Herr Lebrument, Die SRG hat in der Sonntagspresse verlauten lassen, das Internet-Projekt werde gestoppt. Schenken Sie der Erklärung der SRG Glauben?
Es gibt zwei Erklärungen: Die eine stammt von SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Bernard Münch und besagt, das Projekt werde gestoppt. Die andere von der Mediensprecherin der Generaldirektion der SRG, Josepha Haas, sagt gegenteiliges. Wenn aus dem gleichen Haus der Verwaltungsratspräsident und die Kommunikationschefin unterschiedliche Auffassungen vertreten, ist dies für mich wenig glaubwürdig.
Haben Sie selbst mit der Generaldirektion der SRG über die Online-Aktivitäten gesprochen?
Ja, ich habe mit Armin Walpen noch vor der Medienkonferenz von Ingrid Deltenre über die Internet-Pläne gesprochen. Dabei habe ich ihm mitgeteilt, dass die SRG mit vehementem Widerstand von Seiten der Verlage rechnen muss, wenn die SRG ein gebührengestütztes Newsportal aufzieht. Es darf nicht sein, dass aus der SRG, der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft, eine SRIG, eine Schweizerische Radio-, Fernseh- und Internetgesellschaft wird. Walpen hat mir gegenüber die Online-Pläne stark relativiert. Nur wenige Tage später jedoch teilte die SRG an der Pressekonferenz mit, dass sie neun Personen für den Online-Aufbau anstelle. Es gibt kaum ein schweizerisches Verlagshaus, dass sich heute eine derartige Personalinvestition leisten könnte.
In der Presse war von einer Kooperation der SRG und der Verlage im Online-Bereich die Rede. Wie weit sind diese Pläne gediehen?
Ich möchte vorläufig nicht auf diese Idee zurückkommen, weil wir zuerst wissen müssen, wo die Trennlinien verlaufen. Bevor wir operative Überlegungen anstellen, müssen wir Klarheit haben, was nun überhaupt gilt. Es liegt am Parlament darüber zu entscheiden, ob man neben dem Radio und dem Fernsehen auch das Internet in die SRG integrieren und damit teils verstaatlichen will.
Wie gross sind die Chancen, dass die Verlage mit ihrem Anliegen im Parlament durchkommen?
Ich erhielt den Eindruck, dass die eidgenössischen Räte auf der einen Seite eine gut funktionierende SRG wollen, auf der anderen Seite aber auch eine starke Position der Schweizer Printmedien, die ihre Zukunft natürlich zu einem grossen Teil auch im Internet sehen.
Wie stark muss der Leistungsauftrag der SRG beschränkt werden?
Wir bitten die eidgenössischen Räte eine Bestimmung aufzunehmen, wonach sich die SRG auf das notwendige publizistische Radio- und Fernsehangebot beschränken soll. Wir sind nicht gegen sämtliche Online-Angebote der SRG. Gewisse programmunterstützende Zusatzdienste könnten im Rahmen der Konzession zugelassen werden. Uns geht es aber darum, dass nicht nur die SRG, sondern auch die Tochtergesellschaften diesbezüglich klar kontrolliert werden können.
Befürworten Sie, dass der Internet-Auftritt der SRG teilweise werbefinanziert sein würde?
Nein, keinesfalls. Wir erachten es als absolut wesentlichen Punkt, dass nicht direkt oder indirekt Sponsoring und Werbung betrieben wird. Allerdings betrachten wir es auch als kritisch, dass die Schaffung grosser Abteilungen im Onlinebereich gebührenfinanziert sein würde. Es werden ja nicht nur von aussen Mittel abgezogen. Vielmehr besteht die Gefahr, dass auch von innen her Druck entsteht wegen der Internetinvestitionen Gebühren zu erhöhen. Bereits ohne grosse Internetinvestitionen hat die SRG angekündigt, einen Antrag auf Gebührenerhöhung zu stellen. Wie sieht das erst aus, wenn auch ins Internet investiert werden muss. Dies würde uns wiederum treffen, da ein grösserer Teil der Ausgaben der Bevölkerung für Medien auf die SRG entfiele, statt auf die Abonnements der Zeitungen.
Wird der Verband Schweizer Presse mit der SRG weiterhin zusammenarbeiten?
Wir sind stets in Kontakt mit der SRG, egal ob der Himmel blau oder dunkel und wolkenverhangen ist. In vielen Bereichen arbeiten wir gut miteinander zusammen, so etwa in der Ausbildung oder auch bei den Nachrichtenagenturen. Doch nur weil die Online-Aktivitäten einen Streitpunkt bilden, werden wir die regelmässigen Gespräche ganz bestimmt nicht aufgeben. Es wäre wohl das Dümmste, was wir in der gegenwärtigen Situation tun könnten.

