24.09.2019

Sparprogramm der SRG

«Eine Trendwende ist nicht in Sicht»

Auch bei der SRG gehen die Werbeeinnahmen stark zurück: SRF-Direktorin Nathalie Wappler spricht über die zusätzlichen Sparmassnahmen und die Frage, ob der europaweit modernste Newsroom aus heutiger Sicht eine gute Idee gewesen war.
Sparprogramm der SRG: «Eine Trendwende ist nicht in Sicht»
Nathalie Wappler, Direktorin von Schweizer Radio und Fernsehen, portraitiert im August 2019 im Fernsehstudio des SRF in Zürich-Oerlikon. (Bild: Keystone-SDA/Gaëtan Bally)
von Edith Hollenstein

Frau Wappler, warum sind die Werbeeinnahmen so schnell so stark zurück gegangen?
Zum einen wandert das Geld der Werbeauftraggeber immer mehr in Richtung Online ab. Zum anderen haben wir festgestellt, dass einige grosse Unternehmen zurückhaltender in Werbung investieren.

Welchen Einfluss hatten die personellen und organisatorischen Probleme beim Start von Admeira?
Der Rückgang der Werbeeinnahmen hat nichts mit der Vermarktung zu tun, es sind die oben geschilderten Effekte, die die gesamte TV-Branche zu spüren bekommt. 

Wohin fliesst das Werbegeld stattdesssen: Konnten Sie das bereits analysieren?
Für das Jahr 2019 fehlen uns rund 30 Millionen Franken an Werbeeinnahmen. Wohin genau das Geld abfliesst, können wir im Detail erst Ende Jahr sagen. Doch bereits jetzt sehen wir, dass Werbeauftraggeber ihre Budgets anders platzieren. Wie sehr hier Online profitiert oder auch andere Werbeformen – das werden wir erst am Ende des Jahres abschliessend analysieren können.  

Geht das nun mehrere Jahre lang so weiter? Oder ist eine Trendwende in Sicht?
Ich hoffe, dass sich der Werbemarkt etwas erholen wird und grosse Werbekunden wieder investitionsfreudiger werden. Doch wir müssen uns darauf einstellen, dass unsere Einnahmen aus Werbung weiter zurückgehen werden. Eine Trendwende ist daher nicht in Sicht für mich.

«Wir wollen eine neue Angebots- und Produktionsstrategie definieren»

Was können Sie dagegen tun?
Wir müssen weitere grössere Einsparungen machen, bereits für 2020. Anschliessend werden wir uns nochmals neu aufstellen müssen, um das geringere Budget kompensieren zu können. Wir wollen eine neue, zukunftsgerichtete Angebots- und Produktionsstrategie definieren.

«Sternstunde Musik» wird nicht weitergeführt, «Arena/Reporter» ebenfalls, wobei das ja bereits seit Frühling bekannt ist. Welche weiteren Sendungen werden eingespart?
«Arena/Reporter» wurde zunächst aufgrund des Wahljahres ausgesetzt, jetzt wurde aber entschieden, die Sendung auch danach nicht fortzuführen. Weiter gibt es Reduktionen bei den Eigenproduktionen auf SRF zwei, und wir werden einen «Tatort» aufs Jahr 2021 verschieben. Das sind die Massnahmen, die sich auf den Sendern zeigen, aber alle Abteilungen bei SRF haben nächstes Jahr weniger Geld zur Verfügung.

Was bringt es für einen Spareffekt, wenn Sie eine «Tatort»-Folge um ein Jahr verschieben?
Die Kosten einer «Tatort»-Folge werden in demjenigen Jahr fällig, in denen die Folge ausgestrahlt wird. Wenn wir eine von zwei Folgen im vierten Quartal 2020 ausstrahlen und den anderen im ersten Halbjahr 2021, bringt uns das eine grosse finanzielle Entlastung. Gleichzeitig ist die Zeitspanne zwischen beiden Folgen ähnlich wie sonst, sodass die Zuschauer wenig davon spüren werden.

«Es braucht niemand Angst zu haben, dass der Newsroom plötzlich leer sein wird»

Wann werden die Mitarbeitenden über allfällige Entlassungen informiert?
Die jetzt eruierten Massnahmen, mit denen wir rund 9 Millionen einsparen, können wir wahrscheinlich über die natürliche Fluktuation auffangen. Weitere 7 Millionen für 2020 fehlen noch, einen damit verbundenen Stellenabbau kann ich heute nicht ausschliessen.

Ab Frühling will SRF aus dem neuen Newsroom senden, der für 500 Mitarbeiter Platz bieten wird. Bei all diesen Sparmassnahmen und dem geringeren Budget: Werden Sie den Newsroom überhaupt auslasten können?
Der Newsroom wird im November bezogen und wir sind daran, erste Abläufe zu testen. Er ist zudem darauf ausgelegt, dass wir durch bestimmte Prozesse und moderne Technik nochmals effizienter werden können. Wir werden diesen Platz auf jeden Fall benötigen für unsere Journalistinnen und Journalisten. Es braucht niemand Angst zu haben, dass der Newsroom plötzlich leer sein wird.

Im Nachhinein und angesichts der weiterhin schrumpfenden Einnahmen würde man heute wahrscheinlich auf ein solches 70-Millionen-Projekt verzichten.
Der Newsroom ist ein sehr modernes, vorausschauendes Projekt, das hilft, die Betriebskosten weiter zu senken. Wir werden Arbeitsflächen reduzieren und bei SRF insgesamt 30 Prozent an Betriebskosten einsparen können. Ich bin froh, dass mein Vorgänger dieses Projekt angestossen hat.

«Mit automatisierten Kameras können wir effizienter werden»

Muss auch das Radio einen Sparbeitrag leisten?
Ich kann bei diesen zusätzlich einzusparenden 16 Millionen Franken keine Abteilung auslassen. Ein so grosses Sparvolumen kann nicht allein durch Infrastrukturkosten bewältigt werden. Es führt unweigerlich zu Budgetreduktionen in allen Abteilungen.

SRG-Mitarbeitende arbeiten jetzt schon unter immer höherem Zeitdruck. Die «Zitrone ist ausgepresst», sagt die Gewerkschaft Syndicom. Was erwarten Sie von Ihren Mitarbeitern: Wie kann SRF jetzt noch effizienter werden?
Mit dem Newsroom und der Radiohall in Zürich sowie dem Meret-Oppenheim-Haus in Basel werden unsere Workflows effizienter. Zudem bieten sich durch die neue Angebots- und Produktionsstrategie, die ich vorhin angesprochen habe, sowie durch die neuen technischen Möglichkeiten mehrere Optionen, um produktiver zu werden und gleichzeitig die Qualität hochzuhalten.

Wie meinen Sie das?
Die automatisierten Kameras im Newsroom zum Beispiel geben uns gute Möglichkeiten, effizienter zu werden. Gleichzeitig können wir in den Journalismus und in die Recherche investieren.

 

 



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Kommentare

  • Uwe Tännler, 25.09.2019 13:49 Uhr
    Spar-Tips: CH-TATORT ersatzlos streichen - alle von mir mitfinanzierten. Dann auch diese Late Night Shows mit diesen unsäglich dümmlichen Moderatoren - streichen. Die 5 Min. Börsen-Lady-Insenierungs-Show vor der Hauptausgabe der Tagesschau canceln. Weitere Ideen für Sparmassnahmen auf Anfrage.
  • Victor Brunner, 25.09.2019 17:50 Uhr
    Qualyfing F1 und Sternstunde Philosophie mangels guten GesprächspartnerInnen streichen, Baba Bleisch kann Puls moderieren, gleich langweilig!

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