15.09.2026

SRF

«Eine gewisse Nervosität gehört dazu»

9,7 Millionen Franken Einsparungen, 38 gestrichene Vollzeitstellen bis 2027: SRF krempelt sein Programm um. Am Montag informierte SRF-Direktor Roger Elsener die Belegschaft über die Massnahmen. Im Interview spricht er über die drohende Billigproduktion und darüber, was von SRF künftig noch übrig bleibt. Sieben Fragen, sieben Antworten.
SRF: «Eine gewisse Nervosität gehört dazu»
«Das Ziel von ‹Enavant› ist, dass wir möglichst wenig im Programm sparen», so SRF-Direktor Roger Elsener. (Bild: Keystone/Claudio Thoma)

Roger Elsener, wie haben Sie sich persönlich auf diesen Auftritt vom Montagnachmittag vorbereitet – konnten Sie in der Nacht davor überhaupt ruhig schlafen, wenn Sie wussten, dass Sie im Sportstudio und im Livestream erstmals selber Stellenabbau und Programmeinschnitte verkünden mussten?
Ja, ich habe gut geschlafen. Mein Leitungsteam und ich waren gut vorbereitet. Für uns war zentral, dass wir die strategischen Entscheidungen den Mitarbeitenden seriös und transparent aufzeigen können. Aber eine gewisse Nervosität gehört zu jedem Auftritt dazu – und das ist auch gut so.

Was ist Ihre Handschrift bei diesen Massnahmen, und wie stark waren die Vorgaben durch die bereits vor Ihrem Stellenantritt beschlossenen Strukturen?
Die Massnahmen mit den Sparbeträgen für alle Bereiche und Regionaleinheiten wurden für das Jahr 2027 auf SRG-Ebene im Rahmen von «Enavant» von der Geschäftsleitung freigegeben. Die weitere Detaillierung und die Vorbereitung der Umsetzung erfolgte anschliessend in den Regionaleinheiten und Bereichen. Das heisst bei SRF: durch mein Leitungsteam und mich. Wir haben die Massnahmen zusammen mit den Führungsteams weiter ausgearbeitet beziehungsweise tun dies weiter in den kommenden Wochen und Monaten.

«Bei SRF besetzen wir vakante Stellen schon länger nur noch sehr restriktiv»

In der Mitteilung ist durchwegs von Vollzeitstellen die Rede. Wie viele Personen sind effektiv betroffen, und wie viele davon werden gekündigt statt frühpensioniert?
SRF kommuniziert extern grundsätzlich immer Vollzeitstellen und nicht Personen. Bei SRF besetzen wir vakante Stellen schon länger nur noch sehr restriktiv. Diese Vakanzen können wir jetzt an den Stellenabbau anrechnen. Das macht etwa die Hälfte des Abbaus aus. Die andere Hälfte müssen wir über Kündigungen und Frühpensionierungen einsparen.

Gemessen an der Gesamtbelegschaft von rund 2400 Vollzeitstellen ist der jetzige Abbau kleiner als frühere Sparrunden wie «SRF 4.0». Ist das ein Zeichen der Entspannung, oder steht der grössere Teil der SRF-spezifischen Einschnitte noch bevor?
Das Ziel von «Enavant» ist, dass wir möglichst wenig im Programm sparen. Entsprechend spart die SRG 2027 zwei Drittel im SRG-weiten Bereich Operationen und in den Support-Bereichen. Das entlastet SRF.

Mit «Reporter» verschwindet ein etabliertes Format ganz aus dem linearen Programm. Nach welchen Kriterien entscheidet SRF, welche Sendungen gestrichen und welche nur gekürzt werden?
In der Abteilung «Kultur / Gesellschaft & Wissen» entstehen Einsparungen insbesondere durch Anpassungen beim Kanalportfolio, eine stärkere Zusammenarbeit zwischen bestehenden Angeboten sowie eine Vereinheitlichung der Standards und Herstellungsweisen. Zu «Reporter»: Das Format bleibt bestehen, es wird also auch weiterhin spannende Reportagen geben. Wir transferieren die Marke jedoch ins Digitale. Wir werden «Reporter» somit auf den digitalen Plattformen weiterentwickeln und darunter zahlreiche Angebote bündeln. Im Gegenzug verschwindet die Sendung vom angestammten fixen linearen TV-Sendeplatz.

«Die publizistische Qualität wird mit diesen Massnahmen grundsätzlich nicht beeinträchtigt»

Die Liste der Formate, die günstiger produziert werden sollen, ist lang – von «Einstein» und «Puls» bis «Espresso» und «Donnschtig-Jass». Droht SRF damit in der Fläche eine Entwicklung Richtung Billigproduktion, wie man sie teils vom Privatfernsehen kennt?
Wir planen künftig vermehrt multimedial gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus anderen Sprachregionen und wir übernehmen mehr Beiträge von RTS und RSI. Die publizistische Qualität wird mit diesen Massnahmen grundsätzlich nicht beeinträchtigt. Um ein Beispiel zu geben: Einsparungen sind punktuell möglich, wenn wir auf teure Produktionsmittel, wie eine Krankamera, verzichten.

SRF soll sich zu einem «modernen, digitalen Medienhaus» weiterentwickeln. Wie unterscheidet sich das neue Angebot vom SRF, das wir heute kennen?
Wir denken in Zukunft konsequent multimedial. Dazu gehören neben unseren linearen TV- und Radiokanälen auch unsere digitalen Kanäle, wie die Apps oder die neue Streaming-Plattform Play+, die wir 2027 lancieren. Entsprechend achten wir bei allen Weiterentwicklungen oder Neuentwicklungen darauf, dass Inhalte «streamable» sind – sich also von der Erzählweise her für die Nutzung im Streaming eignen.

Credits

Mitarbeit: Nick Lüthi.


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KOMMENTARE

Victor Brunner
15.09.2026 07:50 Uhr
Transparenz versprechen und dann so eine Aussage: "SRF kommuniziert extern grundsätzlich immer Vollzeitstellen und nicht Personen." Grundsätze anstelle Fakten, dumme Aussage. Ist Roger Elsener dem Job gewachsen?
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