17.01.2018

Schweizer Reporterpreis

Ein Preis, der Mut zu Experimenten belohnt

Das Reporter-Forum vergibt erstmals einen Preis und zwei Stipendien. Vorstandsmitglied Paula Scheidt sagt, was Siegesanwärter mitbringen müssen und warum es weitere Journalisten-Auszeichnungen brauche.
Schweizer Reporterpreis: Ein Preis, der Mut zu Experimenten belohnt
von Marius Wenger

Swiss Press Award, die jährlichen Auszeichnungen des «Schweizer Journalist», Zürcher Journalistenpreis, Ostschweizer Medienpreis, Medienpreis des Anwaltsverbandes, und so weiter: Die Liste der Auszeichnungen, die jedes Jahr an Schweizer Medienschaffende vergeben werden, ist lang. Nichtsdestotrotz kommt nun ein weiterer hinzu. Wie im vergangenen Oktober angekündigt, vergibt das Reporter-Forum dieses Jahr erstmals einen Reporterpreis sowie zwei Reporterstipendien (persoenlich.com berichtete).

«Gezielt gutes Erzählen fördern»

Braucht es wirklich noch einen weiteren Journalistenpreis in der Schweiz? «Darüber haben wir 15 Mitglieder des Schweizer Reporter-Forums lange diskutiert und sind zum Schluss gekommen: ja den braucht es», sagt Paula Scheidt, Vorstandsmitglied des Reporter-Forums und Redaktorin bei «Das Magazin». Der Schweizer Reporterpreis sei der erste Preis, der gezielt gutes Erzählen fördere. «Es wird nicht das populärste Thema gewinnen, sondern die beste Geschichte. In Zeiten, in denen viele Journalistinnen und Journalisten unter prekären Bedingungen arbeiten, wollen wir Mut zu Experimenten belohnen», sagt sie.

paula scheidt

Der Reporterpreis zeichnet einen Textbeitrag aus, der einen klaren Bezug zur Schweiz hat und online oder gedruckt erschienen ist. Ausgezeichnet werden sollen gemäss Scheidt «gründliche Recherche, engagierte Beobachtung, Mut zum eigenen Stil, scharfes Nachdenken über die Gegenwart und die Bemühung, die Leserinnen und Leser zu fesseln und klüger zu machen.» Für die Stipendien können nebst Text- auch Foto-, Multimedia-, Audio- und TV-Beiträge eingereicht werden. «Mit den beiden Stipendien wollen wir Recherchen ermöglichen, die auch mal Zeit kosten dürfen», so Scheidt.

Ein Ideenlabor für den Schweizer Journalismus

Vor drei Jahren wurde das Reporter-Forum gegründet. Seither habe es sich zu einem wichtigen Ideenlabor für den Schweizer Journalismus entwickelt, meint Scheidt. «Das gleiche wünschen wir uns für den Preis. Wir wollen besondere Leistungen ehren, aber vor allem wollen wir eine lebendige Diskussion darüber führen, wie wir uns den Journalismus der Zukunft vorstellen.»

In der Jury sitzen nebst Scheidt die freie Radioreporterin Stefanie Müller-Frank, ebenfalls als Vertreterin des Reporter-Forums, der stellvertretende «Spiegel»-Auslandchef Mathieu von Rohr  sowie Laura de Weck von der Stiftung für Medienvielfalt und Rapper und Moderator David Kohler alias Knackeboul. «De Weck und Kohler kennen die Medien gut, sind aber hauptberuflich keine Journalisten. So verhindern wir Betriebsblindheit», sagt Scheidt.

Der Entscheidungsprozess soll möglichst transparent und nachvollziehbar kommuniziert werden. «Was einen Preis wirklich begehrt macht, ist seine Glaubwürdigkeit», sagt Scheidt. Nichts helfe dafür mehr als eine offene, streitbare Diskussion.

Der Preis und die beiden Stipendien sind mit je 5000 Franken dotiert – gespendet von der Stiftung für Medienvielfalt. Die Ausschreibung läuft noch bis am 31. März. Auf der Webseite des Reporter-Forums sind auch die Bewerbungskriterien einsehbar. Im Juni findet die Preisvergabe statt.

 



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