Dem tief in den roten Zahlen steckenden Pay-TV-Sender Premiere setzen "Schwarzseher" gehörig zu. Das hat jetzt auch für Technologiepartner Kudelski Folgen: Premiere denkt über eine Auflösung der Partnerschaft mit den Waadtländern nach. In den nächsten vier Wochen werde entschieden, gab der Sender am Donnerstag in München bekannt. Premiere denkt ernsthaft über einen Wechsel zu NDS nach. Der US-Konkurrent von Kudelski gehört zum neuen Premiere-Aktionär Rupert Murdoch. Der Medien-Mogul hält seit kurzem knapp 15 Prozent an Premiere.
Kudelski verwies vergangene Woche in diesem Zusammenhang auf einen bis 2012 laufenden Vertrag. Dem entgegnete Premiere-Chef Michael Börnicke, dass der Vertrag mit Kudelski in bestimmten Fällen vorzeitig beendet werden könne. Auch wenn der Bezahlsender bei seinem angestammten Technologiepartner bleibt, muss Kudelski das Verschlüsselungssystem Nagravison auswechseln. Dazu muss erst ein neues System entwickelt werden. Mit dem Austausch der so genannten Smart-Cards kann deshalb nicht vor April begonnen werden. Bis spätestens September soll der Tausch abgeschlossen sein.
Zudem will Premiere mit Kudelski über Schadenersatzansprüche verhandeln. Juristische Schritte sind aber nach früheren Angaben von Premiere nicht geplant. Die Kudelski-Aktie war wegen Spekulationen über einen Wechsel von Premiere zu NDS stark unter Druck geraten. Am Donnerstag reagierte der Titel aber nicht auf die Nachricht. Die "Schwarzseher" vermiesten Premiere das lukrative Weihnachtsgeschäft. Laut Börnicke sind mehr als 400 000 Decoder chinesischer Herkunft in Umlauf gebracht worden, die zum Schwarzsehen verwendet werden können. "Sonst hätten wir bestimmt 50 000 neue Abonnenten mehr gehabt", sagte Börnicke.
Im vergangenen Jahr ist es Premiere zwar gelungen, den Nettoverlust deutlich zu verringern. Mit einem Minus von 51,6 Mio. Euro blieb der Konzern aber weiter tief in den roten Zahlen. Der Umsatz sank 2007 um knapp 7 Prozent auf 984,5 Mio. Euro. Ursprünglich hatte Premiere mehr als eine Milliarde Euro angepeilt. Die Zahl der direkten Abonnenten legte zwar um gut 7 Prozent auf 3,65 Mio. Kunden zu, blieb aber ebenfalls hinter den Erwartungen zurück.(sda)

