03.04.2012

"Ich bin nicht nur ein Fernseh-Fritz"

Die Überraschung ist perfekt: Die Zürcher Werbeagentur HessKissSulzerSutter hat sich TV-Talker Kurt Aeschbacher als Verwaltungsrat ins Haus geholt. Gegenüber persoenlich.com spricht er über gute Werbung, seinen Ruf und erklärt, warum man gewisse Regeln der SRG als Einschränkung der bürgerlichen Freiheit empfinden könnte. Das Interview:
"Ich bin nicht nur ein Fernseh-Fritz"

Kurt Aeschbacher, man kennt Sie als einfühlsamer Gesprächsführer. Nun werden Sie VR einer Werbeagentur. Das ist eine Überraschung.

Finden Sie? Dabei bin ich von Haus aus studierter Nationalökonom, war stets unternehmerisch tätig und bin in verschiedenen anderen Verwaltungsräten, aktuell bei Casino Baden und während längerer Zeit bei Schoscho Rufeners Agentur.

Was reizt Sie an der eher oberflächlichen Werbewelt?

Wenn man im Rampenlicht steht, macht man sich selbst stets Gedanken über seine eigene Marke. Ich mache mir seit 30 Jahren werbetechnische Überlegungen zu meiner eigenen Sendung und meiner Person. Dabei beschäftigen mich Fragen wie "für welche Werte stehe ich?" oder "Wo positioniere ich mich?".

Und für was steht denn die Marke "Kurt Aeschbacher"?

Während einer gewissen Zeit war ich der farbige Paradiesvogel. Ich versuchte mit Sendungen wie "Grell pastell" oder "Casanostra" Tabus in Frage zu stellen. Danach habe ich ganz bewusst einen anderen Weg eingeschlagen, der unabhängig von Alter und anderen äusseren Einflüssen möglichst lange Bestand haben kann. Ich habe deshalb auch diese Samstag-Abend-Marke verlassen. Meine Zukunft lag und liegt in einer Talkshow, die meine Fähigkeit Gespräche zu führen, in den Vordergrund stellt. Um langfristig erfolgreich zu sein, muss man auf seine Kernkompetenz setzen und kreativ bleiben.

Was ist Kreativität?

Kreativität ist die Fähigkeit, vermeintlich klar definierte Situationen und Dinge anders zu beleuchten und darzustellen, als man dies bis anhin gemacht hat.

Hätte es Sie auch gereizt, bei der kreativen Arbeit der Agentur mitzuwirken?

Sicher, doch kann ich dies schlicht nicht gut genug. Sonst wäre ich vermutlich Werbetexter geworden. Ich kann zwar aus Erfahrungen heraus Texte schreiben, z.b. Kolumnen. Aber ich kann Inhalte nicht auf eine augenfällige Schlagzeile reduzieren. Ausser bei meiner eigenen Sendung, "die man nicht nur aus Langeweile schaut". Das war aber eine zufällige Eingebung.

Was ist gute Werbung?

Als kritischer Konsument freuen mich überraschende Auftritte. Eine Werbung ist gut, wenn Sie einen neuartigen Link zum Produkt schafft und mich im besten Fall auch mit Humor berührt.

Was für eine Werbung finden Sie sensationell?

Da schweigt des Sängers Höflichkeit.

Was darf eine Werbung nie?

Eine Werbung darf kein Etikettenschwindel sein. Da würde ich der Agentur gehörig auf die Finger klopfen, wenn ich einen solchen bemerken würde. Der Konsument muss als selbständige und selbstentscheidende Person respektiert werden. Versprechen dürfen nur gemacht werden, wenn sie wirklich eingehalten werden können.

Schlussendlich geht es bei Werbung immer darum, etwas zu verkaufen.

Das ist a priori nichts Schlechtes. Unsere Gesellschaft basiert darauf, dass Menschen Dinge produzieren und Dritte diese konsumieren. Das ist die Voraussetzung unseres Wohlstandes. Es ist das Prinzip des Wettbewerbs, dass die zu verkaufenden Produkte oder Dienstleistungen in einem möglichst guten Licht dargestellt werden. Dies aber stets innerhalb klarer Regeln: und die heissen für mich Ehrlichkeit und Anstand.

Was möchten Sie als Verwaltungsrat bei HessKissSulzerSutter bewirken?

Meine primäre Aufgabe ist es, für das Unternehmen eine erfolgreiche Strategie zu entwickeln und es richtig zu positionieren. Es gilt stets auch zu kontrollieren, ob eine Firma auch langfristig Bestand haben kann. Notfalls muss ein Verwaltungsrat eingreifen, wenn er das Gefühl hat, dass das Unternehmen sich in eine falsche Richtung bewegt.

Wieviel Zeit investieren Sie in den neuen Job?

Im Moment haben wir uns auf vier Sitzungen pro Jahr geeinigt. Falls zusätzliche Sitzungen nötig sind, wird dies sicherlich möglich sein.

Wie ist die Zusammenarbeit eigentlich entstanden?

Wir haben uns sehr viel Zeit genommen, uns gegenseitig kennen zu lernen. Ich habe die Geschäftsleitung auch zu mir nach Hause eingeladen, denn ich finde es wichtig, dass man weiss wie ein neuer Verwaltungsrat lebt und funktioniert, wenn man mit ihm zusammenarbeiten möchte. Mein Zuhause ist nämlich zugleich mein "Think Tank", der Ort, wo alles stattfindet. Eine Zusammenarbeit soll nicht auf falschen Hoffnungen beruhen. Ich bin zum Beispiel ganz klar nicht dazu da, Akquisition zu betreiben.

Keine direkte Kundenakquise also. Man kann und will vermutlich aber nicht vermeiden, dass Sie als Verwaltungsrat auch zum Aushängeschild der Agentur werden?

Das sehe ich anders. Ich bin Verwaltungsrat dieser Agentur, um mitzudenken und um Ideen zu erarbeiten. Natürlich ist "Kurt Aeschbacher" ein bekannter TV-Mann, doch deshalb bin ich nicht nur ein "Fernsehfritz".

Sondern?

Primär bin ich ein Mitglied unserer Gesellschaft, das versucht, etwas zu dieser beizutragen -- in meinen Sendung mit der Wahl der Gäste, bei HessKissSulzerSutter als Verwaltungsrat. Als UNICEF-Botschafter bin ich andererseits bemüht, die Situation der Kinder zu verbessern. Dies sind nur ein paar von vielen weiteren Facetten meiner Person. Menschen tendieren dazu, andere in bestimmte Schubladen zu versorgen. Wenn man im Rampenlicht steht, wird man dann halt oft reduziert auf die öffentlich wahrnehmbare Seite.

Waren Sie auch schon mal Werbetestimonial?

Nein, das dürfte ich gar nicht. Von der SRG haben wir sehr klare Regeln, was werberische und politische Aussagen anbetrifft. Dies kann man manchmal als eine Einschränkung der bürgerlichen Freiheit empfinden, hat aber für die Glaubwürdigkeit der journalistischen Arbeit Vorteile. Auch wenn ich manchmal neidvoll auf die Kollegen im Ausland blicke, die sich damit eine goldene Nase verdienen...

Wären Sie denn gern Werbetestimonial?

Ich kann gut ohne leben. Generell nehme ich neue Aufgaben nur noch an, wenn ich überzeugt bin, dass es etwas Sinnvolles ist. Sinnvoll in dem Sinne, dass ich einen sinnvollen Beitrag leisten kann und die neue Aufgabe mich herausfordert.

Was ist Ihre erste Herausforderung mit HessKissSulzerSutter?

Das Potential der Agentur auszuschöpfen, mitzuhelfen, ihr ein klares Profil zu geben und an einer langfristigen Wachstumspolitik mitzuarbeiten.

Interview: Corinne Bauer.


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