Ihr Feldversuch zu IP-basiertem Fernsehen ging in diesen Tagen zu Ende. Ist Bluewin nun bereit, in den neuen Markt vorzustossen?
Die Tests sind sehr positiv verlaufen. Das digitale TV über ADSL hat gut funktioniert und es gab keine Überraschungen. Wir konnten den Versuch also erfolgreich abschliessen.
Weshalb hat Bluewin die Einführung des IP-basierten Fernsehens in die zweite Jahreshälfte verschoben?
Der Ausdruck verschoben ist nicht korrekt. Wir haben im November einen Ausblick gegeben, dass wir im Sommer 2005 starten würden. Weshalb in gewissen Berichterstattungen vom 1. Juni die Rede ist, wissen wir nicht. Wir selber hatten dies nie so kommuniziert.
Der Ausdruck in der zweiten Jahreshälfte ist reichlich vage: Wie sicher ist es, dass der Start noch in diesem Jahr erfolgt?
Wir werden mit fast hundertprozentiger Sicherheit noch in diesem Jahr starten können. Eine auf den Tag genaue Prognose, wann wir starten, ist angesichts der Grösse des Projekts allerdings nicht möglich. Da wir auf dem Markt unter Druck sind, werden wir jedoch alles daran setzen, möglichst rasch mit unserem Angebot in den Markt vorzustossen.
Der Rückstand auf Cablecom, die diesen Frühling ihr Digital-TV-Angebot ausbauen will, wächst damit weiter...
Ob der Vorsprung grösser werden wird, kann ich nicht sagen. Wir können erst von uns behaupten, im Tripleplay-Markt, bei dem TV/Radio, Internet und Telefon über denselben Anschluss laufen, mitzuspielen, wenn unser TV-Angebot steht. Im Moment jedoch sind wir noch nicht so weit.
Bluewin fusioniert in der kommenden Woche mit Swisscom Fixnet. Wird Bluewin damit nicht zu träge?
Wir lösen lediglich die Bluewin AG auf. Auf organisatorischer Ebene wird es ansonsten keine grösseren Veränderungen geben. Die Struktur bleibt immer noch dieselbe. Die Tripleplay-Aktivitäten bleiben bei uns in der Entwicklung. Wir werden also auch weiterhin die Flexibilität unserer Grösse ausnützen können.
Im Gegensatz zu Ihrem Konkurrenten Cablecom kennt Ihr Unternehmen den TV-Markt kaum. Wie wollen Sie dieses Defizit wettmachen?
Wir haben zwar keine Erfahrungen in der TV-Industrie, sehr wohl jedoch im Netzaufbau. Unsere Aufgabe besteht darin, Fernsehen über das Telefonnetz zu distribuieren. Hier stehen wir in Konkurrenz zur Cablecom, die über ein eigenes Netz verfügt. Unser Anliegen ist aber auch, eine Differenzierung zum bestehenden Angebot von Cablecom zu bieten. Dabei steht die Beteiligung bei der Filmrechte-Vermarkterin Cinetrade im Mittelpunkt. Sobald wir die Zusage der Wettbewerbskommission erhalten haben, wird Cinetrade das Vakuum im Content-Bereich ausfüllen.
Wie wird die Zusammenarbeit von Swisscom mit Cinetrade aussehen?
Cinetrade hat zum einen Teleclub in ihrem Portfolio. Wir wollen dieses Paket im Rahmen unserer Tripleplay-Strategie auch anbieten. Zum anderen erwarten wir von Cinetrade, dass sie in der Content-Beschaffung eine grosse Rolle spielen wird. Dies ist gerade im Hinblick auf die Video-On-Demand-Angebote von Bedeutung.
Weshalb glauben Sie, dass Ihr Unternehmen im Zweikampf mit Cablecom das Rennen machen wird
Mittel- bis längerfristig bietet unsere Technologie einige Vorteile. Wir verfügen über so genannte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, die es uns erlauben, eine unbeschränkte Anzahl Kanäle anzubieten. Parallel zum erfolgten Netzausbau werden wir den heutigen Rückstand bei der Breitbandigkeit der Anschlüsse schon bald in einen Vorsprung umwandeln. In einem nächsten Schritt werden wir dank VDSL-Technologie -- eine Weiterentwicklung von ADSL -- Fernsehen in High-Definition-Qualität anbieten können. Und schliesslich sind wir in der Lage, im Rahmen einer Eins-zu-Eins-Beziehung zum Kunden diverse zusätzliche Dienste wie Interaktivität, Games, Kommunikationsdienste etc. anzubieten.
Cablecom erachtet es als grossen Vorteil, dass sie über schnellere Anschlüsse verfügt als Swisscom...
Wir sind gegenwärtig in der Tat auf der ADSL-Technologie noch beschränkt. Deshalb ist es für uns zum jetztigen Zeitpunkt schwierig, punkto Breitbandikgeit mit der Cablecom mitzuhalten. Wir werden dies jedoch auf die zweite Jahreshälfte hin erreichen. Mittel- bis längerfristig werden wir mit dem weiteren Netzausbau -- Stichwort VDSL -- Probleme solcherart hinter uns lassen.
Im Feldversuch konnten die Konsumenten lediglich zwischen zwölf TV-Kanälen auswählen. Weshalb also sollte der Konsument auf IP-basiertes Fernsehen umsteigen?
Wir haben beim Versuch das Angebot bewusst eingeschränkt. Unser Marktprodukt hingegen wird 100 bis 200 TV-Sender umfassen.
Wird es bei Ihrer Settopbox auch eine Taste Werbung überspringen geben?
Die Settopbox wird mit Sicherheit die Funktion Zeitversetztes Fernsehen besitzen, die es erlaubt, Werbepausen zu überspringen. Mir ist dabei bewusst, dass die Technologie die bestehenden TV-Stationen herausfordert, weil die Funktionalität der neuen Geräte die Preise für Werbung senken könnte. Wir selber sehen uns hier aber im selben Boot wie das Fernsehen. Deshalb wollen wir eine Lösung finden, die für die TV-Sender, die Werbetreibenden, wie aber auch für die Konsumenten ein Optimum darstellt. Wir werden immerhin darauf verzichten, die Funktionen, die das Überspringen der Werbung erlauben, zu vermarkten.
Können Sie sich vorstellen, in ferner Zukunft auch eigene Medieninhalte zu produzieren?
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bestehen weder Pläne noch Absichten, die ein solches Unterfangen vorsehen würden. Unsere Aufgabe besteht in den Bereichen Netzwerk, Distribution der Kanäle sowie der Erbringung gewisser Services. Bei letzterem geraten wir freilich schon in einen Graubereich, etwa wenn wir vom elektronischen TV-Programm und der Ankündigung der einzelnen Sendungen sprechen. Weiter wollen wir allerdings vorläufig nicht gehen.

