Die Diskussion um den Abgang von Stefan Zweifel als Moderator und Kritiker beim "Literaturclub" des SRF erreichte am Sonntag neue Höhen (persoenlich.com berichtete) - und es scheinen noch lange nicht alle Fragen geklärt. Doch beim SRF will man dazu nichts mehr sagen.
Auf Nachfrage von persoenlich.com am Montag wurde auf die am Samstag veröffentlichte "Klarstellung" verwiesen, mit der "eigentlich alle Fragen beantwortet" seien. "Ich habe dem derzeit nichts hinzuzufügen", schreibt Mediensprecherin Nadine Gliesche.
Die Moderation für die Sendung vom 24. Juni, die letzte vor der Sommerpause, werde in den nächsten Tagen bekannt gegeben. "Wer die Sendung danach moderiert, ist noch nicht bestimmt und wird ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben."
Heidenreich verteidigt sich
Damit scheint klar, dass die von Stefan Zweifel geforderte Richtigstellung zum von Elke Heidenreich kolportierten Heidegger-Zitat nicht mehr erfolgen wird - obwohl Heidenreich selber gegenüber der "Basler Zeitung" bereits letzte Woche eingestand, dass das Zitat nicht so im Buch steht, wie von ihr in der Sendung behauptet.
Im "Tages-Anzeiger" vom Dienstag setzt sie zu einer ausführlichen Erklärung an: So behauptet sie nun, der Satz sei nie als wörtliches Zitat gemeint gewesen, sondern als ihre eigene Zusammenfassung von Heideggers Gedanken. Sie gibt aber zu, dass sie das Buch nicht so heftig hätte auf den Tisch schmeissen sollen.
Ausserdem nimmt sie die "Literaturclub"-Redaktion in Schutz und betont: "Ich bedaure diese unnötige Eskalation sehr und weise jeden Vorwurf unsauberer Arbeit mit gutem Gewissen von mir. Es ging nie um dieses Zitat, es ging um Zweifels Entlassung."
"Unmögliches Schweigen"
Klare Worte findet Rainer Stadler in der "Neuen Zürcher Zeitung". Er versteht nicht, warum sich das SRF vor einer Stellungnahme drückt. So wäre der Fehler schon lange aus der Welt geschafft und niemand würde sich mehr darüber aufregen. Das SRF mache sich "zur Lachnummer", wenn es darauf beharre, dass es um eine Meinungsverschiedenheit zwischen Zweifel und Heidenreich gehe.
Er geht sogar einen Schritt weiter: "Zieht man das unmögliche Schweigen der Redaktion in der Zitat-Frage in Betracht, liegt die Schlussfolgerung nahe, dass sie die Angelegenheit nicht im Griff hat." (lmy)
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