Frau Roten, Sie fordern im Chat Ihre Leser auf, an Ihrer Fortsetzungsgeschichte mitzuschreiben. Hat sich bereits herauskristallisiert, wie die Geschichte mit dem gelähmten Herrn Oberholzer, seinem Affen und der hübschen Pflegerin Anna weitergeht?
Ja. Aber am grossen Plot schreibt niemand mit, den verfasse ich selber. Es geht lediglich darum, dass Leser mir Anregungen in einzelnen, kleineren Punkten geben können. Ich stelle konkrete Fragen. Ein Beispiel: In "Eins" und Zwei versucht die Hauptfigur des Buches, Herr Oberholzer, seinen Affen dazu zu bringen, ihn umzubringen. Ich bat darum, dass sich die User Gedanken darüber machen, welche Möglichkeiten sich da anbieten würden. Zwei, drei Vorschläge waren durchaus brauchbar.
Ein lustiger Marketing-Gag.
Mal im Ernst: Die fünf Leute, die das Buch kaufen, weil sie hoffen, dass ihre Idee drin ist, fallen nicht ins Gewicht. Deswegen müsste ich nicht chatten.
Weshalb dann?
Ich finds einfach lustig. Es gehört zur Idee der Buchreihe, dass eine gewisse Interaktivität hergestellt wird.
Wie offen ist der Verlauf der Fortsetzungsgeschichte wirklich?
Wie die Geschichte ausgeht, steht nicht fest. Ich habe das Ende der Geschichte noch nicht im Kopf und schreibe vielmehr Stück für Stück weiter -- auch wenn die Leser nicht mitreden können in der Frage, wie die Story in ihren Grundzügen weiterläuft.
Ist es nicht schwierig, ohne klares Konzept im Kopf ein spannendes Buch zu schreiben?
Nein. Dieses Vorgehen ist für mich ganz natürlich. Bei den meisten Dingen, die man tut, weiss man ja nicht, wie sie enden. Ich schaffe vielmehr eine Situation und lasse die Figuren herumwuseln. Was dabei passiert, ist offen. Für mich ist diese Vorgehensweise auch nahe liegend. Ich bin es gewohnt, in regelmässigen Abständen Texte, bzw. Kolumnen abzuliefern.
"Sie ist die Schwanzlutscherin" hat der "Blick" vor kurzem über Sie geschrieben. Stört es Sie nicht, immer mehr in die Sexecke gedrängt zu werden?
Nein, das ist mir egal. Ich schreibe über verschiedene Themen, eines davon ist Sex. Da ist es doch nur logisch, dass sich die Leser und die Medien darauf konzentrieren. Sex ist im Übrigen wohl auch das interessanteste Thema, über das ich schreibe.
Sie könnten auch finden, die Medien reduzieren sie auf das Sex-Thema.
Das finde ich auch. Dass dies die Medien tun, ist aber absolut verständlich.
Man könnte auch den Verdacht äussern, Ihnen sei die Publicity, die ihnen das Thema Sex verschafft, durchaus willkommen?
Klar, kann man das. Aber man sollte mir glauben, wenn ich sage: Ich bin ganz und gar nicht darauf aus, auf dem Titelbild des "Blick" zu erscheinen.
Trotzdem: Den Buchverkauf hat die Titelstory im "Blick" zweifellos angekurbelt.
Das stimmt. Und "Sex sells" nun einmal. Aber der Punkt ist doch: Sex ist nicht bloss ein Verkaufsargument, sondern auch ein legitimes Thema per se.
Wie gut verkauft sich denn Ihr Buch?
Wir sind auf Kurs. Von der ersten Ausgabe "Eins" wurden 2'500 Stück verkauft. Das entspricht der Hälfte der Auflage. Und laufend werden weitere Exemplare bestellt. Bislang zeigte sich, dass wer ein Buch gelesen hat, auch die nächsten Ausgaben kauft. Insgesamt rechnen wir damit, bis zum Ende der sechsteiligen Bücher-Serie sicher über 20'000 Exemplare zu verkaufen.
Abschlussfrage: Sie haben bereits ein gewissen Promistatus erlangt. Wann kommt Ihre erste Homestory in der "Schweizer Illustrierten"?
Die kommt bestimmt nicht. Ich habe bereits eine Anfrage der "Schweizer Illustrierten" abgelehnt. Das ist wohl ein typischer Ringier-Mechanismus: Kaum hat der "Blick" einen Bericht über einen gemacht, klopft auch schon die "Schweizer Illustrierte" für eine Homestory an.
(Interview: David Vonplon)
--> "Drei" erscheint am 26. April. Jede Ausgaben oder die ganze Serie können beim Echtzeit-Verlag für jeweils 10 Franken pro Band bestellt werden.

