Für das Jugendradio 105 stehen mehrere Retter bereit. Interesse an einer Übernahme haben Radio-1-Besitzer Roger Schawinski und Egon Blatter, Inhaber von DJ Radio. Ausserdem haben Radio-105-Fans zur Gründung einer Aktiengesellschaft aufgerufen und am Donnerstag beim Konkursamt in Zürich-Oerlikon einen Vorstoss eingereicht.
AG soll gegründet werden
Per Facebook und Webseite www.save105.ch rufen Radio-105-Fans zu einer Rettungsaktion für den Sender auf, wie "Kleinreport" am Freitag schreibt. Sie fordern ihren Lieblingssender in derselben Form als unabhängiges Radio zurück. Einer Koalition mit Mitbewerbern beziehungsweise "Synergie-Nutzungen" stehen die Hörer mit grosser Skepsis gegenüber, wie es in einem Communiqué heisst.
Daher wollen die Initianten von save105.ch beziehungsweise "Stahn uf für 105" eine Aktiengesellschaft ins Leben rufen. In Massenaktionen sollen dazu Aktien à 50 Franken verkauft werden. Nicht integriert würde bei einer Übernahme die Music First Network AG, sondern lediglich Radio 105. Ein konkreter Vorstoss wurde laut Mitteilung am 16. Januar beim Konkursamt eingereicht.
Roger Schawinski, Egon Blatter und Joiz interessieren sich
Als erster hatte sich nach dem Konkurs des Senders Roger Schawinski zu Wort gemeldet. Er teilte mit, beim Konkursverwalter ein Angebot für die Übernahme von Aktiven der konkursiten Music First Network AG vorgelegt und gleichzeitig dem Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) ein Gesuch für die Übertragung der Konzession zugestellt zu haben.
Ein weiteres Gesuch hat Egon Blatter, Inhaber von DJ Radio, am Donnerstagabend beim zuständigen Konkursamt Zürich-Oerlikon vorgelegt, wie er am Freitagmorgen gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte. Bis spätestens Montag solle ein Konzept für das Bakom rausgehen. Keine Stellungnahme wollte der Jugendsender Joiz dazu abgeben, ob er ebenfalls zu den Interessenten gehört.
Für einige Stunden die Frequenz gekapert
Die Music First Network AG war zu Beginn des vergangenen Jahres in die finanzielle Schieflage geraten. Investor Daniel Hartmann konnte das Unternehmen zunächst vor dem Konkurs bewahren. Am vergangenen Dienstag hatte Radio 105 jedoch sein Ende verkündet. Seitdem läuft nur noch Musik in einer Endlosschleife. Für kurze Zeit hatte Radio-1-Besitzer Roger Schawinski die Frequenz gekapert (persoenlich.com berichtete). Inzwischen ist der Konkurs über die Music First Network AG eröffnet. Für die Verwaltung der Konkursmasse, zu der auch die Konzession gehört, ist das Konkursamt Zürich-Oerlikon zuständig.
"Präzendenzfall in der Geschichte der konzessionierten Privatradios"
Bei der aktuellen Situation handelt es sich laut Bakom um "einen Präzendenzfall in der Geschichte der konzessionierten Privatradios", wie es in einer Stellungnahme heisst. Das Konkursamt könne im Namen der Music First Network AG beim Bakom ein Gesuch einreichen, um die Konzession von Radio 105 an einen neuen Besitzer zu übertragen.
"Ziel ist und bleibt der Erhalt eines besonders auf die Jugend ausgerichteten Radioprogramms", heisst es in der Mitteilung. Wenn ein Gesuch beim Bakom eintreffe, werde dieses das Genehmigungsverfahren beim Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) einleiten. Das Bakom unterstützte im Falle von Radio 105 eine nachhaltige Lösung im Rahmen einer Konzessionsübertragung an einen leistungsfähigen Bewerber. (sda)

