28.05.2013

Blick am Abend

Fast nur Lob zum fünften Geburtstag

Grosser Applaus für Helmut-Maria Glogger: Seine tägliche Kolumne im "Blick am Abend" ist äusserst beliebt, wie eine persoenlich.com-Umfrage zeigt. Kurz vor der 5-Jahre-Jubliäums-Party vom Mittwochabend fragten wir die Medien- und Kommunikationsbranche nach Meinungen zum Gratis-Boulevardblatt. "Die einzige Zeitung mit einem grundsätzlich positiven Spirit", sagt Peter Rothenbühler und Peter Hogenkamp lobt die "konsequenten Social-Media-Qualitäten". Eher kritisch äussert sich die Konkurrenz: "20 Minuten"-Chefredaktor Marco Boselli sieht rot, falls das Geschäftsmodell jetzt noch nicht funktioniere. Und er meint: "Weniger Sauglattismus täte gut".
Blick am Abend: Fast nur Lob zum fünften Geburtstag

Ein Prosit auf 5 Jahre: Am Mittwoch feiert die Pendlerzeitung "Blick am Abend" ihr Jubiläum mit einem grossen Fest. Ist das Gratis-Boulevardblatt aus dem Hause Ringier inzwischen zu einem festen Wert geworden? persoenlich.com hat sich in der Branche umgehört. Hier die Meinungen:

 

Peter Rothenbühler, Directeur adjoint des publications Tamedia Publications romandes

"Ob die Abendzeitung inzwischen zu einem festen Wert geworden ist? Ja. Man sieht es in den Bahnhöfen, alle lesen 'Blick am Abend'. Er ist die einzige Tageszeitung innerhalb der Schweizer Medienlandschaft, die einen grundsätzlich positiven Spirit ausstrahlt. Ein Aufsteller. Wenn ich den BaA lese, dann besonders gerne die Titel, Bilder des Tages und Glogger. Ich bin sicher, dass auch das Geschäftsmodell Aussicht auf Erfolg hat. Sollte der 'Blick am Abend' etwas verändern, dann Folgendes: Etwas weniger Fun, etwas mehr seriöse Information zum Tag." 

 

Marco Boselli, Chefredaktor "20 Minuten"

"Dass der 'Blick am Abend' ganz klar zu einem festen Wert geworden ist, sehe ich schon nur daran, dass meine beiden Buben ihn ab und zu nach Hause bringen. Ich finde es gut, dass mit dem BaA generell die Gattung der Pendlerzeitungen gestärkt worden ist. Und der Blick-Gruppe hat er als Verjüngungskur auch gut getan. Welche Rubrik ich besonders gerne lese? Meine Antwort ist klar: Keine. Ich lese ihn jeden Nachmittag quer, als E-Paper. Vor allem um zu schauen, welche Storys wir jetzt anders gewichten oder ganz kippen sollen. Zum Geschäftsmodell kann ich Folgendes sagen: Es ist schwierig, eine Zeitung am Abend "outbound" zu distribuieren, also an Pendler, die aus einem Zentrum wegpendeln. Da braucht es viele Exemplare, um auf eine anständige Leserschaft zu kommen, weil der LpE-Wert tief bleibt. In dem Sinn wird es schwierig werden, deutlich bessere Leserwerte zu bekommen. Oder anders: Wenn das Business-Modell 'Blick am Abend' jetzt tatsächlich noch nicht funktioniert, sehe ich weiterhin rot. Denn Print bleibt unter Druck. Inhaltlich fehlt dem "Blick am Abend" nichts. Aber weniger Sauglattismus täte ihm gut."

 

Kurt W. Zimmermann, Medien-Kolumnist "Weltwoche"

"Der 'Blick am Abend' ist die letzte gedruckte Tageszeitung, die in der Schweizer Mediengeschichte gegründet wurde. Das ist zumindest eine historische Fussnote. Der 'Blick am Abend' soll darum sein Fünfjähriges richtig rauschend feiern. In fünf Jahren nämlich gibt es ihn nur noch online."

 

Alexander Jaggy, Executive Creative Director Jung von Matt/Limmat

"Auf jeden Fall ist der 'Blick am Abend' in diesen fünf Jahren zu einem festen Wert geworden. Eine Abendzeitung auf Tagesbasis hat ein Alleinstellungsmerkmal und ist sowohl für Leser wie für Werbekunden interessant. Der 'Blick am Abend' hat ein neues Lesebedürfnis geschaffen. Er hat die Generation der Digital-Natives dazu gebracht, abends in die Zeitungsbox zu greifen. Ein Riesenerfolg. Ich persönlich lese 'den Glogger' besonders gerne. Zwar hat der 'Blick am Abend' eine sehr grosse Leserschaft, doch was aus meiner Sicht noch fehlt, sind Inserate. Aber wo die Leser sind, folgen auch bald die Werbekunden."

 

Matthias Ackeret, Geschäftsführer und Chefredaktor "persönlich"

"Auf jeden Fall ist dieses Jubiläum ein Grund zum Feiern. Gerade in unseren onlinegeprägten Zeiten sollte man jeden Verleger loben, der auf Print setzt. Und 'Blick am Abend' hat zweifelsohne unsere Medienlandschaft bereichert. Denn zum einen ist es die erste Abendzeitung der Schweiz. Schon das ist bemerkenswert. Zum andern gefällt mir, wie die Zeitung täglich versucht, mit einem anderen, auch unkonventionellen Ansatz, die Welt zu beschreiben. Als langjähriger Arbeitskollege und Freund von Peter Röthlisberger erkenne ich sehr gut seine Handschrift und auch seinen Charakter. Das ist das Beste, was einem Medium passieren kann. Deswegen ist 'Blick am Abend' wohl die einzige schweizerische Tageszeitung, die die Welt mehrheitlich aus einer positiven Optik betrachtet. Am meisten gespannt bin ich jeweils auf den Aufmacher. Hier hat der 'Blick am Abend' bei den Printtiteln ein 'Monopol', weil er als erstes diejenigen Storys, die sich am Morgen ereignet haben, behandelt kann. Und selbstverständlich lese ich auch immer die Kolumne von Helmut-Maria Glogger. Es ist eine sehr grosse Leistung, während fünf Jahren täglich eine Kolumne zu verfassen, die einen berührt oder provoziert. Ich glaube das Geschäftsmodell wird erfolgreich sein. Print wird in den nächsten Jahren eine Renaissance erleben. Ich finde die Zeitung gut so wie sie ist. Für den Weltschmerz haben wir die andern Zeitungen."

 

Christoph Ott, Leiter CI/CD und Werbung bei Mobiliar

"Der Blick am Abend hat sich als Pendlerzeitung in der zweiten Tageshälfte gut etabliert. Die Zeitung bereichert das angeblich vom Aussterben bedrohte Print-Angebot insgesamt und bedient damit ebenfalls ein junges Publikum, welches offensichtlich nicht nur Online-Medien konsumiert. Ich persönlich lese News besonders gerne. Insbesondere dann, wenn sie noch nicht in der Morgenpresse zu lesen waren. Die Antwort auf die Frage, ob das BaA-Geschäftsmodell funktionieren kann, wird sich wohl im Werbemarkt finden lassen. Meiner Meinung nach fehlt der Zeitung nichts. Sie ist gut aufgebauter Boulevard."

 

Peter Hogenkamp, Leiter Digitale Medien NZZ-Gruppe

"Der 'Blick am Abend' hat als erstes Schweizer Mainstream-Medium Social Media konsequent eingesetzt, sowohl für die Recherche, indem sich jeden Abend im Blatt Trouvaillen finden, die am Morgen über Twitter liefen, als auch im Dialog mit den Lesern. Insofern ist es nur konsequent, wenn er im Mai 2013 Roger Federers ersten Tweet auf der Frontseite mit der Meldung begrüsst, Federer sei 'doch noch auf Twitter angekommen'. Dieser flächendeckende und unaufgeregte Einsatz von Social Media ohne den regelmässig erhobenen didaktischen Zeigefinger, man dürfe aber die Gefahren nicht vergessen, fehlt mir bei vielen anderen Medien noch.'

 

Frank Bodin, CEO Havas Worldwide Schweiz
 

"Im Nu leere Boxen am Abend sind der beste Beweis dafür, dass der 'Blick am Abend' einen festen Platz in der Schweizer Medienwelt gefunden hat. Die Zeitung ist eine Bereicherung. Der frische Stil hat inzwischen über 630'000 Leserinnen und Leser erobert. Und zeigt, dass Print nach wie vor ein Medium ist, das viele Menschen erreicht. 'Glogger mailt' lese ich immer. Und gut gemachte Inserate auch. Als jüngstes Mitglied der Blick-Familie führt 'Blick am Abend' zu einer Verjüngung, Dynamisierung und Urbanisierung der Marke 'Blick' - das ist strategisch wichtig für die Zukunft und eine gute, crossmediale Investition. Der 'Blick am Abend' verdient vor allem durch Inserenten. Und vielleicht wird das Boulevard-Verständnis des guten alten 'Blick' ja irgendwann einmal moderner jünger interpretiert - und dann wird der "Blick" zu einem 'Blick am Morgen'."

Umfrage: Adrian Schräder und Edith Hollenstein, Bilder: zVg

 

Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch das Interview mit BaA-Chefredaktor Peter Röthlisberger.

 

 

 

 

 

 

 


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