12.05.2026

Zürcher Journalistenpreis

Felix Schaad für sein Gesamtwerk geehrt

Neben dem Gesamtwerkpreis für den langjährigen Tages-Anzeiger-Karikaturisten sind vier weitere journalistische Arbeiten ausgezeichnet worden – darunter eine Missbrauchsrecherche aus der Zürcher Partyszene und ein Umweltskandal am Bodensee.
Zürcher Journalistenpreis: Felix Schaad für sein Gesamtwerk geehrt
Die Jury des Zürcher Journalistenpreises hat den Preis für das Gesamtwerk an den Karikaturisten Felix Schaad vergeben. (Bilder: Philippe Rossier)

Die 46. Preisverleihung fand am Dienstagabend im Kaufleuten-Klubsaal in Zürich statt. 201 Arbeiten aus der ganzen Deutschschweiz waren eingereicht worden. Die siebenköpfige Fachjury nominierte daraus neun Beiträge für den Hauptpreis und drei für den Newcomer-Preis (persoenlich.com berichtete).

Den Preis für das Gesamtwerk erhielt Felix Schaad. Der Karikaturist war von 1999 bis zu seiner Pensionierung 2026 Hauskarikaturist des Tages-Anzeigers und prägte über mehr als ein Vierteljahrhundert das visuelle Profil der Zeitung. Bekannt wurde er durch seine Porträts der Schweizer Politprominenz sowie durch den gemeinsam mit Claude Jaermann entwickelten Comic-Strip «Eva».

Karin Wenger wurde für ihre Reportage «Weg vom Schuss» ausgezeichnet, erschienen in der Annabelle. Darin berichtete sie aus dem panamaischen Küstenort Playa Venao, wo israelische Soldatinnen und Soldaten versuchen, die Traumata des Gaza-Kriegs zu verarbeiten. Die Jury würdigte den Text als Zeitdokument, das Reportage, politische Analyse und Essay verbindet.

Das dreiköpfige Recherche-Team von Das Magazin wurde für «Travis the Creator» prämiert. Die Arbeit von Sascha Britsko, Oliver Zihlmann und Boris Gygax entstand über drei Jahre und zeigt Missbrauchsstrukturen in der Zürcher Party- und Modeszene auf. Die Recherche rekonstruiert ein Machtgefälle, gibt Opfern eine Stimme und thematisiert die Grenzen des damaligen Sexualstrafrechts.

Sandro Büchler, Jochen Tempelmann und Davide De Martis vom St. Galler Tagblatt wurden für die Serie «Umweltskandal am Bodensee» ausgezeichnet. Diese dokumentiert die Einleitung der krebserregenden Chemikalie PFOS in den Bodensee durch ein Industrieunternehmen. Das volle Ausmass der Vertuschung konnten die drei Journalisten erst nach zwei gewonnenen Prozessen vor Bundesgericht publik machen.

Den mit 5000 Franken dotierten Newcomer-Preis erhielt Konstantin Kreibich von Zentralplus für seinen Artikel «Sie belogen die Ermittler – er wurde Multimilliardär». Darin belegte er anhand zahlreicher Quellen und Gespräche mit Betroffenen, wie Mitarbeitende auf Schweizer Kreuzfahrtschiffen unter Druck gesetzt wurden, Inspektoren systematisch zu belügen. Die vier Hauptpreise sind je mit 10’000 Franken dotiert.

Die Preisverleihung wurde laut Mitteilung von einer Gastrede des Ethikprofessors Peter G. Kirchschläger begleitet. Unter dem Titel «KI – Ende oder Neuanfang menschlicher Arbeit? Eine ethische Betrachtung» argumentierte er, dass künstliche Intelligenz – anders als frühere Technologisierungsschübe – gezielt dazu eingesetzt werde, Menschen auch in qualifizierten Berufen zu ersetzen, und schlug vor, die Existenzsicherung von der klassischen Erwerbsarbeit zu entkoppeln.

Der Zürcher Journalistenpreis wird seit 1981 vergeben und zählt zu den renommiertesten journalistischen Auszeichnungen der Schweiz. Träger der Stiftung sind CH Media, NZZ, Ringier und Tamedia. (pd/cbe)


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