit bezirk.ch nicht weitergeht, wäre ein Online-Nachfolger sehr willkommen!
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