15.04.2008

Presserat

Fachkompetent -- aber nicht relevant

Gremium soll stärker beratend wirken.

Der Schweizer Presserat erhält gute Noten vom Publikum: Wie eine Studie des Instituts für Angewandte Medienwissenschaft (IAM) Zürich belegt, wird das medienethische Gremium als wichtig, fair und fachkompetenter eingeschätzt. Er bringe damit mehr Verständnis für die tägliche Medienarbeit auf als die Justiz.

Jedoch fehlt es dem Presserat an Relevanz: Seine Wirkung auf die alltägliche journalistische Arbeit wird als gering beurteilt. Weder das Regelwerk (berufsethischer Kodex und konkretisierende Richtlinien) noch die Stellungnahmen des Presserates finden häufig Eingang in Redaktionsdiskussionen. Die jüngsten Ergebnisse der qualitativen Studie, bei der 50 bewusst ausgewählte Teilnehmer ausgewählt wurden, stützen damit die Resultate einer ersten quantitativen Studie aus der zweiten Jahreshälfte 2007.

Ein weiterer Schluss der Erhebung: Die befragten Medienschaffenden lehnen es ab, ihrer Selbstkontrollinstanz Sanktionsbefugnisse einzuräumen. Im Gegensatz dazu empfehlen die Autoren der Studie seine kommunikative Präsenz in den Redaktionen verstärken. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Funktion einer "Richtschnur" in Zeiten raschen Medienwandels und zunehmender Kommerzialisierung als wichtig erachtet und entsprechend gewünscht angesehen wird. Zudem soll er sich für den Ausbau der Qualitätssicherung in den Redaktionen einsetzen. Nur die Koppelung von Berufsethik mit Media Governance könne zur Steigerung der praktischen Relevanz des Presserates und seiner Tätigkeit beitragen.

Vorerst hat die Stiftung Schweizer Presserat nach eigenen Angaben keine verbindlichen Schlussfolgerungen aus den Resultaten der Studie gezogen: In einer Sitzung von Mitte März habe man sich darauf beschränkt, die Ergebnisse und Empfehlungen der Studie offen und kontrovers zu diskutieren. Zuerst wolle man abwarten, ob die für Mitte Jahr zur Diskussion stehende Erweiterung der Trägerschaft auf Verleger und SRG nun zustande komme oder nicht, heisst es in einer Mitteilung der Stiftung.

Die Zusammenfassung des Befragungsergebnisses ist im Internet hier einsehbar.


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen