Mit den Verlautbarungen von Muammar al-Gaddafi ist der in Syrien ansässige Fernsehsender Arrai mit einem Schlag international bekannt geworden. Arrai-Gründer und -Chef Mischan al-Dschuburi ist der einzige Medienvertreter, der noch Kontakt zum untergetauchten Gaddafi hat. Er sei zwar gegen "sämtliche Diktaturen", sagte der gebürtige Iraker Dschuburi. Sein im Jahr 2006 gegründeter Sender habe aber zugleich zum Ziel, "gegen Besatzungen" von Ländern zu kämpfen, "sei es die im Irak, in Palästina oder heute in Libyen".
Gaddafi verkörpere für ihn den "Widerstand des libyschen Volkes gegen die Aggression der NATO". "Deshalb unterstütze ich ihn", sagte Dschuburi. Der aus seiner Residenz in Tripolis verjagte Machthaber ist für den Arrai-Chef immer erreichbar. "Wenn ich ihn sprechen muss, schicke ich ihm eine SMS, oder er ruft mich an, wenn er eine Botschaft verbreiten möchte", erzählte der 54- Jährige, dem einst der frühere irakische Diktator Saddam Hussein einen Job bei einer Zeitung der Baath-Partei verschafft hatte.
Er habe zuletzt vor "sehr kurzer Zeit" mit Gaddafi gesprochen. Dieser halte sich weiterhin in Libyen auf, und sei in "sehr guter Verfassung". Er fühle sich stark und hoffe, "im Kampf gegen die Besatzer zu sterben", sagte Gaddafi demnach dem Fernsehchef. Das Verhältnis der beiden, die sich bisher drei Mal persönlich getroffen haben, hatte allerdings der Arabische Frühling kurzzeitig getrübt. Dass Arrai die Revolutionen in Tunesien und Ägypten wegen seiner ablehnenden Haltung gegenüber Diktaturen unterstützte, habe Gaddafi "wütend" gemacht.
Gaddafi habe ihm vor sechs Monaten eine sehr deutliche Nachricht geschrieben, dass er den Sender in die Luft sprenge, wenn Dschuburi weiter Ägyptens Präsidenten Husni Mubarak angreife, sagte der Arrai-Chef. Sein Programm hatte in der Vergangenheit mehrfach grosse Summen Geld von Gaddafi erhalten. "Aber ich habe seine Drohungen in den Wind geschlagen", sagte Dschuburi weiter. (sda)

