Im Organigramm von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) figurieren die Chefredaktionen für Video und Audio/Digital heute als zwei getrennte Einheiten. Die Trennung stammt aus einer Zeit, als Radio und Fernsehen wenig miteinander zu tun hatten und als getrennte Unternehmen jeweils ihre eigenen Sendungen produzierten. Mit der Digitalisierung haben sich die Bereiche immer stärker angenähert.
Ein erster grosser Schritt der Annäherung fand bereits 2011 statt, als die vormals getrennten Organisationen im Zuge der sogenannten Konvergenz in einem Unternehmen zusammengeführt wurden. Schweizer Fernsehen SF und Schweizer Radio DRS mit jeweils separaten Direktionen verschmolzen damals zu Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) unter einer einzigen Direktion. Weiterhin getrennt blieben innerhalb des neuen Unternehmens allerdings die beiden Chefredaktionen für Radio und für Fernsehen: Radio in Bern und Fernsehen in Zürich. Selbst als SRF bei der Radioinformation sparte und grosse Teile aus dem Studio Bern nach Zürich verlegte, blieben die Chefredaktionen getrennt.
«Trennung ist nicht mehr zeitgemäss»
Nun folgt der nächste, quasi finale Schritt: Die Geschäftsleitung von SRF hat beschlossen, die bestehende Trennung aufzuheben und eine gemeinsame, multimediale Chefredaktion zu schaffen. SRF-Direktorin Nathalie Wappler begründet den Schritt in einer Medienmitteilung folgendermassen: «Die Trennung der Chefredaktionen ist nicht mehr zeitgemäss und im Tagesgeschäft zunehmend hinderlich.» Im digitalen Zeitalter müssten Geschichten konsequent multimedial gedacht werden, so Wappler weiter. In zwei getrennten Organisationen sei das nur mit Zusatzaufwand möglich. «Mit einer gemeinsamen Chefredaktion werden wir noch mehr journalistische Kompetenz entfalten können – ohne dass die Vielfalt und die Qualität im Angebot leiden», hält die SRF-Direktorin fest. Die konkrete Umsetzung der Zusammenlegung wird ab 2025 angepackt. Ab 2026 will SRF mit der neuen Organisation loslegen.
Der geplante Schritt ist auch Ausdruck dafür, dass SRF seine News App zunehmend als Hauptnachrichtenkanal positioniert. Da eine App per se multimedial funktioniert, soll nun die Organisation der Redaktionen entsprechend angepasst werden. Die konkrete Umsetzung der Zusammenlegung wird ab 2025 angepackt. Ab 2026 will SRF mit der neuen Organisation loslegen.
«Binnenvielfalt und interne Konkurrenz gehen verloren»
Beim Personal kommen die Pläne nicht gut an. Die Gewerkschaft SSM, die einen grossen Teil der SRF-Angestellten vertritt, warnt vor den Folgen einer gemeinsamen Chefredaktion. «Wenn publizistische Entscheide an einem Ort konzentriert werden, gehen die Binnenvielfalt und hausinterne Konkurrenz zwischen den Chefredaktionen und Standorten verloren», teilt das SSM in einer Stellungnahme mit.
Vor fünf Jahren hatte SRF-Direktorin Nathalie Wappler eine Zusammenlegung der Chefredaktionen noch kategorisch ausgeschlossen. Unter ihr als Direktorin werde es «immer zwei getrennte Chefredaktionen für Radio und Fernsehen geben. Darüber müssen wir nicht reden», sagte sie dem Magazin Link. Heisst das nun, dass sie bis 2026 als Direktorin zurücktreten wird? Auf Anfrage von persoenlich.com lässt die Medienstelle ausrichten, dass dies nicht der Fall sei.
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23.09.2024 20:51 Uhr

