Anfang Mai ziehen rund 90 Journalisten von der Redaktion der Zeitung "Le Temps" von Genf nach Lausanne in die Ringier-Zentrale. Zusammen mit Kollegen von "L'Hebdo" werden sie dort in einem Newsroom arbeiten. Vor dem Umzug herrscht unter den Journalisten angespannte Stimmung, wie der "Tages-Anzeiger" am Samstag berichtete. Moniert wird, man sei die einzige überregionale Zeitung der Westschweiz und damit ein Referenzmedium, aber Ringier habe kein publizistisches, sondern nur ein ökonomisches Konzept. In Lausanne sollen gar nicht erst genügend Plätze für die bestehende Redaktion bereitstehen.
Die Veränderungen, die das Verlagshaus Ringer in der Westschweiz vollzieht, bleiben nicht ohne personelle Folgen: 10 bis 20 Stellen sollen abgebaut werden, schreibt der "Tages-Anzeiger". Ringier-Sprecher Edi Estermann bestätigt, dass Stellen abgebaut werden, nennt jedoch keine Zahl. Er betont: «Wir haben zu keinem Zeitpunkt Kündigungen ausgeschlossen.» Die Entlassungen begründet der Sprecher mit «den gemeinsam mit den Redaktionen erarbeiteten, neuen Organisationsstruktur.» Man werde «zu gegebenem Zeitpunkt» darüber informieren.
Zudem offen sind noch publizistische Fragen. Die politische Position von "Le Temps" und "L'Hebdo" unterscheiden sich marakant. Inwiefern die Redaktionen unter der Leitung von "Le Temps"-Chefredaktor Stéphane Benoit-Godet und "L'Hebdo"-Chef Alain Jeannet im gemeinsamen Newsroom zusammenarbeiten und ob dies die Identität der Titel aufweicht, wird sich zeigen. Ringier-Sprecher Estermann betont: «Die Autonomie der Titel ist und bleibt gewahrt.» Das sei sakrosankt. Dem werde auch im neuen Newsroom Rechnung getragen. (wid)
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