14.12.2011

"BaZ"

Geht wieder an Tito Tettamanti

Die Familie Blocher stösst ihre Anteile ab.
"BaZ": Geht wieder an Tito Tettamanti

Am Mittwoch hat Tito Tettamanti kurzfristig eine Medienkonferenz einberufen. Dabei wurde bekannt, dass Rahel Blocher ihre Anteile an der "Basler Zeitung" an die neu gegründete "MedienVielfalt Holding" des Tessiner Financiers verkaufen wird. Diese wird damit 100 Prozent der "BaZ"-Aktien halten. Tettamanti kauft sich damit nach einem Jahr die "BaZ" wieder zurück. Filippo Leutenegger wird neuer "BaZ"-Präsident. Markus Somm bleibt Chefredaktor und Roland Steffen ist weiterhin CEO.

Die Familie Blocher stösst die Anteile an der "Basler Zeitung" (BaZ) wieder ab. Rahel Blocher wird sämtliche Aktien an eine Gruppe rund um den Tessiner Tito Tettamanti zurückverkaufen. Dazu - und für die Unterstützung anderer Projekte zur Förderung der Medienqualität - gründet Tettamanti zusammen mit 17 weiteren Akteuren die "MedienVielfalt Holding" (MVH).

Die MVH mit Sitz in Zug hat 40 Millionen Franken Aktienkapital. Davon hält Tettamanti 18,8 Prozent, aber 53,6 Prozent der Stimmrechte. Die anderen Aktionäre halten höchstens je 12,5 Prozent an der MVH; genannt werden unter anderen die Frau des Ex-UBS-Chefs Adriana Ospel-Bodmer, Giangiorgio Spiess, FDP-Nationalrat Leutenegger und die Tessiner alt FDP-Regierungsrätin Marina Masoni. Letztere beide sitzen auch im MVH-Verwaltungsrat.

MVH hält 100 Prozent der BaZ-Aktien

Die neu gegründete Holding übernimmt Moritz Suters, respektive Rahel Blochers Anteile an der "BaZ". Damit übernimmt die MVH künftig 100 Prozent der "BaZ"-Aktien. "BaZ"-Verwaltungsratspräsident wird FDP-Nationalrat Leutenegger; er soll das Unternehmen sanieren und auf gesunde Beine stellen. Ausserdem im "BaZ"-Verwaltungsrat sitzen Peter Wyss, der Baselbieter alt FDP-Nationalrat Hans Rudolf Gysin, SVP-Gemeinderat Karl Schweizer und der Immobilienunternehmer Urs Gribi.

"Ich bin zurück, und dieses Mal mit Leidenschaft": So kündigte Financier Tito Tettamanti am Mittwoch vor den Medien in Zürich sein Comeback an. Er besass die "BaZ" bereits vor zwei Jahren für mehrere Monate, bevor er und Medienanwalt Martin Wagner die Zeitung an den Crossair-Gründer Moritz Suter verkauften.

Mit der neuen Zeitung "TagesWoche" habe die "BaZ" in Basel ihre Monopolstellung verloren. Das sei eine Erleichterung, sagte Tettamanti. "Es erlaubt keine fanatische Zeitung, aber es erlaubt, profilierter zu sein." Die "BaZ" behalte ihren rechts-bürgerlichen Kurs klar bei, ergänzte der Tessiner. Deshalb bleibt die operative Chefetage der "BaZ": CEO Roland Steffen behält sein Amt genau so wie Chefredaktor und Blocher-Biograph Markus Somm.

Keine Geheimniskrämerei mehr

Es sei ein Fehler gewesen, in der Vergangenheit ein Geheimnis um das Beratungsmandat von Christoph Blochers Unternehmen Robinvest zu machen, sagte Tettamanti weiter. Nun endet das Engagement der Familie Blocher bei der "BaZ". Christoph Blocher leistet aber eine Defizitgarantie. Diese sei finanziell unlimitiert, sagte Tettamanti. Blocher stehe ein für mögliche Verluste, die durch Restrukturierungen bei den Druckereien entstünden. Als Gegenleistung gab Tettamanti dem alt Bundesrat das Versprechen, die Aktien von Blochers Tochter Rahel zurückzukaufen.

Restrukturierungen geplant

Tettamanti verlangte von Blocher vor dem Rückkauf, dass ein Sanierer zur Verfügung stehe. Diese Aufgabe übernimmt der Zürcher FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich zu so einem Handkuss komme", sagte Leutenegger. Die Sanierung sei eine schwierige, aber keine unmögliche Aufgabe. Leutenegger liess offen, ob und - falls ja - wie viel Personal über die Klinge springen muss. "Ich muss zuerst eine Gesamtanalyse der Gruppe machen, bevor wir die Prioritäten festlegen." Er rechne damit, dass seine Aufgabe in drei bis vier Jahren erfüllt und sein Engagement dann beendet sei.

Leutenegger amtet zudem als Präsident und Verwaltungsratsdelegierter der "BaZ". Die Zeitung geht in der MedienVielfalt Holding (MVH) auf. Diese wird offiziell am Donnerstag in Zug gegründet und startet mit 40 Millionen Franken Aktienkapital. Davon hält Tito Tettamanti mit 18,8 Prozent (entspricht 53,6 Prozent der Stimmrechte) die Mehrheit. Die anderen Aktionäre halten höchstens je 12,5 Prozent an der MVH. Dazu zählen unter anderem die Frau des Ex-UBS-Chefs Adriana Ospel-Bodmer sowie die Tessiner alt Regierungsrätin Marina Masoni (FDP) und der Berner Privatbankier Georges Bindschedler.

Weitere Kooperationen denkbar

Die MVH solle zur Medienvielfalt in der Schweiz beitragen, sagte Tettamanti. "Harmonie entsteht dadurch, dass verschiedene Orchester verschieden musizieren." Die Gruppe ist neben der "BaZ" auch an der Multimedia-Plattform les observateurs.ch beteiligt, die ein Genfer Journalistik-Professor gründete. Welche weiteren Beteiligungen an Verlagshäusern und Zeitungen geplant sind, verriet Tettamanti nicht. "Das ist Geschäftsgeheimnis." Eine Kooperation mit der ebenfalls rechts-bürgerlichen Wochenpublikation "Die Weltwoche" schloss Tettamanti aber aus.

Neue Besitzer sind die alten

Die 1976 aus der Fusion der linksliberalen "National-Zeitung" und der bürgerlichen "Basler Nachrichten" entstandene "Basler Zeitung" ist bis heute die wichtigste Zeitung der Nordwestschweiz. Die Verlegerfamilie Hagemann, der das Blatt seit Beginn mehrheitlich gehörte, verkaufte die "BaZ" im Februar 2010 mitsamt hohen Schulden. Als Käufer traten Tettamanti und der Baselbieter Anwalt Martin Wagner auf. Als die beiden ein halbes Jahr später Somm als Chefredaktor einsetzten, wurden Proteste immer lauter; die Redaktion murrte, Abonnenten liefen in Scharen davon. Im November 2010 verkaufte Tettamanti die "BaZ" offiziell an Suter.

Dieser hatte diesen Montag alle Aktien der BaZ Holding AG an Rahel Blocher abgetreten. Seine Unabhängigkeit als Verwaltungsratspräsident sei zunehmend in Frage gestellt worden, begründete Suter den Schritt. (sda/eh)


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