Man kann von einer kleinen Revolution sprechen, die bei der "Finanz und Wirtschaft" (FuW) im Gang ist. Ab nächstem Samstag erscheint der Titel nicht mehr als Vier- sondern neu als Zwei-Bund-Zeitung. Dazu wurden auch die Strukturen in der Redaktion angepasst und neue Ressortleiter bzw. Co-Ressortleiter ernannt. Trotz grösserer personeller Anpassungen "ging alles sehr harmonisch über die Bühne", wie Martin Coninx, Geschäftsführer der "FuW" (vgl. Bild unten) gegenüber persoenlich.com sagt. Dass diese Änderungen von den betroffenen Redaktionsmitgliedern so gut angenommen wurden, ist nicht selbstverständlich, denn das Redaktionsverständnis der "FuW" ist am ehesten mit demjenigen einer "NZZ" vergleichbar.

Sieben neue Leute eingestellt
Für den Relaunch der Zeitung sowie für den Ausbau des digitalen Angebots wurden fünf neue Mitarbeiter in der Redaktion sowie zwei neue Infografiker eingestellt. Ein Neuzugang beispielsweise ist Markus Diem Meier, der für das digitale Angebot verantwortlich zeichnet. Diem Meier war früher Wirtschaftschef des Newsnet und ist bei der "FuW" gleichzeitig auch als stellvertretender Chefredaktor tätig (persoenlich.com berichtete). Das "Look and Feel" der Printausgabe wurde nicht angetastet. Die Zeitung wirkt aber etwas aufgeräumter und kommt weniger als Bleiwüste daher, als vorher. So fehlt in Zukunft der Leitartikel auf der Frontseite; er ist neu auf Seite drei platziert. Zudem legt man bei der "FuW" neu grossen Wert auf Elemente wie Infografiken und Bilder.

Redaktoren arbeiten für Print und Online
Das komplett neue Online-Angebot startet voraussichtlich Ende Februar. "Wir werden in Zukunft mit einer integrierten Redaktion arbeiten", erklärt Chefredaktor Mark Dittli (vgl. Bild unten). Auch hier dürfte die Redaktion gefordert sein, denn der Online-Teil wurde bei der "FuW bisher stiefmütterlich behandelt. "Ab Februar arbeitet bei uns aber jeder auch digital", betont Martin Coninx. Die Notwendigkeit einer Redaktion, die gleichzeitig für Print und das digitale Angebot arbeitet, würden aber alle im Team sehen. Der Veränderungsprozess von der Steinzeit ins digitale Zeitalter sei jetzt im Gang. Laut Dittli sollte ein Wirtschaftsjournalist heute mit den verschiedenen Distributionskanälen umgehen können. Zudem wolle man nicht zwei Qualitätsniveaus von einer Print- und einer komplett separaten Digital-Redaktion riskieren. "Deshalb war es von Anfang an klar, dass wir mit einer integrierten Redaktion arbeiten", so der Chefredaktor.
Digital-Angebot kostet 274 Franken
Das Angebot auf fuw.ch sowie die zugehörigen mobilen Applikationen werden kostenpflichtig sein. Für ein digitales Abo wird man 274 Franken pro Jahr bezahlen. Das Print-Abo kostet 332 Franken im Jahr. "Wir versprechen, dass wir auf beiden Kanälen das gleich hohe Qualitätsniveau anbieten werden", so Mark Dittli, der seit Beginn dieses Jahres als Chefredaktor amtet aber schon seit dem Jahr 2000 für die "FuW" schreibt. Am Anfang erhalten die Abonnenten der Printausgabe auch gleich noch den Zugriff auf das Digitalangebot der "FuW". Dieses wird auf allen Endgeräten wie PCs, Tablets und Smartphones abrufbar sein.
Dank der Online-Offensive wird die "FuW" in Zukunft laut eigenen Angaben aktueller sein. "Die relevanten Themen werden wir tagesaktuell abdecken können", so Dittli. Bisher musste die Redaktion mit Inhalten jeweils auf den Erscheinungstermin am Mittwoch bzw. Samstag warten. "Ab Ende Februar halten wir unsere Leser mit dem digitalen Angebot täglich auf dem Laufenden", fügt Martin Coninx hinzu. Trotzdem wird es auf der Plattform der "FuW" auch gratis Content geben. Laut der Zeitungsleitung wird etwa 25 Prozent der Inhalte gratis abrufbar sein. Dazu gehört unter anderem der "Morgenreport". Auch werden zwei Blogs und ein umfassendes Angebot an Börsendaten verfügbar sein.
Spezialisierte Finanz- und Wirtschaftsmedien arbeiten im angelsächsischen Raum schon länger recht erfolgreich mit kostenpflichtigen Online-Inhalten. Auch wenn der Geschäftsführer der Anlegerzeitung nicht sofort grosse Zuwachsraten erwartet, ist Coninx vom Erfolg des "FuW"-Online-Angebots überzeugt: "Es gibt einen Kreis von potenziellen Lesern, welche ihre Inhalte nicht mehr länger auf Papier konsumieren möchten." Wie er weiter sagt, will die "FuW" mit dem kostenpflichtigen digitalen Angebot die Print-Abos, die strukturell verloren gehen, längerfristig digital ausgleichen.
Text: Mark Baer

