Roger gegen Roger, jede Woche auf Radio 1. Jetzt war der Fight erstmals im Schweizer Fernsehen zu sehen. High Noon zur späten Stunde zwischen zwei Medienmonstern, die sich sehr gut kennen. So gut wie alte Catcher-Kameraden, die die Tricks des andern aus dem FF kennen. Weil er Schawis Bissigkeit gut kennt und genau weiss, dass auch Schläge unter die Gürtellinie kommen werden, liess sich Köppel auch nicht beim Versuch des andern Roger aus der Fassung bringen, ihn als eiskalte, elternlose Person mit vermutlich psychologischen Problemen darzustellen. Nein Köppel blieb extrem ruhig, auch wenn ihn Freund Schawi wirklich massiv angriff, ihn als Lügner bezeichnete, als einer, der Verunglimpfung zum Prinzip seiner Tätigkeit gemacht hat, als einer, der nicht weiss, was Anstand ist, der keinen Widerspruch duldet in seiner Redaktion, der so etwas wie beruflich durchgedreht ist.

Immer antwortete Köppel bestimmt und überlegt, er verrührte nie die Hände, lehnte sich nie empört zurück, musste nur zweimal sagen, lass mich ausreden, blickte dem zornig wirkenden Gegner immer tief, fast freundlich in die Augen. Man wünscht sich als Zuschauer, dass Schawinski noch mehr solche Gegenüber findet, die souverän bleiben und sich einfach nicht beirren lassen. Köppel ist ein raffinierter Kerl, er hat zur Abwehr der Unterstellungen und Vorwürfe von Schawinski die raffinierteste Technik angewandt, die es für Interviewte überhaupt gibt (für die Interviewer eine Katastrophe): Er ging auf die von Schawi eigentlich gut recherchierten Argumente, die Konfrontation mit alten Köppel-Zitaten, auch auf die massiven Vorwürfe einfach nicht näher ein, sagte nur: "Das stimmt nicht", und wiederholte dann mehrmals, bis zum Geht-nicht-mehr, bis zur Peinlichkeit, das wichtigste Argument, das ihm und der Weltwoche in der Causa Hildebrand eigentlich Recht gibt: "Die 'Weltwoche' hat einen Skandal aufgedeckt, ohne die 'Weltwoche' wäre der Deckel drauf geblieben, ohne die 'Weltwoche' wäre es nie soweit gekommen", und so weiter.

Schawi hat sich ob dieser Taktik ungemein genervt, immer den Kopf geschüttelt, "nei, nei, nei" gerufen, dann schnell eine Behauptung dazwischen gerufen und am Schluss hat er keck erklärt, er habe alles, was Köppel da abgewehrt habe, Punkt für Punkt widerlegen können Typisch Schawi. Er hat das letzte Wort. Dann klemmte er schnell ab, sagte seinem Gegenüber nicht mal "danke und Gute Nacht", verabschiedet sich nur von den Zuschauern. Vermutlich mag er den andern Roger so gut, weil er einer der wenigen ist, die ihm das Wasser reichen können. Und wie.
Text: Peter Rothenbühler
Was Roger Köppel zum Rücktritt von Philipp Hildebrand meint, lesen Sie hier.

