Geschäftsführer eines Verlags wie der Jean-Frey-Gruppe ist eigentlich ein Full-Time-Job. Können Sie diese Tätigkeit neben Ihrem politischen Engagement überhaupt noch vollständig ausüben?
Ich bin ein 100-prozentiger Verfechter des Milizsystems. Ich glaube, dies ist einer der Garanten unseres Systems. Konkret bedeutet dies, dass sich die Verantwortungsträger aus der Wirtschaft auch für gemeinschaftliche Aufgaben -- wie die Politik -- engagieren müssen. Es gibt eine Art Res publica; wenn man wie ich lange von der Gesellschaft profitiert hat, ich denke dabei an meine Zeit als Arena-Moderator und Chefredaktor des Schweizer Fernsehens, sollte man ihr später auch etwas zurückgeben.
Obwohl Sie einer der bekanntesten und meistbeschriebenen FDP-Nationalräte sind, sind Sie in Ihren Medien praktisch nicht präsent. Das grosse Filippo-Porträt ist in der Weltwoche bis heute nicht erschienen
Ich mische mich nicht in das publizistische Tagesgeschäft ein. Es ist also eine Entscheidung der Redaktionen und letztlich der Chefredaktoren, ob es so eine Geschichte gibt oder nicht.
Aber sehen Sie dabei kein Problem?
Ich kann mir vorstellen, dass bei der Berichterstattung über meine Person eine gewisse Befangenheit herrscht. Mir ist eine gewisse Zurückhaltung ganz recht. Aber man sollte meine Rolle auch nicht dramatisieren; ich bin nicht der erste Verlagschef, der in einem Parlament sitzt.
Eine grosse Baustelle ist momentan die Weltwoche. Hat man im Vorfeld nie Szenarien über einen möglichen Abgang von Roger Köppel gemacht?
Die Weltwoche ist keine Baustelle, sondern zum Glück heute wieder ein erfolgreiches Medienprodukt. Natürlich macht man sich immer Überlegungen, wie man noch erfolgreicher werden kann. Wir haben den Turnaround geschafft; jetzt müssen wir Kontinuität schaffen. Was die Chefredaktion betrifft, gilt: Erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt.
Wie weit sind Sie bei der Nachfolgesuche?
Es ist wichtig, dass eine solche Frage auch mit der Redaktion diskutiert wird. Wir führen einen sehr offenen Dialog.
Also wird es eine demokratische Wahl?
Führen bedeutet nicht, dass derjenige, der führt, seine Entscheidungen alleine trifft, sondern sich andere Meinungen anhört und sich in die Menschen hineinversetzt, die von der Entscheidung mitbetroffen sind. Ziel solcher Diskussionen ist es, die beste Lösung für die Weltwoche zu finden und die Ansprüche und Anforderungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erkennen. Der neue Chefredaktor sollte dem Blatt einen weiteren Schub geben.
Muss der neue Chefredaktor ein Schweizer sein?
Nein, überhaupt nicht. Aber er muss die Schweiz aus dem Bauch heraus verstehen, das ist mehr als nur mit dem Kopf. Dieses Feeling zeichnet einen guten Weltwoche-Chef, eine gute Weltwoche-Chefin aus.

