30.01.2020

Hinter den Kulissen

Ein Soundcheck in sengender Sonne

Die erste Staffel der Schweizer Produktion von «Sing meinen Song» wird im Februar ausgestrahlt. Während den Dreharbeiten im Oktober hatte persoenlich.com bereits die Gelegenheit, das Set zu besichtigen und einem Soundcheck beizuwohnen. Hier der erste Teil der Serie zur Pressereise auf Gran Canaria.
Hinter den Kulissen: Ein Soundcheck in sengender Sonne
Die Konzerte der sieben Stars fanden in der «Casa Leon» statt, die der Crew während einer ganzen Woche vollständig zur Verfügung stand. (Bilder: Loric Lehmann, casaleon.de, zVg.)
von Loric Lehmann

Anfang Oktober auf einem Berghang der grössten kanarischen Insel, in einem grosszügigen Haus mit dem klingenden Namen «Casa Leon»: Rundherum karges Ödland, abgesehen von trockenen, sich zwischen den schwarzbraunen Steinen hervorkämpfenden Gewächsen. In der Ferne das Meer. Es ist heiss. Heisser als erwartet. Normalerweise ist es auf der Vulkaninsel um diese Jahreszeit angenehme 25 Grad. Wegen einer ungewöhnlichen Hitzewelle schwitzt man nun bei gut 35 Grad am späten Morgen. Die Veranda ist zwar voller Zelte und Schattenplätzen. Trotzdem strahlt der Steinboden eine ungeheure Hitze ab.

Wir befinden uns am Drehort von «Sing meinen Song – das Schweizer Tauschkonzert», die ab Mitte Februar auf TV24 ausgestrahlt wird (persoenlich.com berichtete). Die Sendung ist so konzipiert, dass jedem der insgesamt sieben Künstlerinnen und Künstler jeweils eine Episode gewidmet ist. In den ersten sieben Episoden wird die Sängerin oder der Sänger des Abends von den sechs anderen mit einer neuen Interpretation eines eigenen Songs überrascht, daher auch der Name «Sing meinen Song».

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Die Konzerte finden in einem sehr persönlichen Rahmen statt, einzig begleitet von einer Band. Zusätzlich performt der Künstler des Abends ein eigenes Lied und kürt am Ende der Folge den Song des Abends. In der achten Episode werden ausgewählte Lieder im Duett gesungen. Für die Produktion zogen sich die sieben Schweizer Musiker aus unterschiedlichen Stilrichtungen für mehrere Tage auf Gran Canaria zurück, lebten und musizierten zusammen.

Fünfzehn Minuten Soundcheck

«Morgen! Täglich grüsst das Murmeltier», ruft Soul-Sänger Seven und versucht die Stimmung etwas anzuheizen. Die meisten der Crew- und Bandmitglieder haben nicht mehr als vier Stunden geschlafen. Der Gastgeber der Show tritt auf in kurzen Hosen, weinrotem Shirt, weissen Socken und hohen Sneakers. Er stürzt eine Tasse Kaffee hinunter und beginnt. «Wir haben 15 Minuten für diesen Soundcheck», erklärt die Regieassistentin übers Mikrofon. Es ist der vierte Drehtag. Am Set tummeln sich rund zwanzig Leute. Darunter Crew- und Bandmitglieder der Produktionsfirma Habegger, Marketingleute von CH Media sowie Online-, Print- und TV-Journalistinnen und Journalisten.

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Bevor die mitgereisten Journalistinnen und Journalisten dem Soundcheck von Seven beiwohnen, erzählt Pea Weber, Produktionsleiter bei Habegger Productions, wie sie dieses Haus gefunden hatten. Insgesamt zwölf Locations hätten sie angeschaut, bis sie auf dieses kleine Hotel gestossen seien. «Gleich als wir in die Casa Leon traten, wussten wir, dass es das sein wird.» Die Casa gehört Deutschen, die auch eine Wohnung im Penthouse haben. «Die sitzen jeweils abends auf der Terrasse, schauen zu und trinken Wein», sagt Weber. Das Personal des kleinen Hotels sei sich TV-Produktionen bereits gewohnt: Bachelor Schweden wurde hier gedreht.


Insgesamt sind über hundert Leute permanent am Set. So ein Dreh müsse natürlich gut koordiniert werden. «Vor allem der logistische Aufwand ist sehr gross», erklärt Weber. Nur schon dadurch, dass es zwei Sets gibt: Das zwanzig Minuten entfernte Hotel der Stars im Ferienort Maspalomas und die kleine Casa Leon.

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Nach der Ansprache von Pea Weber startet die Führung. Wir laufen durch das Haus. Es ist weitläufiger als man von aussen denken würde. Im Untergeschoss hat es sogar einen Kinosaal, wo sich die Crew während des Drehs die Sendung anschaut, so dass die Stars auf keinen Fall abgelenkt werden. «Die Sendung wird so inszeniert, dass Seven der Gastgeber ist. Es wird ihm überlassen, durch die Sendung zu führen und so lange zu machen, bis er zufrieden ist». Vor Ort sind acht Kameras, die aber möglichst versteckt sind, so dass die die Künstler nicht stören. Es gibt auch keine Regie-Anweisungen. Lediglich ein Schild werde ab und zu mit der Zeitangabe hochgehalten. Alles, um die einen möglichst intimen Rahmen zu schaffen, indem die Stars sich entfalten können.

Sieben Stars auf einer Coach

Nun sitzen wir Journalisten und Journalistinnen also unter den ersehnten schattenspendenden Zelten auf der ledernen «Sing meinen Song»-Couch. Auf diesem Möbel werden heute Abend sieben Stars sitzen, sich gegenseitig ihre besten Songs vorsingen und über ihre Karrieren reden. Momentan ist die Sitzgelegenheit aber noch zum Schutz vor der gnadenlosen Sonne abgedeckt, wie vieles rund um das Set. Der TeleZüri-VJ hält mit schweissnasser Stirn die Kamera auf die Szenerie, während sich die Print- und Online-Journalisten entspannt auf der Couch zurücklehnen, einige Notizen machen und die Vorstellung  geniessen.

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Die Band besteht aus rund einem Dutzend Männern. Nur eine Frau ist darunter: Die Background-Sängerin. Wenn sie nicht singt, hört man keinen Laut von ihr. Ihre Stimmbänder müssen etwa zehn Stunden am Tag Höchstleistungen vollbringen. Sieben Tage lang. Selbst als am Nachmittag ein Handwerker am Pool lautstark mit einer Maschine einige Fliessen repariert, geht sie zu ihm hin und gibt ihm mit wilden Handzeichen zu verstehen, dass er doch bitte nicht so einen Lärm veranstalten soll. Er versteht – und zieht von dannen.

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Stimme von Regie-Assistentin: «Wir haben noch zehn Minuten für diesen Soundcheck.» Die Band spielt, Seven tönt einige Zeilen eines Lieds an. «Ist es genug Phil Collins?», fragt der Soul-Sänger die Soundtechniker. Der berühmte Drop von «In The Air Tonight» wird kurz vom Drummer angespielt. Alle lachen.

«Wir brauchen mehr Top Gun»

Seven macht einige Sprüche, singt zwischendurch auch mal, hört immer wieder auf und verlangt vom einen mehr oder vom anderen weniger. Wie: «Auf der Spanne von Soft Porn bis Top Gun sind wir noch etwas zu fest Soft Porn. Wir brauchen Top Gun!» Er ist in seinem Element. «Noch sechs Minuten für diesen Soundcheck.» Es werden drei Lieder geprobt. Welche, darf hier nicht verraten werden, das haben wir den Verantwortlichen versprochen.

Denn genau darum geht es, wie uns vorher Pea Weber erklärte: Das Format lebt vor allem von der Durchmischung der Genres. Von Marc Storaces Hard Rock bis Schlager von Francine Jordi zieht sich der Mix durch die populärsten Schweizer Musikrichtungen. «Da ist Salz und Pfeffer drin», meint Weber. «Aber auch das Menschliche ist wichtig. So dass die Stars miteinander funktionieren.» Die Karriere der Stars werde gefeiert: Das löse starke Emotionen aus. «Die Künstler gehen auf wie Blumen», so Weber.

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«Noch knapp zwei Minuten für den Soundcheck», mahnt die Regie-Assistentin nach einer erneuten Probe eines Songs. So eine Woche Dreh ist schon sehr anstrengend: Der Zeitplan ist extrem durchgetaktet. Miete, Ausrüstung, Gagen: Jeder Tag länger kostet Unmengen an Geld. Daher wird mit der Zeit so geizig umgegangen wie möglich. Und wenn der Plan doch nicht aufgeht, wird einfach weniger geschlafen.

«Wir könnten bereits eine zweite Staffel füllen»

Ute von Moers, Leiterin Programm TV National und Einkauf, gesellt sich vor dem Soundcheck ebenfalls zu der Führung der Medienschaffenden dazu. Und erzählt über die Wahl der Künstler im Vorfeld: «Keiner der angefragten Musiker hat abgesagt, weil er nicht wollte.» Meist hätten lediglich Zeitgründe einer Teilnahme im Weg gestanden. «Wir könnten bereits eine zweite Staffel füllen», so von Moers.

«Eineinhalb Minuten noch.» Seven will aber nochmals einen Song machen. Er überzieht die Zeit – zur Enervierung der Regie. Und tritt schliesslich ab. Er wird von der Casa weggefahren, damit der nächste Star den Soundcheck machen kann, und Seven noch nicht hört, welche Lieder dieser am Abend singen wird. Sonst ist die Überraschung weg – Authentizität ist wichtig.



Lesen Sie im nächsten Teil der «Hinter den Kulissen»-Serie, wie die anderen Künstler das Format erleben – und warum Marc Storace seinen Teller bis jetzt noch nie fertig essen konnte.



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