Herr Babic, Sie haben Grosses vor: Planen als Einmannbetrieb mit "Escapade" ein Kulturmagazin für die Region Limmattal und Zürich. Können Sie das Unternehmen kurz beschreiben?
Also zuerst: Ich bin kein Einmannbetrieb. Zumindest sind wir zu zweit. Anfangs hatte ich den Gedanken, einen Verlag zu gründen. Der sollte wirklich Zweimann-Verlag heissen. Das Signet war schon fertig. Man braucht jedoch kein Verlag zu sein, um ein Kulturmagazin herauszugeben. Aber es ist schon richtig, die redaktionelle Arbeit mache ich zu 80 Prozent allein. Für die anderen 20 Prozent habe ich Spezialisten gefunden und muss noch welche finden. Dringend suche ich z.B. eine Fachperson, die über Literatur schreiben kann. Das ist überhaupt nicht mein Ding. Gestaltung, Layout, Bildauswahl und Text liegen in meinem Verantwortungsbereich. Das gesamte Druckmanagement übernimmt Banovi & Partner in Schlieren. Wir sind 4 Kilometer voneinander entfernt, also haben wir kurze Wege.
Warum sehen Sie in dieser Region das Potenzial für ein neues Kulturmagazin?
Das Limmattal hat natürlich das Potenzial für ein Kulturmagazin. Im Limmattal leben allein 76'000 Einwohner - im Einzugsbereich cirka 500'000 Menschen. Das Magazin will eine kulturelle Brücke bauen zwischen Zürich und Baden. Das bedeutet, wir haben das Limmattal kulturell verlängert! So können wir von ungefähr 450'000 Einwohnern sprechen und einem Einzugsbereich von mindestens 900'000 Menschen. Das Hauptthema der ersten Ausgabe lautet: Kultur muss man sich leisten können. Jeder einzelne von uns und natürlich auch die Städte, Gemeinden und Dörfer. Die Gemeinden stehen da in der Pflicht. Alle bieten etwas an und verteilen ihren Kulturkalender innerhalb ihrer Gemeinde. Jetzt kommt ein Magazin und bündelt diese Informationen. Die Information bleibt also nicht in der Gemeinde, sondern wird längs der Limmat, von Zürich bis Baden jedem Kultur-Interessierten zugänglich gemacht. Stellen Sie sich vor: Es gibt Kultur- und keiner geht hin.
Erzählen Sie von sich selbst: Sie sind Urdorfer, Deutscher, Designer und Werber und Sie haben – wie in der Limmtattaler Zeitung zu lesen ist – einen Kinderkochkurs namens Spaghettino gegründet. Wer sind Sie genau und wie kommen Sie dazu, ein Magazin zu lancieren?
1954 in Deutschland geboren, seit sieben Jahren hier in der Schweiz. Studium "Visuelle Kommunikation" mit Schwerpunkt Fotografie. Danach eigenes Fotostudio in Wuppertal und dann Mitgesellschafter einer Werbeagentur, die auf Pharmazeutische Produkte spezialisiert war. Ein Kulturmagazin braucht es genau so, wie einen Koch-Club für Kinder. Ich sehe mich nicht als Retter unserer Kultur oder unserer Werte. Dazu ist es längst zu spät. Aber ein Koch-Club mit dem Namen Spaghettino belebt ein Stück Kultur. Geplant als Gegenstück zu dem zunehmenden Fast-Food-Verzehr ist Spaghettino erlebte Esskultur. Die Kinder kochen mit uns zusammen und wir bedienen Eltern und auch Grosseltern. Da gibt es eine lange Tafel, manchmal mit 32 Personen an einem Tisch. Das ist Esskultur, Tischkultur, Kulinarik und das ganze generationenübergreifend.
Widmen Sie sich jetzt voll und ganz Ihrem Magazin?
Meine ganze Zeit stecke ich in das neue Magazin. Ich bin ein morgenaktiver Mensch. Mein Tag beginnt um 5.00 Uhr an der Espressomaschine und ab 5.30 bin ich im Büro. Feierabend gerne schon um 16.00 Uhr, dann bin ich lieber in der Küche und bereite das Essen vor. Das einzige Glück der Selbständigen: Herr über die eigene Zeit sein.
Wer kümmert sich um die Bilder?
Das Thema Bilder ist noch sehr besonders. Als Kulturmagazin berichten wir über Gemeinden oder auch Museen, Architektur oder Konzerte. Von unseren Partnern werden wir natürlich mit Bildmaterial versorgt. Es gibt aber auch Themen, für die man als Schreiber auch mal raus und die Fotos selber machen muss.
Sie werden das Magazin gratis verschicken, in Gemeinden auflegen, über Läden und Inserenten verteilen. Gratis, obschon auf dem Magazin geschrieben steht, es koste 12 Franken. Was ist das Konzept dahinter?
Es ist sicherlich kein Absurdum. Denn was nichts kostet, ist auch nichts wert.

Das ist doch ein absurder Gag, die Verschleierung einer Gratiszeitung.
Heute in den "schwierigen Zeiten der Printmedien" ein Kulturmagazin herauszugeben, ist sicherlich schon eine Eskapade für sich. Ein Magazin herauszugeben, welches bezahlt werden müsste, wäre ein Schiffbruch und Untergang. Noch einmal unser Motto: Kultur muss man sich leisten können! Wenn ich also etwas verlange, damit einer unser Magazin lesen kann, mache ich Kultur nicht zugänglich, sonder schliesse Menschen aus.
Wie finanzieren Sie das Magazin?
Das Magazin wird sich ausschliesslich über Insertionen finanzieren müssen. Das ist eigentlich nichts Besonderes. "Escapade" hat aber einen hohen Anspruch an Qualität. Wir bieten gute Gestaltung, super Typografie, tolle Fotos und gute Texte. Daher brauchen wir die besten Anzeigen, die uns mit ihrer Gestaltung unterstützen und nicht unser Magazin verunstalten.
Nebst eigenen Artikeln veröffentlichen Sie auch einen Veranstaltungskalender. Wie gestalten Sie diesen?
Jede Gemeinde kann ihren Veranstaltungskalender bei uns veröffentlichen. Dabei gehen wir nicht nach alphabetischer Weise vor, sondern paradoxerweise nach dem Lauf der Limmat. Wir fangen also in Zürich an und enden in Baden. Logisch: von Z bis B.
Planen Sie auch etwas im Bereich Online?
Online sind wir seit einigen Tagen zumindest mit unserer E-Mailadresse: info@escapade-magazin.ch. Unsere Homepage wird innert sieben Tagen aufgeschaltet: www.escapade-magazin.ch.
Interview: Benedict Neff, Bild: Limmattaler Zeitung

