Unter Berücksichtigung der düsteren Konjunktur hat Tamedia gemäss einer Mitteilung vom Donnerstagmorgen "recht gut gearbeitet". Der konsolidierte, nach IAS erstellte Halbjahresbericht der Tamedia-Gruppe zeige die erwartete konjunkturbedingte Entwicklung der Schlüsselzahlen.
Auf Grund des fortgesetzten Rückgangs des Werbevolumens nahm der Betriebsertrag (Umsatz) um 15.8 Prozent auf 335.9 Mio. Franken ab, das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) kam auf 45.9 Mio. Franken (Vorjahr: 95.5 Mio. Franken) zu stehen. Das Konzernergebnis betrug 26.9 Mio. Franken (Vorjahr: 38.0 Mio. Franken). Die EBITDA-Marge erreichte 13.7 Prozent (Vorjahr: 23.9 Prozent). Die im Spätherbst 2001 frühzeitig eingeleiteten Massnahmen zur Kostensenkung hätten zu diesem Resultat massgebend beigetragen, schreibt Tamedia.
Im Frühsommer 2002 übernahm Martin Kall von Michel M. Favre den Vorsitz der Unternehmensleitung. Die Gruppenaktivitäten wurden Anfang Juli auf drei Bereiche (Zeitungen, Zeitschriften und Elektronische Medien) fokussiert und damit die Führungsorganisation der Strategie angepasst. Mit der Schaffung der Publizistischen Konferenz soll zudem die über den Markterfolg bestimmende journalistische Kompetenz qualitativ verstärkt werden ("persoenlich.com" berichtete).
Tamedia rechnet nicht damit, dass sich die Konjunktur im zweiten Halbjahr erholt. Auf Grund der bisherigen Unternehmenseckwerte werde aber gleichwohl ein prognostiziertes Konzernergebnis der weitergeführten Bereiche in zweistelliger Millionenhöhe, aber unter Vorjahr (2001: 43.4 Mio. Franken), erwartet, wie es weiter heisst.
Printmedien
Der seit einem Jahr anhaltende Rückgang bei den kommerziellen Anzeigen, den Rubrikeninseraten und im Stellenbereich führte erneut zu rückläufigen Ergebnissen bei allen Titeln der Tamedia-Gruppe. Stark von dieser Entwicklung betroffen war der Tages-Anzeiger mit einer Einbusse von -29.7 Prozent (-62.2 Mio. Franken) beim Betriebsertrag. Volumenmässig einen überdurchschnittlich grossen Rückgang mussten der Stellen-Anzeiger und Alpha hinnehmen; beide spürten den konjunkturellen Einbruch im Arbeitsmarkt direkt; sie verloren 52.6 Prozent.
Die SonntagsZeitung hatte sich in einer neuen Marktsituation zu bewähren, da ein drittes (derzeit gratis verteiltes) Sonntagsblatt um Anzeigen und Leser buhlte. Selbst in diesem Umfeld und trotz der Zurückhaltung der Werbewirtschaft sei der gute Vorjahresbetriebsertrag nur um 4.7 Mio. Franken (-11.0 Prozent) verpasst worden.
Die besonders auf Investoren ausgerichtete Finanz und Wirtschaft konnte sich dem Negativtrend ebenfalls nicht entziehen; der Rückgang im Betriebsertrag erreichte 3.3 Mio. Franken (-17.5 Prozent), wobei die Einbusse im Anzeigenmarkt gemäss Tamedia massgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen hat. Bei Facts reduzierte sich der Betriebsertrag wegen des Anzeigerückgangs um 10.6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. ZürichExpress, als Gratiszeitung in einem schwierigen Umfeld tätig, konnte seine führende Stellung in der Stadt Zürich behaupten. Die Reduktion des Betriebsertrages beträgt 14.0 Prozent.
annabelle hatte im gesamten Betriebsertrag eine Einbusse von 11.9 Prozent in Kauf zu nehmen. Dies hänge auch damit zusammen, dass im Vorjahr zwei Ausgaben mehr erschienen sind. Die Vorbereitungen für annabelle business, die im September erstmals herauskommt, seien in vollem Gange. Schweizer Familie konnte im Juni 2002 die Adressen der Meyer's-Abonnenten übernehmen. Sie konnte sich gut halten und erreichte einen um lediglich 2.0 Prozent niedrigeren Betriebsertrag als in der Vorjahresperiode.
Elektronische Medien
Im elektronischen Bereich nahm der Ertrag um 13.7 Mio. Franken zu. Die seit Oktober zu Tamedia gehörenden Radio- und TV-Aktivitäten von Radio 24 und TeleZüri generierten in den ersten sechs Monaten einen zusätzlichen Betriebsertrag von 9.1 Mio. Franken. Radio 24 entwickelte sich positiv, während TeleZüri nach wie vor unter den schwierigen Marktbedingungen litt. Hörer- und Zuschauerzahlen erreichten hingegen teilweise Rekordwerte.
Condor Communications AG konnte den Betriebsertrag auf Grund eines einmaligen Grossauftrages erheblich, um 5.5 Mio. Franken auf 11.5 Mio. Franken, steigern. Der Abbau bzw. die Anpassung des Onlinegeschäftes an die Marktgegebenheiten und -erwartungen führte zu einem rückläufigen Betriebsertrag von 2.0 Mio. Franken. Im Mai dieses Jahres trennte sich Tamedia von ihrer Beteiligung an Bluewin; im Rahmen dieser Transaktion mit Swisscom übernahm Tamedia 100 Prozent der Winner-Gruppe (elektronisches Rubrikengeschäft). Das Marktpotenzial soll künftig vor allem durch die Verknüpfung der Printtitel und der Onlinemedien (tagesanzeiger.ch) ausgeschöpft werden.
Services
Im Bereich Services sind vor allem Druck und Vertrieb, auch für Dritte, zusammengefasst. Der konjunkturellen Entwicklung entsprechend nahm das Auftragsvolumen ab, obwohl durch den Vertrieb von 20 Minuten und NZZ am Sonntag rund 3.5 Mio. Franken neuer Ertrag erwirtschaftet werden konnte. Auf Grund des hohen Anteils an Fixkosten konnte der Betriebsaufwand nicht entsprechend reduziert werden. Tamedia betrachtet Druck und Vertrieb als wichtiges Instrument für die Unabhängigkeit der eigenen Printtitel.
Ausblick
Der wirtschaftliche Einbruch schlug auf die Schweizer Werbewirtschaft voll durch: Das Gesamtinseratevolumen der 15 grössten Tageszeitungen beispielsweise nahm gegenüber dem ersten Semester 2001 um 20 Prozent ab. Die weiterhin unbefriedigende Konjunktur, die Verunsicherung der Märkte durch weltweite Wirtschaftsskandale und die Baisse an der Börse lassen auf keine rasche Erholung der Werbeausgaben und des Stellenmarktes schliessen. Stellen-Anzeiger und Alpha haben in der Schweiz eine führende Stellung und sind eine der wichtigsten Ertragsquellen von Tamedia. Dem gegenüber steht der Abschluss der Liquidation von TV3 und damit die Schliessung einer bedeutenden Verlustquelle; gleichzeitig wurden die jetzt ergebniswirksamen Kostensenkungsmassnahmen umgesetzt.

