17.03.2021

Presserat

Fairmedia reicht Beschwerde ein

Laut dem Verein haben 20 Minuten und Blick bei der Berichterstattung zum Tötungsfall in Buchs die Privatsphäre verletzt.
Presserat: Fairmedia reicht Beschwerde ein
In Buchs ist Ende Februar eine 22-jährige Schweizerin bei einem Streit so stark verletzt worden, dass sie verstorben ist. (Bild: Kapo St. Gallen)

Vor drei Wochen wurde eine 22-Jährige in Buchs SG getötet – mutmasslich von ihrem Partner. Das Delikt sorgte schweizweit für Schlagzeilen. 20 Minuten und Blick berichteten am ausführlichsten über den Fall. Sie publizierten über mehrere Tage ganze Artikelserien dazu, in denen private Details stehen, welche aus Sicht von Fairmedia keinerlei Öffentlichkeitsrelevanz haben.

So wurden beispielsweise Familienangehörige, Nachbarn oder ehemalige Schulkameradinnen und Schulkameraden interviewt, heisst es in einer Mitteilung. Die Reporterinnen und Reporter von 20 Minuten und Blick hätten das Wohngebäude der Betroffenen fotografiert – in den Innenbereich des Wohnhauses und auf die Terrasse. Auf den Bildern, die immer noch online abrufbar sind, seien Gegenstände sichtbar, die offensichtlich den Betroffenen gehörten. Das stellt laut Mitteilung «einen krassen Eingriff in die Privatsphäre des Opfers und ihrer Hinterbliebenen dar». Auch aus Pietätsgründen wäre auf eine solche Publikation zu verzichten gewesen, schreibt Fairmedia.

Die veröffentlichten Informationen und Fotos würden das Opfer und den mutmasslichen Täter sehr leicht identifizierbar machen. Die Namen von Täter und Opfer seien zwar anonymisiert und die Bilder verpixelt respektive «gebalkt» worden. «Das reicht jedoch nicht für eine Anonymisierung», so Fairmedia.

Der mutmassliche Täter arbeitete als Filialleiter in einer Pizzeria. 20 Minuten und Blick zeigten jeweils sehr prominent den Namen der Pizzeria, heisst es in der Mitteilung weiter. So hätten zum Beispiel Kunden, Angestellte oder Lieferanten sofort gewusst, um wen es hier ging.

Fairmedia wendet sich mit dem Fall an den Presserat und an die Öffentlichkeit, um diese Art Berichterstattung in Zukunft zu verhindern. «Verletzung der Privatsphäre für möglichst viele Klicks: Dieses Geschäftsmodell hat ausgedient», wird Geschäftsführer Jeremias Schulthess zitiert. «Wenn die Verlage sich nicht an presserechtlichen Mindeststandards halten, schadet das dem Journalismus insgesamt. Um zu zeigen, dass wir mit unserem Anliegen nicht allein sind, suchen wir möglichst viele Unterstützer, die die Beschwerde mitunterzeichnen.»

Laut eigenen Angaben haben bis jetzt haben rund 200 Personen die Beschwerde online unterzeichnet. Die Beschwerden werden separat – eine gegen 20 Minuten und eine gegen den Blick – nächste Woche beim Presserat eingereicht. Wie es weiter heisst, reagiere Fairmedia in diesem Fall «aus eigener Überzeugung». Zu den Betroffenen habe kein Kontakt bestanden. (pd/cbe)


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