Seit Wochen herrscht ein Kleinkrieg um die TV-Quoten, die mit der neuen Messtechnik von Mediapulse erhoben werden. Leidtragende des Zahlen-Chaos sind nicht nur Werbeagenturen, deren Kunden und Vermarkter, sondern, wie Alexander Duphorn, CEO von Goldbach Media, gegenüber "20 Minuten" sagt, auch die TV-Sender. Diese hätten ihren Kunden "über Leistungsgarantien eine entsprechende Reichweite versprochen", die sie nun nicht halten könnten.
Das finanzielle Risiko für den Streuverlust tragen die TV-Sender - insbesondere jene, welche gemäss der Erhebungen von Mediapulse teilweise massiv schlechter abschneiden als erwartet. Bei den Verlustbeträgen handelt es sich um solche in Millionenhöhe. "Wenn die Werbekunden für ihr Geld zu wenige Werbeminuten erhalten haben, werden sie von den Sendern zusätzliche Werbezeit gutgeschrieben bekommen", zitiert das Gratisblatt "20 Minuten" Duphorn weiter. Im Gegenteil dazu werde Goldbach als Vermarkterin den Kunden keine Fehlbeträge berechnen, wenn diese zu wenig bezahlt hätten. Für die TV- Sender stellt die Situation jedoch auch aus gesetzlicher Sicht ein Problem dar, denn gemäss geltendem Gesetz dürfen TV-Kanäle nur eine bestimmte Menge an Werbespots schalten.
Fernseh-Zuschauer müssten jedoch nicht befürchten in Zukunft mit mehr Werbung konfrontiert zu werden, denn die Zunahme an Spots sei kaum bemerkbar. "Allenfalls würden Randzeiten etwas stärker ausgelastet.", weiss die Pendlerzeitung zu berichten.
Der Privatsender 3+ zeigt bereits eine Reaktion auf die aktuelle Situation. Dominik Kaiser, Chef des Fernsehsenders, teilte mit, aktiv bereits mehr Werbespots einzubuchen, damit sich keine zu hohen Guthaben aufsummieren. Kaiser behart weiterhin darauf, dass die "falschen Zuschauerzahlen" zu korrigieren sind.
Regionalsender verfolgen von Vornerein eine andere Strategie und "arbeiten mit fixen Tarifen", so dass Gratiswerbezeit bei ihnen ausgeschlossen sei.
Auch Mediapulse meldet sich zu Wort und betont für die Leistungsgarantien der Vermarkter nicht verantwortlich zu sein. Man arbeite vielmehr an die Verfeinerung der Messmethode im laufenden Prozess, "allerdings sei nicht zu erwarten, dass sich die Zahlen gross änderten."
Positiv merkt Duphorn an, dass die Klientel aufgrund der Quoten-Misere nicht weniger Werbeplätze buche. Im Gegenteil: Es kann von einer leichten Erhöhung der TV-Werbeausgaben gesprochen werden. (20min/lf)

