Die Basler "TagesWoche" ist nach ihrem ersten Jahr auf Kurs: Mit 22'600 Exemplaren ist die gedruckte wöchentliche Ausgabe doppelt so hoch wie beim Start erhofft; die TaWo-Internetseite wurde fast eine Million mal angeklickt. Das Echo ist gut; die Werbung harzt noch. Das neuartige Zeitungsmodell, das von Anfang an auf einen starken tagesaktuellen Internetauftritt setzte, funktioniere gut, sagt Co-Redaktionsleiter Urs Buess gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Sein Blatt müsse indes in der Printausgabe noch vermehrt darauf hinweisen, was alles ausschliesslich im Internet publiziert werde.
Ausgedacht hatten sich das Modell Journalisten; das nötige Geld bekamen sie, als die Querelen um die Eigentümerschaft und die Linie der "Basler Zeitung" hohe Wellen schlugen. Eine Stiftung der Roche-Miterbin Beatrice Oeri garantiert den Betrieb für vier Jahre, ohne Einfluss zu nehmen - ein in der Schweiz unübliches Modell. Oeri scheut das Rampenlicht; sie mochte sich auch zum Jubiläum nicht äussern.
Eigenes Profil gewonnen
Selbst südlich des Jura kenne man die TaWo: Rund ein Fünftel der Abos gehe nach Zürich, Bern und ins Mittelland. Gelegentlich würden ihre Berichte etwa von "Tagesanzeiger" und "NZZ" zitiert. Und bei Recherchen wüssten die Angerufenen meist, wer man sei, sagt Buess stolz weiter. Aber zufrieden sei man als Journalist ja nie. Publizistisch ist er mit dem ersten "TagesWoche"-Jahr zufrieden. Nach verhaltenem Start habe sie zugelegt und viele eigene Themen gesetzt. Stark wahrgenommen worden sei speziell Gesellschaftliches beispielsweise zur Quotenfrage oder Berichte zur Stadtplanung. Das Team mache deswegen kein grosses Fest zum ersten Geburtstag.
Die TaWo sei "keine Anti-BaZ", hält Buess fest; mit nur 31,4 Vollstellen, davon 25,8 in der Redaktion, sei keine Tageszeitung zu konkurrenzieren. Die spezielle Mediensituation in Basel habe aber trotz aktiver Konkurrenz - etwa mit "bz Basel" und "Sonntag"-Split - schon geholfen; das Modell hätte es wohl schwerer in Zürich oder Bern.
Werbe-Schub dank WEMF-Zahlen erhofft
Auch der emeritierte Medienwissenschaftsprofessor Roger Blum sieht die "TagesWoche", die er für ihre guten Geschichten lobt, als "sehr gute Ergänzung" der Medienlandschaft: Sie sei mit ihren Recherchen eine Herausforderung für BaZ und bz. Konkurrenz bringe Ansporn und gegenseitige Kontrolle sowie Akteuren quasi eine Auswahl an Bühnen. Trotz der guten Auflage-Entwicklung mit 18'600 Abonnenten, 3000 Einzelverkäufen und 1000 Gratisexemplaren ist die TaWo noch nicht rentabel. Nur etwa sechs Seiten Inserate pro Ausgabe hat sie heute. Das ist für Buess stark ausbaufähig. Er ist optimistisch, weil nun erstmals beglaubigte WEMF-Zahlen vorliegen, die manche Werbe-Türe öffnen könnten.
Buess erklärt seine Zuversicht auch mit dem Boom der mobilen Telekommunikationsgeräte, welche die online-TaWo überall greifbar machen; längere Analysen fänden derweil auf Papier Platz. Das Blatt wurde soeben sachte umgestaltet, damit es neu ungefaltet und mit dickerem Deckblatt schöner bei der Leserschaft ankommt. (sda)
Lesen Sie am Montag, 29. Oktober das Interview mit Urs Buess auf persoenlich.com.

