09.12.2012

Suhrkamp

Hans Barlach will an die Macht

Er wirft Ulla Unseld Missmanagement und Untreue vor.

Der Medienunternehmer Hans Barlach will beim Suhrkamp Verlag an die Macht. "Ich habe grosse Lust, diesen Verlag zu führen", sagte der Minderheitsgesellschafter dem Magazin "Focus". "Ich kann es. Jedenfalls besser als die gegenwärtige Verlagsspitze." Barlach, der über die Medienholding Winterthur 39 Prozent am Verlag hält, versucht derzeit vor dem Landgericht Frankfurt die Auflösung der Gesellschaft zu erstreiten, um alle Anteile zu übernehmen. Eine Entscheidung will das Gericht am 13. Februar 2013 verkünden.

Bereits an diesem Montag wird eine Entscheidung des Landgerichts Berlin erwartet, wo ebenfalls Prozesse laufen. Barlach wirft der Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz, der Witwe des 2002 gestorbenen Firmenpatriarchen Siegfried Unseld, Missmanagement und Untreue vor. Über eine Familienstiftung hält sie 61 Prozent der Verlagsanteile. Die Verlegerin verkehrt seit Jahren nur noch vor Gericht mit Barlach. Im Kern geht es darum, dass dieser, Enkel des Bildhauers Ernst Barlach und früher Galerist, gegen alle Widerstände Mitsprache im Verlag beansprucht - und dafür notfalls die Verlagschefin entmachten will. Der Suhrkamp Verlag war Anfang 2010 nach Berlin gezogen. Er sieht sich durch die Querelen mit seinem Minderheitsgesellschafter Barlach nicht von Auflösung bedroht. "Wir glauben, dass der Auflösungsantrag von Herrn Barlach keinen Erfolg hat, weil ihm jede Substanz fehlt", so Suhrkamp-Rechtsanwalt Peter Raue.

Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der seine Bücher bis 2008 bei Suhrkamp veröffentlicht hat, hätte mit einem Ende des Verlags wenig Probleme, wie er der "Bild am Sonntag" sagte. "Ich glaube nicht, dass es ein grosser Verlust wäre, wenn dieser Verlag verschwinden würde", sagte er dem Blatt. (sda/dpa)


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