14.06.2016

The Sun

Grosse Brexit-Kampagne in «The Sun»

Mit «Beleave in Britain» gibt die Boulevardzeitung als erste grosse englische Zeitung eine Wahlempfehlung.
The Sun: Grosse Brexit-Kampagne in «The Sun»

Mit einer Kampagne für den Austritt Grossbritanniens aus der EU hat die britische Boulevardzeitung «The Sun» dem Brexit-Lager starken Auftrieb gegeben. «Wir müssen uns selbst vom diktatorischen Brüssel befreien», schrieb die meistgelesene britische Tageszeitung am Dienstag auf der Titelseite und zuvor auf ihrer Internetseite. Jüngsten Umfragen zufolge lag das Lager der Befürworter eines EU-Austritts Grossbritanniens anderthalb Wochen vor dem Referendum vorn.«Wir werden die wichtigste politische Entscheidung unseres Lebens treffen», schrieb die «Sun» an ihre 4,5 Millionen Leser. Sie fordere jeden Wähler dazu auf, beim EU-Referendum am 23. Juni mit «Leave» (verlassen) zu stimmen. Ihre Kampagne nannte die Zeitung «BeLEAVE in Britain», eine Wortneuschöpfung, die den Glauben der Briten an ihr Land ohne die EU stärken soll.

Dass die europaskeptische konservative Boulevardzeitung zum Brexit aufruft, ist angesichts der jüngsten Berichterstattung keine Überraschung. Die «Sun» war es auch, die für eine Titelgeschichte Anfang März mit der Schlagzeile «Queen unterstützt Brexit» gerügt worden war. Darin berichtete die Tageszeitung unter Berufung auf anonyme Quellen über zwei EU-kritische Bemerkungen der Königin. Gleichwohl ist die «Sun», die zum Medienimperium von Rupert Murdoch gehört, nun die erste grosse nationale Zeitung, die öffentlich eine Wahlempfehlung abgibt. Damit erhöht sie massiv den Druck auf Premierminister David Cameron und sein Pro-EU-Lager.

Die Zeitungen «Times» und «Guardian» zitierten am Dienstag Vertreter aus dem Umfeld des Pro-EU-Lagers, dass sich dort eine gewisse «Panik» breit mache.

Brüssel «gierig und schikanierend»

Die «Sun» ging mit der EU hart ins Gericht. Brüssel sei «gierig, verschwenderisch und schikanierend», schrieb sie. Das Referendum am Donnerstag kommender Woche biete nun die Chance, «Grossbritannien noch grösser zu machen, unsere Demokratie zurückzuerobern und unsere Werte und Kultur zu wahren, auf die wir zu Recht stolz sind». Den Verfechtern des EU-Verbleibs warf die Zeitung vor, die Briten mit Horrorszenarien über ein Leben ausserhalb der EU schockieren zu wollen. Zentrales Argument des Pro-EU-Lagers ist es, dass ein Austritt die Wirtschaft Grossbritanniens schwer treffen würde. Dieses Argument griffen am Dienstag erneut Labour-Chef Jeremy Corbyn sowie eine Reihe von Abgeordneten und Gewerkschaftern auf. In einem offenen Brief warnten sie vor dem Verlust von 525'000 Jobs im öffentlichen Dienst, sollte der Brexit eine Rezession nach sich ziehen.

Brexit-Befürworter in Führung

Seit langem liegen die Gegner und Befürworter eines EU-Austritts von Grossbritannien in den Umfragen gleichauf. Eine Zusammenstellung des Forschungsprojekts WhatUKThinks, das die jüngsten sechs Umfragen berücksichtigte, sah das Brexit-Lager nun mit 51 Prozent vor den EU- Befürwortern mit 49 Prozent. Andere Umfragen sehen den Abstand noch grösser. Nicht berücksichtigt wurden dabei aber die noch unentschlossenen Wähler, die eine entscheidende Rolle spielen könnten. Die Furcht vor einem EU-Austritt des Königreichs hatte die Börsenkurse am Montag weltweit erneut ins Rutschen gebracht. Die Anleger reagierten dabei auf die jüngsten Umfragen, in denen die Brexit-Befürworter die Nase klar vorn hatten. (sda)

Bild: AFP


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