Sie sind designierter VR-Präsident der Jean Frey AG. Was ist Ihre Motivation für diese Aufgabe?
Die unternehmerische Herausforderung, aus den sehr guten und bekannten Produkten etwas noch Besseres zu machen, dem Gesamten ein effizienteres Kostenkleid zu geben, eine neue Ausrichtung. Das soll in Gesprächen mit der Geschäftsleitung entstehen. Dazu haben wir auch diesen profilierten Verwaltungsrat mit seinen grossen Branchenkenntnissen - es ist ein aktiver Verwaltungsrat vorgesehen.
Sie sind im vorgesehenen Verwaltungsrat der einzige wirklich Branchenfremde. Wie kommt es, dass gerade Sie das Präsidium innehaben?
Das müssen Sie den Übergangsverwaltungsrat und die Haupt-Investoren fragen. Vielleicht hängt meine Berufung damit zusammen, dass ich sehr viel mit grösseren Strukturen zu tun hatte; gegenwärtig leite ich einen Betrieb mit 300 Mitarbeitern. Ich führe gerne. Zudem gehöre ich im Verwaltungsrat zu den Jüngeren. Ausserdem habe ich die Zeit für ein starkes Engagement. Disponibilität war für alle Verwaltungsräte ein wichtiges Kriterium.
Sie sind zugleich auch Aktionär der Jean Frey. Was bewog Sie zu dieser Investition?
Die sehr guten Brands und ihr Potential.
Wann erwarten Sie, dass das Verlagshaus in die schwarzen Zahlen kommt?
Das kann ich noch nicht sagen. Unsere erste Aufgabe wird sein, die Jean Frey zu verstehen. In einer zweiten Phase werden wir gemeinsam mit der Geschäftsleitung und auch den Redaktionen neue Konzepte und Lösungen ausarbeiten. Diese werden in einer dritten Phase umgesetzt. Danach folgt die Kontrolle.
Was muss die Jean Frey tun, um profitabel zu werden? Wie stark wird man beispielsweise den Overhead zurückfahren?
Das kann ich noch nicht sagen, für Szenarien ist es zu früh. Wir haben natürlich Vorstellungen.
Wie beurteilen Sie die Wahrscheinlichkeit eines Asset Strippings?
Das steht nicht zur Diskussion, die Investoren haben ein langfristiges Interesse an der Jean Frey bekundet.
Die Weltwoche steht vor einer spannenden Neuorientierung, und beim Beobachter befürchtete man den Exodus. Was wären die Konsequenzen für das Verlagshaus, wenn einzelne Titel wegfielen?
Dazu gibt es kein Indiz. Für den Beobachter hat CEO Filippo Leutenegger eine sehr gute Lösung gefunden. Die Stimmung ist seit der Neueinsetzung von Balz Hosang als Chefredaktor sehr gut.
Den Redaktionen wurde eine schriftliche Unabhängigkeitsgarantie versprochen. Ist das nicht etwas blauäugig? Letztlich geht es doch um Ihr Geld, was nützt da eine schriftliche Garantie?
Die schriftliche Form bezieht sich auf die Richtlinien. Allen Beteiligten der Jean Frey ist klar, dass nur ein überlebensfähiges Produkt Chancen hat. Dazu braucht es einen Pfad zur Profitabilität. Trotzdem ist die redaktionelle Unabhängigkeit wichtig.
Was geschähe denn, wenn beispielsweise die Weltwoche einen kritischen Artikel über Ihre Altamira-Holding veröffentlichen würde?
Wenn er berechtigt wäre - nichts. Prinzipiell sollen die Titel liberal geführt werden. Da haben verschiedene Meinungen Platz, solange man fair bleibt.
Und wenn nicht?
Wenn ich betroffen wäre, träte ich in den Ausstand. Dafür haben wir die Exponenten mit ausgewiesenen publizistischen Fähigkeiten im Verwaltungsrat - Markus Gisler, Peter Kleiner, Charles von Graffenried -, die dann einwirken würden. Oder auch Heik Ahfeldt, der weiterhin Berater bleibt.

