23.10.2012

"Ich bekomme Einblick ins Herz der Schweiz"

Es wurde viel spekuliert, nun lässt das Schweizer Fernsehen die Katze aus dem Sack: Nicht Michelle Hunziker moderiert die nächste "SwissAward"-Show, sondern Susanne Wille folgt auf Sandra Studer. persoenlich.com hat sich mit der bekannten SF-Frau über das neue Engagement bei der Samstagabend-Kiste, ihre Vorgängerin und die Zeit nach "10vor10" unterhalten. Das Interview:
"Ich bekomme Einblick ins Herz der Schweiz"

Frau Wille, Sie werden im Januar den Swiss Award moderieren. Wie ist es zu diesem Engagement gekommen?

SRF Unterhaltungs-Chef Christoph Gebel fragte mich telefonisch an.

Sie waren bisher immer im Nachrichtenbereich engagiert. Was ist Ihre Motivation, den "SwissAward" zu moderieren?

Natürlich bin ich klar eine News-Frau. Beim "SwissAward" geht es um die gleichen Themen, wie in meinem Berner Alltag. Wer prägt die Schweiz, was passiert im Land? Der Rahmen ist einfach anders. Mir gefällt die Vielseitigkeit meiner journalistischen Arbeit und ich packe gerne neue Projekte an.

Was sieht die Vereinbarung mit SF genau vor? Ist geplant, dass Sie nur diese eine Swiss Award –Show moderieren oder ist diese Zusammenarbeit auf mehrere Jahre angelegt?

Ich nehme es Schritt für Schritt und lege meinen Fokus auf die erste Sendung.

Sie treten in der neuen Funktion die Nachfolge von Sandra Studer an, die die Samstag-Abend-Kiste ganze 10 Mal moderierte. Sind Sie deshalb besonders nervös oder geehrt?

Sandra hat Ihre Arbeit sehr gut gemacht und viel getan für die Akzeptanz der Sendung. Meine Aufgabe ist es, dies nun weiterzuführen. Es geht hier aber primär nicht um mich, sondern um die Schweizerinnen und Schweizer, die etwas besonders geleistet haben für unser Land.

Es ist wohl nicht zu vermeiden, dass Sie die Zuschauer mit Ihrer Vorgängerin vergleichen werden. Können Sie uns schon jetzt sagen, was Sie anders machen werden?

Es wäre falsch, mich bewusst von einer Vorgängerin abheben zu wollen. Wichtig ist, dass ich mich selbst bleibe.

Im Vorfeld wurde darüber spekuliert, dass Michelle Hunziker die Moderation des "SwissAward“ übernehmen soll. Sie pflegt einen anderen Moderationsstil. Warum passen Sie und der "SwissAward" zusammen?

Als Journalistin verfolge ich jeden Tag, was in der Schweiz passiert und kann dies in die Sendung einbringen.

Dass Sie moderieren können, haben Sie unter anderem während 10 Jahren bei "10vor10" bewiesen. Ist dieser Event trotzdem etwas Spezielles für Sie?

Beim "SwissAward" werde ich in einer einzigen Sendung mit vielen unterschiedlichen Menschen reden können. Vielleicht mit einem erfolgreichen Unternehmer, vielleicht mit einer Querdenkerin aus der Politik. Und dies live vor einem grossen Publikum. Das ist natürlich speziell.

Auf was freuen Sie sich besonders?

Der "SwissAward" ist ja auch eine Art Jahresrückblick. Und so bekomme ich über viele Mosaiksteinchen Einblick ins Herz der Schweiz. Woran tüftelt die Wissenschaft, wer hat im Ausland ein beeindruckendes humanitäres Projekt, wer ist heute ein kreatives Vorbild?

Welcher Persönlichkeit würden Sie einen Swiss Award überreichen?

Der "SwissAward" zeichnet besonders mutige, kreative oder erfolgreiche Menschen aus - vielfach bekannte Menschen. Ich persönlich habe auch grossen Respekt vor all jenen, die sich in ihrer Freizeit für unser Land engagieren. In unserem Dorf erlebe ich das tagtäglich: Hier stellen die Bewohner vom Kulturvortrag, über eine Spielzeugbörse bis hin zur Aufräumaktion im Naturschutzgebiet alles auf die Beine. Die freiwilligen Helfer bringen so Lebendigkeit und Zusammengehörigkeit in die Gemeinde.

Sie sind derzeit nicht mehr vor, sondern als Reporterin im Bundeshaus hinter der Kamera tätig. Wie bereiten Sie sich auf das Comeback vor die Kamera vor?

Ich selber sehe es nicht als Comeback. Die Kamera war immer ein Teil meines Arbeitsalltages. Einmal mehr, einmal weniger. Wenn ich aus Bern via Live-Schaltung ein Ereignis politisch einschätzen muss oder in der Wandelhalle Nationalräte interviewe, ist die Kamera auch dabei.

Wie gefällt Ihnen die Tätigkeit im Bundeshaus?

Wir erleben politisch spannende Zeiten, denken Sie etwa an die umstrittenen Steuerabkommen, die Asyldebatte oder die Agrarreform. Als Journalistin hier mitten drin zu sein, ist äusserst reizvoll. Kommt hinzu, dass wir das Büro mit den Westschweizer und den Tessiner Kollegen teilen. Das ist die Schweiz quasi im Miniformat. Ein Bienenhaus mit einem Sprachen-Wirrwar, herrlich.

Arbeiten die Deutschschweizer Journalisten eigentlich anders als die Romands oder die Tessiner?

Die Westschweizer und Tessiner Kollegen haben - natürlich abgesehen von den nationalen Politgrössen - andere Parlamentarier, die sie regelmässig interviewen. Aber sonst ist Journalismus, Journalismus. Interessant ist es, vor der gemeinsamen Kaffeemaschine die Diskussion um eine zweite Gotthardröhre über die Landesteile hinweg zu diskutieren.

Hat Ihnen die Moderation schon einmal gefehlt seit Sie nicht mehr bei "10vor10" sind?

Nein. Moderieren zu dürfen, war immer schön, nie aber zwingend. Sonst hätte ich den Moderationsjob bei "10vor10" gar nicht erst aufgegeben. Ich liebe meinen Beruf mit allen Möglichkeiten, die er mit sich bringt.

Interview: Corinne Bauer


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