25.01.2011

"Geschäftsreisen machen wir mit dem ÖV."

Der Begriff "Nachhaltigkeit" boomt. Magazine greifen diesen Trend auf und es gibt inzwischen auch nachhaltige Investment-Fonds. Auf diesen Erfolg versprechenden Zug wollen nun auch Johannes Hummel und Andy Waldis aufspringen. Mit ihrem kleinen digitalen Verlag Carpe Media starten sie heute Mittwoch www.nachhaltigleben.ch. Noch vor dem Start wollte "persoenlich.com" von Andy Waldis wissen, ob seine Plattform tatsächlich so nachhaltig ist, wie es der Name verspricht. Zum Interview:
"Geschäftsreisen machen wir mit dem ÖV."

Herr Waldis, an wen richtet sich das Portal?

Der Schutz der Umwelt ist eines der wichtigsten Anliegen der Schweizer Bevölkerung. Nachhaltigleben.ch richtet sich an Menschen, die bewusst durchs Leben gehen und einen Lebensstil im Einklang mit den Grundsätzen der Nachhaltigkeit anstreben. Diese Personen wissen, dass sie mit ihrer täglichen Konsumentscheidung einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Erhaltung unserer schönen Schweiz leisten können. Eine Zielgruppe die täglich grösser wird! Bereits heute denken viele Menschen beim Kauf an Nachhaltigkeit. Alleine im Bio-Segment wurde letztes Jahr in der Schweiz über 1,5 Mrd CHF umgesetzt. Trotz Krise sind die Wachstumsraten ungebrochen hoch. Aber die Palette an Angeboten geht heute längst über Bio-Lebensmittel hinaus: Nachhaltig produzierte Textilien, neue Formen der Mobilität, die neue Heizung oder Dämmung des Eigenheims oder das Boom-Thema nachhaltige Finanzanlagen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wie sind Sie darauf gekommen eine solche Plattform zu launchen?

Nachhaltigleben ist auf der Basis zahlreicher Gespräche und Workshops mit vielen Akteuren, Verbänden und Unternehmen entstanden. Hier zeigte sich immer wieder: Auch wenn der Wille zur Nachhaltigkeit bei vielen Menschen vorhanden ist, der zentrale Hemmschuh für nachhaltiges Verhalten sind die fehlenden Informationen. Viele Themen sind komplex, die Unsicherheit ist gross. Entsprechend wird oft lieber nicht, als falsch gehandelt. Hier setzt nachhaltigleben.ch an. Wir wollen die zentrale Anlaufstelle werden, wo man eine Übersicht erhält, Orientierung bekommt und sich mit Gleichgesinnten austauschen kann. Aber Nachhaltigkeit ist nicht nur kühl und rational. Es braucht immer Herz und Verstand. Entsprechend unserem Logo mit dem recycelten Herz, wollen wir auch begeistern und motivieren. So gibt es auch reichlich Platz um Vorbilder zu porträtieren, spannende Initiativen vorzustellen oder kreative Ideen zu diskutieren. Kaum ein Gebiet zieht so viele spannende Köpfe und Ideen an.

Was für Themen werden auf nachhaltigleben.ch zu finden sein?

Alle Themen, bei denen es im Alltag jedes Einzelnen Potenzial gibt, sich zukunftsorientiert zu verhalten. Und davon gibt's sehr viele. Die Themenbreite reicht von Essen und Trinken über Haushalt und Wohnen sowie Mobilität, Finanzen bis zu Bauen, Energie und Klima oder Recycling. Natürlich leuchten wir auch Hintergründe aus - von Wissen und Forschung über Politik bis Gesellschaft, aber immer mit dem Fokus auf die Informationsbedürfnisse einzelner Konsumenten. Auch werden wir Organisationen, Menschen und Projekte mit Vorbild- und Innovationscharakter porträtieren. Als Plattform, die redaktionelle Informationen mit Service-Angeboten und Community-Elementen vereint, wird man auf nachhaltigleben.ch aber auch Tools finden. Etwa eine geografische Suche nach nachhaltigen Points of Interest, wie zum Beispiel Solarberater, Hofläden, nachhaltig geführte Hotels und Restaurants, Mobility-Standorte, Naturschutzgebiete usw.

Welches sind die Ziele von nachhaltigleben.ch?

Wir wollen die Schweizerinnen und Schweizer umfassend über das Thema Nachhaltigkeit informieren, positiv sensibilisieren und schliesslich auch zu einem nachhaltigen Lebensstil motivieren. Das machen wir mittels gut aufbereiteten Informationen, Orientierungshilfen wie z.B. die Geosuche zum nächsten Bio-Bauernhof, konkreten Tipps für Alltag und Konsum sowie Aufzeigen von Vorbildern. Mit dem Ziel, zukunftsorientiertes Denken und Handeln sowie den verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen zu fördern.

Welche Medien müssen sich wegen nachhaltigleben.ch warm anziehen?

Es gibt im Online-Bereich noch keine vergleichbare Plattform. Viele Webseiten konzentrieren sich auf ein bestimmtes Thema, entweder nur Konsum oder nur Energie usw. Seit einiger Zeit gibt es unterschiedlich positionierte Printtitel. Doch die sind meist weniger auf Nutzwert fokussiert. Beide Stärken, über die wir familienleben.ch profilieren - Themenvielfalt und hoher Nutzwert mit konkreten Tipps und Hilfsmitteln wie die Geosuche - wollen wir auch bei nachhaltigleben.ch spielen.

Gibt es Partnerschaften beim Start?

Ja, wie bei familienleben.ch mit den Familienverbänden sind auch bei nachhaltigleben.ch die relevanten Institutionen und Verbände dabei, wie z.B. Swisssolar, Praktischer Umweltschutz (Pusch), Minergie, Forum nachhaltige Geldanlagen und nachhaltigkeit.org. Andere prominente Verbände haben uns bereits Inhalte zugetragen, warten aber noch mit dem Labelling, bis sie sehen, wie sich die Plattform entwickelt. Auf der Medienseite konnten wir bluewin.ch als grösstes Schweizer Portal gewinnen.

Johannes Hummel und Andy Waldis vom digitalen Verlag Carpe Media

Ist Ihr Portal vor allem werbefinanziert?

Ja, dazu gehören Standard-Werbeformen sowie Kooperationen mit Partnern die in bestimmten ausgewählten Bereichen auch Themenkompetenz mit einbringen.

Was ist das Nachhaltige an Ihrer Plattform? Sind Sie beispielsweise selbst CO2-neutral?

Ein guter Punkt. Seit wir an dieser Plattform arbeiten, sind wir selbst nochmals sensibler geworden. Digitale Medien sind ja per se sehr viel weniger umweltbelastend als Printmedien. Unser Provider verwendet zudem in seinen Rechenzentren ausschliesslich Strom aus regenerativen Quellen und hat sich bereits vor längerer Zeit verpflichtet, nur energieeffiziente Hardware zu verwenden. Unsere persönliche grösste CO2-Ersparnis liegt sicher darin, dass wir praktisch ausnahmslos alle Roadshows bei Verbänden, Agenturen und Kunden und sonstigen Geschäftsreisen mit dem ÖV machen - in der Verlagsbranche ziemlich ungewöhnlich. Dies ermöglicht unser Standort direkt am Bahnhof Stadelhofen. Ein Nachteil ist ehrlich gesagt, dass unsere Altbau-Büroräume nicht ganz energieoptimiert sind. Und natürlich versuchen wir, mit unseren Plattformen nachhaltig neue Stellen zu schaffen im Bereich Journalismus und Marketing.

Interview: Mark Baer


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