14.05.2013

SRF

Entschuldigt sich für Sportpanorama-Beitrag

Fan-Gesang aus dem Archiv verfälscht Fussball-Bericht.
SRF: Entschuldigt sich für Sportpanorama-Beitrag

Information, Unterhaltung oder gar Manipulation? Das Schweizer Fernsehen überspielte am Wochenende eine Protestaktion von Fussballfans mit Archivtönen. "Um den Beitrag möglichst attraktiv zu gestalten, wurden die Fan-Gesänge nachträglich in die Zusammenfassung hineingeschnitten", erklärte SRF-Mediensprecher Jonathan Engmann die Arbeitspraxis der "Sportpanorama"-Redaktion gegenüber dem "Tages-Anzeiger“. Wie die Zürcher Tageszeitung am Dienstag berichtete, hatte das Schweizer Fernsehen die zehn Minuten lange Protestaktion der Fussball-Fans mit Geräuschen aus dem Archiv überspielt. Dies vermittelte einen völlig falschen Eindruck von der Stimmung beim Fussball-Spiel.

Stille mit Fan-Gesang übertönt

Beim Zürcher Derby zwischen GC und dem FCZ vom Sonntag herrschte nämlich Anfangs grosse Stille: "Zehn Minuten kein Fan-Gesang, zehn Minuten keine Stimmung“, schreibt der "Tages-Anzeiger". Damit boykottierten sowohl GC- als auch FCZ-Fans die Anfangsphase des Spiels, um auf die Hooligankonkordats-Abstimmung vom 9. Juni aufmerksam zu machen. Wer aber den Matchbericht im "Sportpanorama“ verfolgte, habe aber von all dem nichts mitbekommen, weil die Produzenten Fan-Gesang aus dem Archiv über die Stille der Anfangsphase gelegt hatten.

SRF entschuldigt sich

SRF hat den Fehler eingesehen und sich im "Tages-Anzeiger“ dafür entschuldigt: "Dieser Entscheid wurde unter hohem Zeitdruck gefällt. Er war falsch. Dafür entschuldigen wir uns“, wird Engmann zitiert. "Selbstverständlich bildet SRF am Fernsehen die Wirklichkeit ab, Manipulationen von Bild und/oder Ton sind nicht zulässig.“ 

Wie genau kann ein solcher Fehler passieren? Liegt der Grund darin, dass mehrere Personen an einem Beitrag beteiligt sind, im Zeitdruck oder werden die Beiträge zu wenig genau gegengeprüft? Eine Nachfrage von persoenlich.com bei SRF-Sprecher Engmann bringt wenig Erhellendes. "Es war eine Fehlentscheidung und einen anderen Grund gibt es nicht“, sagt er.

Peter Studer sieht mögliche Manipulation

Der ehemalige Chefredaktor des Schweizer Fernsehens und Präsident des Presserats, Peter Studer, hat das Spiel nicht gesehen, spricht aber im Tagi von einer möglichen Manipulation, falls das Fernsehen in das Bild einen Ton montiert habe, der tatsächlich nicht zu hören gewesen sei: "Das wäre ein Verstoss gegen das Radio- und Fernsehgesetz und würde eine Beanstandung beim Ombudsmann des SRF rechtfertigen." Artikel 4 des Radio- und Fernsehgesetzes besagt: "Redaktionelle Sendungen mit Informationsgehalt müssen Tatsachen und Ereignisse sachgerecht darstellen, sodass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann." (eh/TA)


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