09.11.2015

SRF

"Ein Signal, dass wir kritisch sind mit unseren Produkten"

Moderator Franz Fischlin spricht im Interview über seinen ersten "Medienclub".
SRF: "Ein Signal, dass wir kritisch sind mit unseren Produkten"

Neues Konzept, moderneres Studio und vier anstatt sechs Gäste: Heute Abend zeigt SRF erstmals den neuen "Medienclub". Moderiert wird er von SRF-Aushängeschild Franz Fischlin. Im Interview mit persoenlich.com spricht der 52-Jährige über die neue Ausrichtung des Formats und sagt, weshalb die Sendung auch für das grosse Publikum interessant ist. Zudem erklärt er seinen Sondereffort für das Thema Medien.

Herr Fischlin, am Abend moderieren Sie den ersten "Medienclub“. Was ist anders als beim bisherigen Format?
Im “Club” sind bisher immer wieder Medienthemen aktuell diskutiert worden. Der neue “Medienclub” soll nun als eigenes Gefäss institutionalisiert werden - mit eigenem Studio und vier anstatt sechs Gästen. Hier wollen wir mit der Premiere einen Pflock einschlagen. Danach soll die Sendung vier bis sechs Mal im Jahr ausgestrahlt werden.

Die bisherigen "Medienclub"-Sendungen wurden von Karin Frei oder Mona Vetsch moderiert. Weshalb sitzen nun Sie in der Runde?
SRF will den "Medienclub" als eigenständiges Format betonen, dies auch mit einem eigenen Moderator. Da ich mich - auch ausserhalb der SRG - stark mit dem Thema Medien befasse und mich in verschiedenen Organisationen engagiere, passt das gut. Ich freue mich auf die Diskussionen.

Beim Blick in die Expertenrunde fehlen zwei Personen: "Schweiz am Sonntag“-Chefredaktor Patrik Müller und MAZ-Studiengangleiterin Alexandra Stark, die früher ständige Gäste waren. Weshalb sind die beiden nicht dabei?
Ich habe bloss vier – und nicht mehr wie früher sechs - Plätze zu vergeben. Deshalb ist es auch nicht möglich, fixe Gäste einzuladen. Dazu kommt, dass je nach Thema, andere Gäste aus der Medienbranche gefragt sind.

Sie sind Jurypräsident des CNN-Journalistenpreises, sitzen im Vorstand des Vereins Qualität im Journalismus und nun sorgen Sie dafür, dass Medienkritik beim SRF wieder mehr Gewicht erhält. Weshalb der Sondereffort?
Es ist ein bisschen wie im Sport. Eine lange Zeit spielt man einfach mit und schaut, dass man seine Leistung erbringt. Und dann plötzlich fragt man sich - und das ist wohl durchaus eine Alterserscheinung - wo man steht. Was macht eigentlich die Mannschaft und was der Sport generell? Ich liebe meinen Beruf, deshalb lohnt sich der Blick über das eigene Gärtchen hinaus.

Ihre Gäste diskutieren am Dienstagabend darüber, wie die Messbarkeit der Leserinteressen die Themensetzung in den Redaktionen beeinflusst. Weshalb dieser Auftakt?
Es ist ein aktuelles Thema, das in einer gewissen Weise auch die Zuschauer vor dem TV einbezieht. Auch sie sind es, die klicken, teilen und kommentieren. Es soll auch ein Signal fürs Publikum sein, dass wir Journalisten kritisch sind mit unseren eigenen Produkten und Abläufen. In vielen Newsrooms werden Geschichten wie Aktien gehandelt. Wenn sie nicht angeklickt werden, dann fallen sie weg. Da stellt sich natürlich schon die Frage, ob Storys nur noch nach quantitativen Kriterien beurteilt werden. Und allein das Interesse des Publikums entscheidet.

Welche weiteren Themen sehen Sie für den "Medienclub"?
In einem nächsten “Medienclub” würde ich gerne darüber sprechen, wie stark sich Medien von Terrororganisationen wie Boko Haram oder dem IS instrumentalisieren lassen. Ich denke da an Bilder und Videos, die Medien zeigen, aber auch daran, wie wir den Krieg allgemein darstellen. Auch eine Sendung über Service Public ist denkbar, wenn zum Beispiel das Parlament darüber diskutiert. Inklusive Gäste von SRF oder der SRG, die sich dann durchaus auch kritischen Fragen stellen müssen.

In den letzten Wochen diskutiert die Öffentlichkeit stark über einzelne Sendeformate und die jeweiligen Zuschauerzahlen. Machen Sie sich darüber für die neue Sendung Gedanken?
Ich hoffe, dass die Quote nicht zu stark einbricht (lacht) und die Zahlen im Rahmen des “Club”-Niveau von 15 bis 20 Prozent Marktanteil sein werden. Aber zum Glück erwartet man von uns keine hohen Einschaltquoten, da sich der "Medienclub" an ein Publikum richtet, das sich spezifisch für Medienthemen interessiert. 

Wann ist der erste "Medienclub" für Sie ein Erfolg?
Wenn eine kontroverse Diskussion entsteht. Wohin geht der Journalismus? Darüber muss gestritten werden und ich will das spüren. Zudem sollen sich die Zuschauer, wenn sie am Tag darauf eine Zeitung aufschlagen oder in ein Onlineportal klicken, an den einen oder anderen Satz vom Vorabend erinnern.

Interview: Michèle Widmer, Bild: zVg.


Der "Medienclub" mit Franz Fischlin

Die Medien stürzen sich auf Publikumskommentare im Internet und verarbeiten sie weiter. Das generiert Aufmerksamkeit und garantiert Klicks und Leser. Werden dadurch aus Mücken Elefanten gemacht und stets dieselben Geschichten präsentiert? Bedeutet dieser Mechanismus auch das Ende von investigativem, unabhängigem und kritischem Journalismus, also das Ende der Medien als Vierte Gewalt im Staat?

Der "Medienclub" unter der Leitung von Franz Fischlin wird am Dienstag anstelle des "Clubs" um 22.20 Uhr ausgestrahlt. In der Runde sitzen:

- Monica Fahmy, ehem. Journalistin, Autorin und Spezialistin für Wirtschaftskriminalität

- Pedro Lenz, Journalist und Autor

- Hansi Voigt, Gründer, CEO und Chefredaktor von "Watson"

- Peter Röthlisberger, Chefredaktor "Blick am Abend"



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