20.02.2013

LikeMag

"Häsch das gseh? Häsch das gläse?“

Seit Ende Jahr ist "LikeMag" online, ab diesem Donnerstag kann man die erste gedruckte Ausgabe des ersten Social-Media-Magazins der Schweiz durchblättern. persoenlich.com hat sich pünktlich zur Lancierung mit Chefredaktor Michael Rechsteiner, ehemaliger "Rockstar"-Chefredaktor, über den Dschungel aus depperten Spassbildchen sowie "nutzlose Informationen", die man trotzdem gerne in seinen Wissenschatz integriert, unterhalten.
LikeMag: "Häsch das gseh? Häsch das gläse?“

Herr Rechsteiner, am 21. Februar erscheint die erste gedruckte Ausgabe von "LikeMag“. Sind Sie zufrieden mit dem Premierenwerk?
Wir haben die Ausgabe gerade eben reinbekommen und ich höre das erste Gekicher hinter den frisch gedruckten Seiten. Das finde ich schon mal einen schönen Auftakt.

Das Jahresabo für 10 Ausgaben kostet 49.- Franken. Was erhält man genau für sein Geld?
Jährlich zehn LikeMag-Ausgaben von einem freundlichen Briefträger nach Hause geliefert. Aber jetzt mal so ganz unter uns gesagt, ich würde mir das Magazin gratis aushändigen lassen. Und zwar an einem der Verteilungsorte, zu denen Universitäten, Hochschulen und der Zürcher Hauptbahnhof gehören.

Wer sind die Autoren? Erhalten diese ein Entgelt?
Online mitschreiben darf jeder, der sich über seinen Facebook-Account oder eine E-Mail-Adresse auf www.likemag.com einloggt. Empfinden wir den Beitrag für interessant, unterhaltsam und informativ, dann drucken wir diesen in der Printausgabe. Dafür stehen dem Autor dann CHF 50.— zu. Das reicht zwar nicht, um die Miete zu bezahlen. Aber gemessen an der durchschnittlichen Artikellänge im LikeMag ist es auch keine moderne Form der Sklavenhaltung. Für die erste Ausgabe hat sich schon mal eine Gruppe von etwa 30 Usern eingefunden, die mehrmals wöchentlich kleine Storys veröffentlicht.  

Nach was für Kriterien haben Sie die Beiträge für die gedruckte Ausgabe ausgewählt?
Ist der Beitrag unterhaltsam geschrieben, ist das Thema oder Bildmaterial originell? Interessiert man sich dafür auch in zwei, drei Wochen noch und wurde es nicht schon sonst überall durchgereicht? Bringt es den geneigten Leser zum Schmunzeln, gehört es vielleicht zu jenen "nutzlosen Informationen“, die man trotzdem gerne in seinen Wissensschatz aufnimmt? Beinhaltet die Story einen Tipp zu Film, Musik, Mode, Gastronomie oder einem anderen Gebiet, das den Leser interessieren könnte? Animiert es vielleicht zu eigener Recherche oder dem Mitmachen bei LikeMag? Je mehr dieser Fragen mit einem "Ja“ zu beantworten sind, desto besser.

Sie sind der Chefredaktor des Social-Media-Magazins. Wie drücken Sie dem Heft einen eigenen Stempel auf?
Unter dem LikeMag-Account lässt es sich die Redaktion nicht nehmen, ab und zu auch einen eigenen Beitrag zu posten oder solche der Autoren zu kommentieren. Wenn uns Userin Kerstin wissen lässt, was sie gerade für einen klugen Spruch aus ihrem Glückskeks gezogen hat, dann ist das wahrscheinlich noch keine sehr interessante Geschichte. Merkt LikeMag dann aber an, dass der Glückskeks übrigens ursprünglich eine japanische Erfindung ist und User Alex darauf plötzlich eine Diskussion über die besten Sushi-Take-Aways der Stadt Zürich anzettelt, entsteht aus einem anfänglich nichtssagenden Glückskekskommentar vielleicht eine interessante Informations- und Meinungskette, die so in keinem anderen Magazin möglich wäre.

Wen wollen Sie mit "LikeMag“ ansprechen?
Ein neugieriges, kreatives Publikum, welches das Magazin mit einem "Häsch das gseh? Häsch das gläse?“ im Freundeskreis herumreicht und sich mit eigenen Beiträgen auf www.likemag.com beteiligt. Wer LikeMag durchblättert, wird sehr schnell für sich feststellen, ob das sein neues Lieblingsmagazin ist oder der grösste Quatsch, für den je ein Baum gefällt wurde.

Inwiefern nehmen Sie auch Einfluss auf die Online-Inhalte von "LikeMag"? Gibt es zum Beispiel Beiträge, die nicht aufgeschalten bzw. wieder entfernt werden von der Redaktion?
Rechtswidrige Inhalte werden gelöscht. Ansonsten halten wir uns eine ziemlich hohe Toleranzgrenze. Aber man kann nie wissen, was einem als nächstes auf der Startseite erwartet. Schickt uns plötzlich jemand ein Foto von seiner letzten Doppeldildo-Party in der mit Karamellpudding gefüllten Badewanne, so würde ich mit den Herausgebern zumindest mal bei einer Tasse Kaffee besprechen, inwiefern das der Öffentlichkeit zumutbar ist. Bisher mussten wir aber noch keinen Beitrag löschen.

Was für Einträge haben Sie bis jetzt aus den Socken gehauen?
Es war schön zu lesen, dass scheinbar auch andere Menschen Samstagnachts vor dem Selecta-Automaten am Verzweifeln sind. Das Playmobil-Männchen am Morgen danach war auch ein amüsant bizarrer Anblick. Und die Sammlung mit den flauschigen Katzenbabys dürfte endlich mal etwas sein, für das sich auch meine Grossmutter beim nächsten Besuch interessieren wird.

Wie ist das Projekt eigentlich angelaufen? 
Ende letzten Oktober wurde ich angefragt, ob ich mal wieder Lust hätte, an einem Magazin mitzuarbeiten. Da hatte ich gerade vier Wochen lang im Zivildienst Rasen gemäht und war froh, mal wieder "irgendwas mit Medien“ zu machen. Am 24.12.2012 ging dann die Seite www.likemag.com online. Den Start haben wir zunächst an die kleine Weihnachtsglocke gehängt, um noch ein wenig an der Website zu feilen. Seither ist der Traffic aber stetig gewachsen. Mittlerweile sind es wöchentlich 30‘000 Besucher. Mit dem regelmässigen Erscheinen des Printmagazins wird diese Zahl jetzt weiter wachsen. Daneben sind wir auch dabei, mit anderen Medien zusammenzuspannen. Die genaue Form sind wir in diesen Tagen noch am aushecken.

Früher waren Sie Chefredaktor von "Rockstar“, heute moderieren Sie täglich auf piratenradio.ch. Was reizte Sie an "LikeMag“?
Bei piratenradio.ch musste ich leider aus Zeitgründen das Mikrofon vorerst in den Schrank verbannen. Momentan widme ich mich deshalb vollzeitig LikeMag und der Frage, wie wohl ein Magazin daherkommt, wenn man den Inhalt grösstenteils in die Hände eines sozialen Netzwerks legt. Es ist sozusagen eine offene Redaktionsstube, in der jeder innert Sekunden seine Themen auf den Tisch beziehungsweise ins Netz stellen kann. Daneben braucht es aber jemanden, der sich mit der Machete durch den Dschungel der depperten Spassbildchen und nichtssagenden Kommentare schlägt um dabei hoffentlich auf die eine oder andere Perle stösst, die sich polieren und einer breiten Leserschaft präsentieren lässt. Ausserdem hatte ich vor der Jobanfrage noch 40 Stutz auf dem Lohnkonto und kein einziges Weihnachtsgeschenk gekauft. 

Interview: Corinne Bauer


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen