21.10.2011

NZZ

Energisches Pro-Online-Plädoyer

Peter Hogenkamp kritisiert Printredaktoren.

"Unser Online-Produkt ist heute noch um einiges schlechter als die Zeitung", sagte Peter Hogenkamp, Leiter Digitale Medien der NZZ, anlässlich des Publishing-Gipfel bei den Medientagen München. Mit einem energischen, wenig zurückhaltenden Pro-Online-Plädoyer sorgte er für Aufsehen bei den Publishern, wie meedia.de in einem zusammenfassenden Bericht schreibt.

"Querulant Hogenkamp" habe die Zuhörer richtiggehend aufgerüttelt: "Keiner weiss, wie lange Print Bestand haben wird - ich natürlich auch nicht. Aber die Hypothese, dass irgendwann die Leute Tageszeitungen nicht mehr auf Papier lesen, können wir nicht ausschliessen. Deshalb müssen wir an einem Ersatzprodukt arbeiten. Davon sehe ich bisher aber bei allen Verlagen kaum etwas." Dabei nahm Hogenkamp auch seinen eigenen Arbeitgeber, die "NZZ“, von der Kritik nicht aus: "Unser Online-Produkt ist noch um einiges schlechter als die Zeitung, aber das kann auch nicht anders sein, denn die Zeitung hat zehnmal mehr Leute." Die mangelnde Qualität liege aber auch am Selbstverständnis der Print-Redaktoren, die sich noch zu sehr an der gedruckten Ausgabe orientierten. Gegenüber persoenlich.com bestätigt Hogenkamp diese Aussagen und sagt, die "NZZ" habe daher ein "Konvergenzprojekt" eingeleitet, um dies zu ändern.

Hogenkamp plädierte in München ausserdem dafür, dass die Qualität der Online-Inhalte auf nzz.ch deutlich gesteigert werden müsse: "Wir müssen heute versuchen, rund um die Uhr viel mehr News in Zeitungsqualität zu machen", sagte er. Allein auf das iPad zu setzen, hält er für den falschen Weg: "Wir sind derzeit immer noch an der Anpassung der Print-Zeitung auf mehrere Kanäle. Die wichtigere Frage ist aber: Was machen wir in Zukunft redaktionell anders auf den digitalen Kanälen? Da sind wir in einem Jahr noch fast gar nicht vorwärts gekommen." Er selber sehe sich mit seinen Ansichten als Digitaler auch in seinem Unternehmen immer noch ein bisschen als "Schmuddelkind".

Den Originaltext finden Sie auf meedia.de. (eh)


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