31.01.2013

"Tages-Anzeiger"

Gibt sich selbstkritisch im "Kristallnacht"-Skandal

Zeitung gesteht Fehler ein.
"Tages-Anzeiger": Gibt sich selbstkritisch im "Kristallnacht"-Skandal

Ein Tweet hat sein ganzes Leben verändert. Im vergangenen Juni hatte Alexander Müller über Twitter verbreitet, dass wir vielleicht wieder eine Kristallnacht bräuchten - diesmal für Moscheen. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete am 24. Juni des vergangenen Jahres als erstes Medium darüber. Seither hat Müller seinen Job, Parteizugehörigkeit, politische Ämter und einen Teil seines sozialen Umfeldes verloren. 

Am heutigen Donnerstag nimmt der "Tages-Anzeiger" die Geschichte wieder auf. Auf einer Doppelseite ist ein Gespräch zwischen Chefredaktor Res Strehle und Alexander Müller zu lesen. Viel Platz für den ehemaligen Zürcher SVP-Lokalpolitiker, um Fragen zum Hintergrund des Tweets, zu seinem anschliessenden Verhalten und zu seinem psychischen Befinden zu beantworten. In einer Box äussert sich die Zeitung zudem sehr selbstkritisch.

"ging zu weit", "unzutreffend", "ungerechtfertigt"

"Der TA-Beitrag interpretierte Müllers Tweet als Forderung nach einer neuen Kristallnacht. Diese Interpretation ging zu weit", heisst es da unter anderem. Und weiter: "Am Abend des 24. Juni teilte Alexander Müller Tagesanzeiger.ch/Newsnet via E-Mail mit, dass der Artikel manipulativ sei, er habe keine Kristallnacht gefordert. Man habe seinen Tweet aus dem Zusammenhang gerissen. Newsnet schrieb daraufhin, Müller hätte abgestritten, der Verfasser des Tweets zu sein. "Das war unzutreffend", gesteht die Zeitung an dieser Stelle.

Später räumt der "Tages-Anzeiger" ein, dass Müller vorgängig zur Berichterstattung korrekt hätte angehört werden müssen. Insbesondere hätte die Redaktion abwarten müssen, bis sich Müller mit einer Stellungnahme meldete, bevor der Artikel publiziert wurde. (cb)


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