Herr Schawinski, kaum haben Sie bekannt gegeben, dass Sie in Zürich mit einem neuen Radio starten, planen Sie bereits eine Konzessionseingabe für einen weiteren Sender im Aargau. Warum dieser Aktionismus?
Ich habe immer gegen Monopole gekämpft. Eines der letzten eisernen Medienmonopole in der zivilisierten Welt gibt es immer noch im Aargau. Dieses will ich nun aufbrechen. Programmleiter und Verwaltungsrat des geplanten Senders wird Heinz Lang, jahrelanger Programmleiter und Chefredaktor von Tele M1. Im Verwaltungsrat sitzt zudem Christoph Bürge aus Baden. Christoph verfügt über seine sehr grosse internationale Radio- und Fernseherfahrung, von TV3 über das Schweizer Fernsehen bis zur Leitung einer grossen Radio- und Fernsehgruppe in Rumänien. Damit sind wir sehr gut im Kanton verankert. Mit weiteren Aargauer Medienleuten bin ich im Gespräch.
Was für eine Beziehung haben Sie überhaupt zum Kanton Aargau?
Ich habe in den achtziger Jahren selbst im Kanton Aargau gewohnt. Meine Frau Gabriella ist in Baden aufgewachsen, mein Schwiegervater war Generaldirektor der BBC und in der Familie haben wir noch einen Weinberg in Ennetbaden. Seltsam: Haben Sie diese Frage auch der Tamedia bei ihrem Kauf der von Graffenried-Gruppe oder der Thurgauer Zeitung gestellt?
Nun gibt es auch in anderen Regionen wie beispielsweise Graubünden sogenannte Medienmonopole. Werden Sie auch dort ein Konzessionsgesuch einreichen?
Per Gesetz ist vorgesehen, dass man nur zwei Konzessionen mehrheitlich halten kann. Daran muss ich mich wie alle anderen halten.
Ist Ihr geplantes Aargauer Radio auch ein Radio "nur für Erwachsene"?
Nein, im Aargau ist die Situation ganz anders, da es hier -- im Gegensatz zu Zürich -- nur ein grosses Privatradio gibt. Deswegen muss man sich an eine breitere Bevölkerungsschicht wenden.
Tanzen Sie momentan nicht auf zu vielen Hochzeiten?
Im Gegensatz zur Tamedia und zu Ringier -- die je zwei Radios kontrollieren -- gehört Radio zu meiner Kernkompetenz. Nein, ich glaube meine Engagements sind sehr überschaubar.
Wie sieht der momentane Stand bei Radio 1 aus?
Mitte Januar starten wir mit unserem Testprogramm -- einer Art von Soundcheck. Dies gibt unseren Zuhörern die Möglichkeit, die Frequenz von 93,0 MhZ und unsere Musik kennen zu lernen und in ihrem Radio einzutippen. Im März starten wir dann mit dem regulären Programm. Bis dann sind die Bauarbeiten in unseren Studios an der Hottingerstrasse abgeschlossen und die ganze Crew, die aus 25 bis 30 Mitarbeitern besteht, startbereit. Ich habe ein sensationelles Team zusammenstellen können -- das mit Abstand beste in der ganzen Privatradio-Landschaft. Es ist ein echtes Dreamteam geworden!
Die meisten Ihrer Mitarbeiter haben Sie auch bei Ihrem ehemaligen Sender Radio 24 abgezügelt.
Überhaupt nicht. Wir haben Redaktoren und Moderatoren von verschiedenen Medien, auch von Radio DRS. Für die SRG ist dies eine völlig neue Erfahrung: Bislang holte man sich immer wieder ausgebildete Mitarbeiter von den Privatradios zur SRG, jetzt ist es erstmals umgekehrt. Für die ist das wie ein Schock. Bei Radio DRS versteht man die Welt nicht mehr.
Bekamen Sie entsprechende Signale zugesandt?
Einigen DRS-Mitarbeitern, die zu mir wechseln wollten, hat man subito massive Lohnerhöhungen angeboten, als man von meinem Interesse hörte. Deswegen rate ich allen Mitarbeitern von DRS 1 und DRS 3, ihren Chefs glaubhaft zu erzählen, dass sie auch ein Angebot von mir bekommen hätten. Damit holen sie sich die saftigste Lohnerhöhung, die sie sich vorstellen können.
Bei Radio 24 dürfte der Ärger viel grösser...
Nein, der neue Tamedia-Chef Pietro Supino sagte mir, dass dies in der Privatwirtschaft üblich sei. Die Tamedia verhalte sich bekanntlich auch nicht anders. So hatte TV 3 vor einigen Jahren mit massiv höheren Löhnen Mitarbeiter von TeleZüri und Tele24 abgeworben. Was mich nach einer grossen Zahl von Gesprächen mit Radioleuten aber bedrückt und überrascht: Bei vielen Radiomitarbeitern ist der Frust über den unsäglichen Dudelfunk womöglich noch grösser ist als bei den Hörern. Daher ist es für sie eine unglaubliche Verlockung, beim ersten Premium-Radio von Anfang an dabei zu sein. So hat sich von Radio 24 mehr als die halbe Mannschaft bei uns beworben. Schliesslich einigten wir uns mit vier tollen Mitarbeitern.
Warum ist Radio 1 besser als die andern Sender?
Weil wir einen völlig neuen Ansatz wählen und den kreativitätstötenden gordischen Knoten der von ausländischen Beratern ferngesteuerten Formatradios durchhauen werden.
Welche Sendung werden Sie moderieren?
Ich moderiere wie zu alten Radio-24-Zeiten jeden Sonntag die Sendung Doppelpunkt. Es ist höchste Zeit für etwas Tiefgang am Radio. Ich glaube, nicht nur ich freue mich drauf, sondern auch viele Hörer.
(Interview: Matthias Ackeret)

